Petr Čech wechselt nicht nach Neugersdorf

Transfer geplatzt

Tief erschüttert gab Manfred Weidner, sportlicher Leiter des FC Oberlausitz, heute bekannt, daß der gestern gemeldete Transfer Petr Čech von Arsenal London zu den Neugersdorfern nicht zustande gekommen ist. Der Vorstandsvorsitzende der Gunners, Chips Keswick, senkte den Daumen. Per E-Mail ließ er verlauten: " dass es dem FCO nicht gelungen ist, abgesprochene Termine einzuhalten. Wir hatten vereinbart, den Deal bis spätesten 31.03. über die Bühne bringen." Die Veröffentlichung am gestrigen 1. April hält er für einen schlechten Scherz.

Der FC Oberlausitz hat den Blick in die Zukunft gerichtet und intensiviert seine Personalplanung für die kommende Saison. Die vielen Spielerausfälle, die das Leistungsvermögen ihrer Mannschaft derzeit beeinträchtigen, haben die sportliche Führung des Vereins dazu animiert, gerade auf den Schlüsselpositionen das Leistungspotential sowie die Alternativen deutlich zu erhöhen. Deshalb wird ab der kommenden Saison Petr Čech die Neugersdorfer auf der Torhüterposition verstärken.
Er erhält einen Vertrag bis Ende Juni 2019. Manfred Weidner, der sportliche Leiter des FCO, hat damit seinen ersten Transfercoup der kommenden Saison gelandet. Junge heimische Spieler und erfahrenen tschechische Akteure, " mit dieser Mischung sind wir binnen dreier Jahre von der Landesliga in die Regionalliga gestürmt." Geht es nach ihm, soll das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Er setzt seine Linie weiter konsequent um. "Petr passt hervorragend zu unserer Philosophie. Sportlich und menschlich wird er für unseren Verein ein großer Gewinn." Der Sportdirektor der Oberlausitzer ist euphorisch.
Auch Petr Čech freut sich auf seine neue Aufgabe. Der 33jährige, der seine Kindheit in Plzen verbrachte, fühlt sich mit dem Norden Tschechiens verbunden und möchte in dieser Region auch seine erfolgreiche Karriere ausklingen lassen. Deshalb war für ihn das Angebot aus Neugersdorf von Anfang an interessant. "Der Verein hat Perspektiven. Ich denke, über kurz oder lang wird er sich in der 3. Liga etablieren. Da mitzuhelfen, das reizt mich." Zumal er schon viel von der Mentalität der Oberlausitzer gehört hat. Denn den Kontakt stellte Jan Flachbart her, dessen Wege sich mit denen von Manfred Weidner heute noch ab und an bei Spielen von Slovan Liberec kreuzen. Flachbart spielte nicht nur zwei Jahr in Neugersdorf (stieg mit dem FCO 2012/13 von der Landesliga in die Oberliga auf) sondern auch 2001/02 zusammen mit Petr Čech bei Sparta Prag in der Champion-League. Dort überstanden sie gemeinsam mit Bayern München die erste Gruppenphase. Beide Akteure waren damals beim Spiel in München fester Bestandteil des Prager Abwehrbollwerks und erreichten ein 0:0. Später trennten sich deren fußballerischen Wege. Čech begann 2002 seine internationale Karriere, wurde U21-Europameister, debütierte in der Tschechischen Nationalmannschaft und wechselte zu Stade Rennes (Frankreich). Zwei Jahre später schloss er sich Chelsea London an, erreichte dort je vier Meistertitel und Pokalsiege. Seinen größten Erfolg feierte er beim Champions-League-Sieg 2012 in München, als er in der Verlängerung einen Strafstoß Robbens entschärfte und im Elfmeterschießen von Olič und Schweinsteiger nicht überwunden werden konnte. Nach seinem Wechsel zu Arsenal zog er sich Anfang März im Spiel gegen Swansea City eine Muskelverletzung zu, die ihn derzeit außer Gefecht setzt. Doch auch hier ergeben sich erfreulich Berührungspunkte: "Wir haben derzeit so viele Muskelverletzungen zu behandeln, da bekommen wir auch den Petr bis Juli wieder fit." Anne Klippel und Christoph Kittel, die sich um die physischen Belange der FCO-Spieler kümmern, sind sich da sicher. Klippel profitiert sogar von Čech Wechsel und Verletzung. Ernst Lieb ermöglicht ihr einen Myalgie-Fortbildungskurs, um sich auf internationalem Niveau zu etablieren.
"Ich bin absolut happy, stolz, froh." Auch der Präsident ist von Čech Zusage angetan. Trotzdem muss er sich um die finanziellen Belange des Transfers kümmern. "Arsenal hat sich äußerst kooperativ verhalten und ist uns bei der Transfersumme weit entgegengekommen." Dabei hatte sich der gewiefte Geschäftsmann die wirtschaftliche Lage der Londoner zunutze gemacht. 26,8 Millionen Euro Transferdefizit hatten die Gunners zuletzt eingefahren, da kommt es ihnen sehr gelegen, Gehaltkosten sparen zu können. Trotzdem müssen zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt werden. "Wir werden das Stadionprojekt erst einmal auf Eis legen. Zudem erwägen wir, mit einer Spendenaktion zusätzliche Einnahmen zu generieren."
Seine neuen Mannschaftskameraden freuen sich in der Mehrzahl auf den neuen Torhüter. "Ein absoluter Gewinn für die Mannschaft", so Kapitän Karl Petrick. Doch ob es für den Helmträger zu einem Stammplatz reicht, steht noch in den Sternen. Denn bei aller Euphorie gibt es auch kämpferische Stimmen: "Wir sollten den Ball mal schön flach halten. Seinen Platz im FCO-Tor muss er sich erst einmal verdienen." Franco Flückiger sieht die Neuverpflichtung eher mit gemischten Gefühlen. Er wird sich der unerwarteten Konkurrenz auf seinen Stammplatz stellen.
Jens Kölz