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Sächsische Zeitung vom 24.05.2019
von Frank Thümmler

,,Dieses Stück Land ist zu klein für drei Regionalligisten."

Ernst Lieb, Präsident des FC Oberlausitz Neugersdorf, über die Gründe für den Rückzug aus der Regionalliga

Die Nachricht überraschte: FCO-Kapitän Karl Petrick hatte mit seiner Mannschaft noch am Sonnabend den sportlichen KIassenerhalt nach einem Sieg bei Lok Leipzig gefeiert und auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gesagt: ,,Wir wollten unbedingt diese Liga halten, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein, das haben wir sportlich geschafft" und sich auf neue Duelle mit Lok Leipzig gefreut. Vier Tage später teilte der FC Oberlausitz Neugersdorf aber mit, dass er sein Spielrecht in der Regionalliga in der kommenden Saison nicht wahrnimmt, sich in die 5. Liga (Oberliga) zurückzieht. Zwei Gründe wurden in der offiziellen Mitteilung benannt: die wirtschaftlichen und strukturellen Möglichkeiten und die vom Verband ab 2020/21 geforderte und in Neugersdorf nicht vorhandene Flutlichtanlage. FCO-Präsident Ernst Lieb erklärt im SZ-Interview genauer, was zum Rückzug der Mannschaft führte.

Herr Lieb, wann ist denn die Entscheidung, nicht in der Regionalliga anzutreten, gefallen?
Endgültig haben wir das am Mittwochmittag entschieden. Wir haben bis dahin immer noch versucht, eine Etatlücke für die kommende Saison zu schließen, was uns aber nicht gelungen ist. Es ist ja nicht so, dass wir an unserer Ausgabenseite gescheitert sind. Mit unserem Etat liegen wir am unteren Ende der Regionalliga. Es liegt an der Einnahmenseite. Uns fehlen eben zwei Wirtschaftsstandorte, einmal in Richtung Tschechien und einmal Richtung Polen. Vereine aus Düsseldorf oder Köln haben eben viel bessere Möglichkeiten, sich mit Firmen auseinanderzusetzen und an Sponsoren ranzukommen.
Spielt die Konkurrenz mit den anderen Regionalligisten Bautzen und Bischofswerda dabei auch eine Rolle?
Natürlich, wenn man nur einen Halbkreis um Neugersdorf für die Sponsorensuche zur Verfügung hat und da schon zwei andere warten, ist das so. Normalerweise ist dieses Stück Land für drei Regionalligisten zu klein. Das muss man auch mal sagen. Insofern ist es schon ganz gut, dass zwei von drei gesagt haben, o.k. - wir versuchen es mal etwas tiefer und im Griff zu behalten. Ich habe auch immer gesagt: Wir sind nicht Chemnitz und nicht Erfurt und nicht Viktoria Berlin und auch nicht Lok Leipzig, wo man heute einen Insolvenzantrag abgibt und morgen weitermacht. Aber nach deutschem Recht geht das nun mal, wir müssen das hinnehmen.
Klingt da durch, dass auch beim FC Oberlausitz eine Insolvenz im Raum steht?
Nein, überhaupt nicht. Der FC Oberlausitz ist ein kerngesunder Verein. Auf den Punkt gebracht: Uns fehlt ein Betrag x für die kommende Saison. Nun hätte man das zum Beispiel über ein Darlehen machen können. Aber nun kommt dazu, dass der Nordostdeutsche Fußballverband festgelegt hat, dass ab nächstem Jahr jeder Regionalligist auf seinem Hauptplatz eine Flutlichtanlage haben muss. Das haben wir nicht. Beide Gründe zusammen haben dann dazu geführt, dass wir diese Entscheidung so getroffen haben.
Hat ein Standortwechsel wegen der Flutlichtanlage eine Rolle gespielt?
Wir haben darüber gesprochen. Wir werden aber nicht nach Bautzen wechseln, nur weil die dort eine Flutlichtanlage haben. Wir haben jetzt vier Jahre Regionalliga gespielt und hatten noch nie ein Flutlichtspiel. Ich kann die Entscheidung des Verbandes nicht nachvollziehen, jetzt überall eine zu fordern. Aber es gibt diese Festlegung, und dann ist es halt so.
Sie hatten ja auch mal mit dem Gedanken gespielt, in Löbau oder Zittau zu spielen.
Dann müssten alle Geld in die Hand nehmen, und so kurzfristig ist das nicht machbar. Es ist gar nicht ausgeschlossen, dass irgendwann mal was in Löbau geht, aber man muss immer einen Schritt nach dem anderen machen. Auch meine Krankheit ist dazugekommen. Meine Vorstandskollegen können teilweise auch nicht so viel Verantwortung übernehmen, erst recht wenn es um das Schließen finanzieller Lücken geht.
Bedeutet das, dass die Regionalliga jetzt ad acta gelegt wird, auch als Zielstellung für die neue Saison?
Wir haben jetzt einen deutlich verjüngten und deutlich günstigeren Kader. Wenn dieses Team es schafft, in die Regionalliga aufzusteigen, das wäre in Ordnung. Das Flutlichtproblem hätten wir zwar immer noch, aber vielleicht könnten wir dann für ein Jahr nach Bautzen umziehen, oder vielleicht gibt es diese Forderung dann ja nicht mehr.
Letzte Frage: Wo sehen Sie den FCO in fünf Jahren?
Wir haben sie unmittelbar nach unserer Entscheidung informiert. Ich kann sagen, dass viele Spieler auch Verträge für die Oberliga haben und die Eckpfeiler dieser Mannschaft bleiben werden. Um sie herum werden junge Leute ihre Chance bekommen, sich zu entwickeln. Einige Spieler des alten Kaders werden sicher aber auch sagen, dass sie sich das nicht antun werden.
Hat ein Standortwechsel wegen der Flutlichtanlage eine Rolle gespielt?
Ich denke, dass die Oberliga momentan für uns richtig ist. Trotzdem gibt es um den Fußball herum so viele Gespräche, dass vielleicht doch mal jemand auf den Plan kommt und sagt: Ich hätt da mal eine Idee. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir noch mal Regionalliga spielen. Andererseits wollten wir nicht wie Bautzen in die Landesliga absteigen. Das Niveau in der Oberliga ist doch besser. Wir wollen schwerpunktmäßig die Talente, die aus den A-Junioren kommen, einsetzen. Und dann geht es mit der Regionalliga vielleicht auch mal schneller, als man denkt.
 
Sächsische Zeitung vom 18.01.2019
von Romy Altmann-Kühr

Sport und Wirtschaft im Oberland sind eng mit dem Namen Ernst Lieb verbunden. Dafür bekommt Lieb vom Ministerpräsident Kretschmer eine Auszeichnung.

"Ohne den großen Ernst hätte es das alles so nicht gegeben." Mit diesen Worten würdigte Andreas Hempel von Stahlbau Oberlausitz beim Neujahrsempfang, den seine Firma diese Woche gemeinsam mit der Stadt Ebersbach-Neugersdorf ausrichtete, einen anderen Unternehmer aus der Oberlandstadt: Ernst Lieb. Der Chef der Maschinenbaubetriebe Neugersdorf (MBN) habe neben der eigenen Firma viel anderes in und für die Stadt auf die Beine gebracht. Zum Beispiel die Gründungen des Firmenausbildungsrings ging auf seine Initiative zurück. Davon profitieren viele Mittelständler, die ihre Azubis dort zur Ausbildung hinschicken können.
Am heutigen Freitag würdigt auch ein anderer die Verdienste von Ernst Lieb aus Neugersdorf - nicht nur als Unternehmer. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat unter dem Motto "Goldener Boden - Startbahn für Sachsens Wirtschaft" Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Neujahrsbegegnung in die Elbe Flugzeugwerke GmbH in Dresden eingeladen. In diesem Jahr soll das Augenmerk dabei besonders auf Handwerk, Mittelstand und Wirtschaft liegen, informiert die Staatskanzlei. Bei der Veranstaltung zeichnet der Regierungschef deshalb auch mehrere Unternehmer aus dem Freistaat aus, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren und so den Zusammenhalt stärken.
Zusammenhalt stärken, das ist sein Stichwort. "Sein" Sport, für den er sich in der Wahlheimat im Oberland seit vielen Jahren engagiert, steht für Zusammenhalt wie kaum eine andere Sportart. Es geht - natürlich - um Fußball. Der Fußballclub Oberlausitz Neugersdorf (FCO) und der Name Ernst Lieb gehören zusammen. Geehrt wird der Unternehmer vom Ministerpräsidenten für sein ehrenamtliches Engagement in der Oberlausitz. "Als Präsident des FCO gibt er Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen", heißt es von der Sächsischen Staatskanzlei zur Begründung. Der Name Lieb steht aber auch für wirtschaftlichen Aufschwung im Oberland, speziell in Neugersdorf. Bei vielem, was sich seit der Wende im Stadtbild von Neugersdorf verändert hat, mischte Ernst Lieb mit. 1991 gründete der Unternehmer aus Niedersachsen die Maschinenbaubetriebe MBN, wo heute rund 300 Menschen arbeiten. Aber auch darüber hinaus investierte er in die Stadt. Das Veranstaltungshaus Stadt Zittau wurde außen saniert, er baute mehrere Wohnhäuser. Sein jüngstes Projekt: Lieb baute den leerstehenden Möbelmarkt an der Karl-Liebknecht-Straße zum Sport- und Rehazentrum um. Seine Projekte haben Auswirkungen auf die ganze Region. Viele Auszeichnungen und Würdigungen hat der Niedersachse in seiner sächsischen Wahlheimat schon bekommen, er ist zum Beispiel Ehrenbürger von Neugersdorf und Botschafter der Oberlausitz. Als jüngsten Dank gab's jetzt die Einladung zur Neujahrsbegegnung nach Dresden, einen Händedruck vom Ministerpräsidenten und eine Urkunde.
   
Sächsische Zeitung vom 30.11.2018
Auszüge des Gesprächs von Frank Thümmler

"Uns fehlen mindestens fünf, sechs Punkte!"

FCO-Trainer Karsten Hutwelker blickt auf eine durchwachsene Hinrunde zurück.

Herr Hutwelker, Ihre erste Halbserie beim FC Oberlausitz ist beendet. Ihr Team hat 19 Punkte auf dem Konto, nur drei mehr als der Vorletzte Meuselwitz, nur drei weniger als der Achte Lok Leipzig. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Wir haben aus für mich unerfindlichen Gründen zum Ende der Hinrunde geschwächelt, in den letzten fünf Spielen nur ein Tor erzielt und zwei Punkte geholt. Natürlich muss man sagen, dass wir langzeitverletzte Leistungsträger haben, was wir nicht kompensieren können. Dazu kamen zuletzt gesperrte Spieler, auch durch Undiszipliniertheit. Wir haben uns dadurch selbst geschwächt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir angesichts unseres Aufwandes und unserer Entwicklung fünf sechs Punkte zu wenig auf dem Konto haben.
Was macht Sie optimistisch für die Rückrunde?
Mit der Entwicklung der Mannschaft, der Integration junger Spieler, bin ich sehr zufrieden. Die Spieler der Mannschaft insgesamt hören zu, wir arbeiten sehr harmonisch zusammen. Wir haben uns zwar jetzt in diese prekäre Lage gebracht, aber ich bin mir sicher, dass wir stark genug sind, da wieder herauszukommen.
Ihre Mannschaft spielt immer wieder gut mit, kassiert aber manchmal durch große individuelle Fehler Gegentore oder erzielt den Treffer eben nicht. Kann man da als Trainer etwas machen?
Natürlich kann man Automatismen trainieren, immer wieder wiederholen, damit sie auch unter Druck sitzen. Aber ganz ehrlich, solche Dinge sind auch eine Frage der Qualität, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen. Fakt ist aber, wir haben uns einige Male durch Naivität, Leichtsinnigkeiten oder Unkonzentriertheiten in kurzer Zeit viel kaputt gemacht. Daran müssen wir arbeiten.
Gibt es Handlungsbedarf in der Winterpause?
Aus meiner Sicht ja. Im Moment reicht die Quantität der Spieler ganz einfach nicht für ein adäquates Regionalligatraining. Wir können zudem die verletzten Hochkaräter nicht 1:1 ersetzen. Aber natürlich muss ein neuer Spieler zu uns passen und für der Verein auch machbar sein. Klar ist schon jetzt, dass wir eine sehr intensive Vorbereitung in der Winterpause bestreiten werden, um unsere Schwächen auszumerzen und weiter voranzukommen.
Gibt es Spieler, die Sie in der Hinrunde positiv überrascht haben?
Da würde ich zuerst die U19-Spieler nennen, die den Sprung zu uns geschafft haben oder auf einem guten Weg sind. Colin von Brezinski hat sich toll entwickelt, Maximilian Schmidt hat gerade zuletzt immer mehr überzeugt, Mohamed Djahdou hat schon gezeigt, dass er uns weiterhelfen kann. Ein ganz wichtiger Baustein ist zum Beispiel aber auch Jan Šisler.

 
Sächsische Zeitung vom 15.06.2018
Frank Thümmler

Das ist der Neue beim FC Oberlausitz

Ex-Bundesliga-Profi Karsten Hutwelker will eine fitte, taktisch variable Mannschaft. Das hört sich nach viel Arbeit an.

Karsten Hutwelker heißt der neue Trainer des FC Oberlausitz Neugersdorf. Der 46-Jährige hat einen Vertrag für die kommende Saison unterschrieben. Für den FC Oberlausitz Neugersdorf ist damit ein längerer Auswahlprozess abgeschlossen. Präsident Ernst Lieb sagt: "Wir hatten nicht wenige Bewerbungen. Mit fünf, sechs Kandidaten habe ich dann Gespräche geführt. Wir hatten als Verein festgelegt, wie wir uns den Fußball unserer Mannschaft vorstellen. Ich habe alle Trainer gefragt, welche Spielphilosophie sie vertreten. Bei Karsten Hutwelker waren unsere und seine Ideen fast deckungsgleich."
Für Karsten Hutwelker wird Neugersdorf die siebente Trainerstation seit 2010 - nach dem Nachwuchs beim Bonner SV und der SG Wattenscheid, nach dem Wuppertaler SV (Regionalliga), dem FC Kray (Oberliga), dem FC Carl-Zeiss Jena (Regionalliga) und zuletzt dem Oberligisten SSVg Velbert. 2013 absolvierte er den DFB-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie zum Fußballlehrer, übrigens gemeinsam mit André Breitenreiter (heute Trainer Hannover 96)und Markus Anfang (Kiel, jetzt 1. FC Köln). Auch als Spieler hatte der heute 46-Jährige viele Stationen: insgesamt 13 in 19 Jahren, absolvierte dabei 71 Bundesligaspiele (mit Düsseldorf, Wattenscheid und Bochum) und 184 Zweitligaspiele, war auch in Italien und England am Ball.
Wie verschlägt es so einen nach Neugersdorf ganz tief im Osten und damit weit weg von seiner Heimat Köln? "Der Trainermarkt ist heiß umkämpft. Es ist nicht einfach, da seinen Platz zu finden. Was den Ort betrifft, muss man in diesem Job flexibel sein. Viel wichtiger ist, dass man einen seriösen Club findet. Und in den Gesprächen in Neugersdorf hatte ich von der ersten Sekunde an ein positives Gefühl." Dass der Kader im Wesentlichen steht, er also keinen Einfluss auf die Zusammenstellung der Mannschaft nehmen kann, stört den erfahrenen Spieler erst einmal nicht. "Ich muss natürlich die Mannschaft in den ersten sieben bis zehn Tagen kennenlernen, kenne auch schon ein paar Spieler", sagt er.
Auf die dürfte mit dem Trainingsstart am 25. Juni viel Arbeit zukommen. Neben den üblichen Ansagen ("Ich lege viel Wert auf Disziplin auf und neben dem Platz.") kündigt Hutwelker nämlich auch an, dass seine Mannschaften immer zu den fittesten in ihren Ligen gehören und dass seine Mannschaft taktisch flexibel reagieren können soll, also verschiedene taktische Systeme intus hat. Er sei bisher mit einem 4-3-3-System erfolgreich gewesen, könne sich aber auch ein 4.1-4-1-System gut vorstellen. Die taktischen Einheiten - da kommt Hutwelker vor allem seine Italien-Erfahrung (AC Florenz) zugute, dürften nicht zu kurz ausfallen. Hutwelker will mit dem vorhandenen Trainerteam zusammenarbeiten, alle möglichst schnell kennenlernen. Das gilt natürlich auch für alle Spieler. Gerade in den ersten Wochen werden Einzelgespräche geführt.
Klar ist auch, dass der Kölner in Neugersdorf eine Wohnung beziehen wird. Präsident Ernst Lieb hat da keine Bedenken: "Er weiß, was Neugersdorf alles zu bieten hat und auch, was es nicht gibt." Karsten Hutwelker scheint der Eindruck gefallen zu haben. Er jedenfalls kann sich vorstellen, länger als ein Jahr zu bleiben: "Ich setze auf Kontinuität, würde gern endlich mal in meiner Kariere an einem Ort etwas aufbauen und an meinen Leistungen gemessen werden." Dafür muss, das weiß der neue Trainer natürlich, neben aller Chemie auch das Ergebnis stimmen. In zehn Tagen geht die Vorbereitung auf die vierte Neugersdorfer Regionalliga-Saison los, schon Ende Juli folgt das erste Punktspiel.

   
Sächsische Zeitung vom 21.12.2017
Frank Thümmler

"Wir wollen jetzt den Sachsenpokal!"

Der FC Oberlausitz Neugersdorf überwintert mit 23 Punkten aus 18 Spielen auf dem 13. Tabellenplatz in der Regionalliga Nordost. Zum neunten Platz fehlt allerdings nur ein Punkt, auf Platz drei sind es auch nur sieben Punkte, während nach hinten, auf den ersten Abstiegsplatz, eine Lücke von immerhin zehn Punkten klafft. Trotzdem, nach Platz fünf im ersten Regionalligajahr (54 Punkte) und Platz acht in der vergangenen Saison (48 Punkt) droht ein kleiner Abwärtstrend. Der FC Oberlausitz hat versucht gegenzusteuern, trennte sich von Trainer Vragel da Silva und installierte den sportlichen Leiter Manfred Weidner, der den FCO als Vorgänger da Silvas zu zwei Aufstiegen und dem Einzug ins Pokalfinale geführt hatte, wieder als Trainer. Wo er den FCO heute sieht, was es für Veränderungen anstehen und was die Ziele für die Rückrunde sind, sagt der 55-Jährige im SZ-Interview.
Herr Weidner, Ihre Mannschaft hat sich im dritten Jahr in der Regionalliga etabliert. Abstiegsgefahr besteht auch in dieser Saison aus heutiger Sicht nicht. Sind Sie zufrieden?
Das sind wir mit der ersten Halbserie nicht. Wir sind schwer in die Saison gekommen, und das hat sich dann auch so durchgezogen. Der Vorstand wollte dann deshalb mit einer Veränderung auf der Trainerposition für neuen Schwung sorgen. Dann gab es eine positive Tendenz, die zuletzt aber von der Niederlage im Derby in Bautzen überschattet wurde.
Zum Trainerwechsel: Er erfolgte auch in zeitlicher Nähe zu einem Beitrag von ,,Report München" im Fernsehen, in dem Vragel da Silva in die Nähe dubioser Spielervermittler gerückt wurde, die brasilianische Spieler nach Deutschland gelockt haben. Hatte die Trennung von ihm auch damit zu tun?
Dazu werde ich nichts sagen. Die Neubesetzung des Trainerpostens war eine Entscheidung des Präsidiums, und, wie gesagt: Wir waren aus sportlicher Sicht mit der Entwickiung bis dahin nicht zufrieden.
Was haben Sie dann verändert?
Erstmal habe ich mit einer konstanten Aufstellung gespielt und viel Wert auf die einfachen Tugenden auf dem Platz - Disziplin und Einsatzbereitschaft - gelegt. Das hat sich ausgezahlt. Wir haben auswärts bei Chemie Leipzig das erste Mal seit über einem Jahr gewonnen und uns zu Hause gegen eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel durchgesetzt. Und, fast noch wichtiger für uns, wir haben das schwere Pokal-Auswärtsspiel bei Inter Leipzig gewonnen und sind damit ins Halbfinale eingezogen.
Das Zwischenhoch war dann aber schnell wieder vorbei, es folgten Niederlagen in Bautzen und Cottbus.
In beiden Spielen mussten wir die Aufstellung wegen Verletzungen und Sperren ändern. Das hat uns nicht gut getan. ln Cottbus haben wir uns allerdings achtbar geschlagen. Dort haben uns die Verletzung von Karl Petrick und eine Rote Karte aus der Bahn geworfen. Mit der Art und Weise, wie wir in Bautzen gespielt haben, war ich dann, unabhängig von unseren personellen Problemen, aber nicht zufrieden. Das hat mir zu denken gegeben.
Der Zuschauerschnitt ist gesunken, trotz Regionalliga. Hängt das auch damit zusammen, dass immer weniger regionale Spieler im Team stehen?
Das glaube ich nicht. Die Zuschauer wollen in erster Linie Siege und möglichst noch attraktiven Fußball sehen. Identifikationsfiguren sind auch Spieler, die lange bei uns spielen, die zum Beispiel schon die Aufstiege und Pokalerfolge mitgemacht haben. Aber auch für sie wird es schwieriger. Das Niveau in der Regionalliga ist einfach sehr hoch. Das macht es ja auch so schwer, Spieler aus dem Nachwuchs ins Team zu integrieren. Wir versuchen jetzt, mit den A-Junioren in die Regionalliga aufzusteigen und sie bereits teilweise am Training teilnehmen zu lassen, damit wir die Kluft verringern.
Gibt es personelle Veränderungen in der Winterpause?
Zwei verdiente Spieler werden nicht mehr für unsere erste Mannschaft auflaufen. Mit Jan Penc haben wir den Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Und Lubos Loucka wechselt in unsere zweite Mannschaft.
Gleichen Sie das irgendwie aus?
In erster Linie dadurch, dass Langzeitverletzte - konkret Jordi Vidal, Eric Träger und Dennis Blaser - wieder zum Team stoßen. Wir haben auch Augen und Ohren offen, was Neuverpflichtungen betrifft. Aber in der Winterpause ist das meist schwierig, und Druck haben wir keinen.
Mit welchen Spielern waren Sie besonders zufrieden/unzufrieden?
Gerade Eric Träger und Hannes Mietzelfeld waren auf einem guten Weg, bis sie durch Verletzungen zurückgeworfen wurden, Josef Marek hat viele wichtige Tore erzielt. Ich hoffe, dass Bocar Djumö und Tobias Gerstmann ihr Potenzial noch besser abrufen.
Um was geht es in der Rückrunde noch?
Im Pokalhalbfinale in Radebeul sind wir Favorit. Wir wissen aber aus eigener Erfahrung, wie gefährlich Außenseiter sind. Wir wollen ins Finale und wenn wir dort stehen, natürlich gewinnen, auch wenn das ein Auswärtsspiel beim Sieger von Auerbach gegen Lok Leipzig wird. Und in der Li- ga soll es wieder ein paar Plätze nach oben gehen. Am 4. Januar fangen wir mit der Rückrundenvorbereitung an.


 
Sächsische Zeitung vom 07.11.2017
Marcel Pochanke

Da Silva von Entlassung überrascht

Als der FC Oberlausitz am Sonnabendabend die Mitteilung verschickte, dass man Trainer Vragel da Silva wegen Erfolglosigkeit beurlaubt habe, war nicht nur der Übungsleiter selbst überrascht. Nein, das habe er nicht erwartet, bestätigte der 43-Jährige gegenüber der SZ.
Am Montagnachmittag folgte der kurzen Mitteilung ein ausführliches Gespräch bei Vereinspräsident Ernst Lieb, der ihm die Gründe mitteilte. Der habe die Situation ausgiebig analysiert, betont er: Ich bin niemand, der früh aufsteht und sagt, jetzt werfe ich den Trainer raus.“ Da Silva habe gewusst, dass die Ergebnisse derzeit hinter den Erwartungen des Vereins zurückliegen.
Der Geschasste verweist gegenüber der SZ darauf, wie eng es in der Liga zugehe, und dass man vom vereinbarten Saisonziel einstelliger Tabellenplatz nur durch einen Punkt getrennt sei. Letztlich sei die Beurlaubung für ihn „ohne Vorwarnung“ erfolgt und sportlich sehr enttäuschend.
Am Sonnabend hatten die Neugersdorfer bei der VSG Altglienicke zwar gut gespielt, waren aber nach der 2:0-Niederlage wieder mit leeren Händen heimgekehrt. Sei einem Jahr habe der FCO auswärts nicht gewonnen, rechnet Lieb vor. Zusammen mit den Eindrücken der Heimniederlagen gegen die Berliner Vereine BFC und Viktoria habe sich das Bild ergeben, dass es unter Vragel da Silva keinen positive Entwicklung mehr gibt.
Lieb verweist auf den guten Kader, der zum Teil in diesem Jahr noch besser sei als der aus der Vorsaison. Da war der FC Oberlausitz Achter geworden – aber auch das trotz der immer noch sehr guten Platzierung ein kleiner Rückschritt zur ersten Regionalligaspielzeit, als die Neugersdorfer – unter dem neuen Trainer Vragel da Silva – in der Liga für Furore sorgten. Zeitweise wurde der Brasilianer in den Medien als Übungsleiter beim FC Energie Cottbus gehandelt, als es in der Lausitz nicht lief. Dort hat da Silva seine sportliche Heimat, absolvierte über 100 Bundesligaspiele und trainierte später die U 23, bevor ihn die Neugersdorfer in die Oberlausitz lockten.
Derzeit belegen die Oberlausitzer mit 17 Punkten aus 14 Spielen Platz zwölf – zu wenig für die sportliche Leitung. Dabei habe da Silva im Sommer die Spieler bekommen, die er haben wollte, sagt Lieb. Allerdings verließen mit Franco Flückiger und Danny Krahl auch zwei Spieler, die der Trainer sehr gern behalten hätte, den Verein – ein Torwart und ein Verteidiger. Und vor allem in der Abwehr fehlt derzeit die Stabilität, die den FCO in den vergangenen zwei Jahren auszeichnete. Das muss auch den früheren Abwehr-Haudegen da Silva besonders gewurmt haben.
Was nun zu der schnellen Entscheidung geführt haben könnte, ist der Spielplan: Dieser Tage schaut FCO-Präsident Ernst Lieb vor allem auf den Sachsenpokal. Der Wettbewerb bedeutet ihm viel, und dort tritt Neugersdorf am Sonnabend bei International Leipzig im Viertelfinale an. Das Spiel soll unbedingt gewonnen werden – offenbar traute er das seinem bisherigen Trainer nicht mehr zu.
Uneingeschränktes Vertrauen genießt dagegen Manfred Weidner. Er, zuletzt als sportlicher Leiter des FCO tätig, hatte die Mannschaft vor reichlich zwei Jahren in die Regionalliga geführt. Jetzt ist er auf dem Trainerstuhl zurück. Offiziell als Interimscoach, aber Präsident Ernst Lieb lässt durchblicken, dass derzeit nicht hektisch nach Alternativen gesucht wird. Zumal da Silva weiterhin sein Gehalt bezieht und damit die finanziellen Spielräume des Vereins eingeschränkt bleiben, wie Lieb erläutert. Weidners Bilanz als Trainer ist mit zwei Aufstiegen unbestritten überragend, in der Regionalliga hat er allerdings noch nie gecoacht.


 
Sächsische Zeitung vom 25.07.2017
Frank Thümmler

Doppel-Interview vor dem Derby gegen Budissa Bautzen

Am Sonntag ist Derby-Zeit. Wie ist die Stimmung in Ihrer Mannschaft bezüglich dieses Spiels?
Vragel da Silva: Die Jungs hatten eine lange Vorbereitung und wollen nun endlich spielen, sie zählen schon die Tage. Ein Derby ist immer ein schönes Spiel, weil es ein Zuschauermagnet ist. Die Jungs sind heiß darauf, sich mit dem Rivalen zu messen. In den letzten beiden Jahre haben wir gegen Budissa nicht verloren, das soll zumindest so bleiben. Aber eigentlich wollen wir das Spiel auf jeden Fall gewinnen.
Torsten Gütschow: Wir denken an den Saisonstart und der ist mit dem Derby für viele Zuschauer sehr interessant. Klar ist es ein Derby, aber es ist für uns auch ein Punktspiel und wir haben uns sehr gut vorbereitet auf diese Partie.
11:15 Uhr ist eine ungewöhnliche Anstoßzeit. Sind Ihre Jungs da schon richtig wach?
Vragel da Silva: (lacht) - wir haben immer 17 und 19 Uhr trainiert, das wird eine Umstellung. Aber im Ernst, für die Jungs ist das natürlich nicht optimal. Einige unserer Spieler haben eine längere Anreise, die müssen wirklich früh raus. Aber wir müssen es so nehmen, wie es ist. Die Anstoßzeit ist egal, wir müssen auf jeden Fall Gas geben.
Torsten Gütschow: Das hoffe ich. Ich finde das vom NOFV sehr schlecht, die Anstoßzeit finde ich nicht optimal, aber gut.
Am Sonntag ist Derby-Zeit. Wie ist die Stimmung in Ihrer Mannschaft bezüglich dieses Spiels?
Vragel da Silva: Die Jungs hatten eine lange Vorbereitung und wollen nun endlich spielen, sie zählen schon die Tage. Ein Derby ist immer ein schönes Spiel, weil es ein Zuschauermagnet ist. Die Jungs sind heiß darauf, sich mit dem Rivalen zu messen. In den letzten beiden Jahre haben wir gegen Budissa nicht verloren, das soll zumindest so bleiben. Aber eigentlich wollen wir das Spiel auf jeden Fall gewinnen.
Torsten Gütschow: Wir denken an den Saisonstart und der ist mit dem Derby für viele Zuschauer sehr interessant. Klar ist es ein Derby, aber es ist für uns auch ein Punktspiel und wir haben uns sehr gut vorbereitet auf diese Partie.
Ein solches Prestigeduell zu Beginn der Saison ist sicher ein Zuschauermagnet. Aus sportlicher Sicht betrachtet, wäre es Ihnen nicht lieber, wenn das Spiel zu einem späteren Zeitpunkt ausgetragen würde, wenn sich die Mechanismen im Spiel Ihrer Mannschaft eingeschliffen haben?
Vragel da Silva: Vom Prinzip her wissen wir beide nicht so recht, wo wir sind, Testspiele sind immer etwas anderes. Aber ich denke, es hat keine Auswirkung, jeder bringt Euphorie mit. Ich denke, wir müssen als Hausherren die Initiative in die Hand nehmen. Bautzen wird dagegenhalten. In meiner Zeit hier war es nie einfach gegen Bautzen zu spielen und das wird auch am Sonntag so sein. Deshalb ist es egal, ob es der erste oder fünfte Spieltag ist, die Leidenschaft wird auf jeden Fall auf beiden Seiten da sein.
Torsten Gütschow: Naja, wir können es uns ja nicht aussuchen. Neugersdorf ist ein starker Gegner. Wir sind top vorbereitet. Danach wissen wir, wo wir stehen. Jetzt ist die Vorbereitungszeit vorbei - nun geht es los.
In der Sommerpause wechselten Krautschick und Kunze zu Budissa. Sind sie somit bestens über den Gegner informiert?
Vragel da Silva: Diese Frage kann mein Kollege sicher besser beantworten, sie beschäftigt mich nicht. Wir konzentrieren auf uns selbst. Natürlich werden wir bei den Standardsituationen einige Sachen anders machen, nur für den Fall, daß die beiden Jungs uns verpetzen (lacht).
Torsten Gütschow: (schmunzelt) Bestens - bestens informiert - ja.
Wie sind Sie mit Ihren Neuverpflichtungen zufrieden und wer von denen klopft bei der Stammelf an?
Vragel da Silva: Alle Jungs, die wir verpflichten konnten, sind sehr stark. Das macht mir gerade auch ein bißchen Kopfschmerzen, wer am Sonntag auflaufen wird. Wir haben unseren Kader in der Breite wirklich verstärkt. Ich denke, daß Hannes Mietzelfeld mit seiner Schnelligkeit, Eric Träger mit seiner Robustheit oder Can Sakar mit seiner Schußstärke uns weiterhelfen. Wir haben gegenüber dem Vorjahr mehr Optionen.
Torsten Gütschow: Einige - wenn nicht vielleicht sogar alle. Es sind meine Wunschspieler. Sie passen, auch charakterlich in die Mannschaft und auch zu Bautzen. Sie haben die Mannschaft enorm verstärkt, ich bin da guten Mutes.
Welche Spieler des Gegners würden Sie gern in Ihren Reihen sehen?
Vragel da Silva: Wir haben unsere Kaderplanungen abgeschlossen, da mache ich mir darüber überhaupt keine Gedanken.
Torsten Gütschow: Ich habe genügend gute Spieler, es sind meine Wunschspieler. Ich bin mit meiner Mannschaft zufrieden.
Sie und Ihr Gegenüber haben unter Eduard Geyer gespielt. Welche Eigenschaften, die er Ihnen vorlebte, bringen Sie mit in Ihren Trainingsalltag ein?
Vragel da Silva: Auf jeden Fall die Leidenschaft. Wir mußten immer bis an die Grenzen trainiert, das war bei Ede Geyer so. Jeder Spieler mußte an seine Grenzen gehen, um einen Schritt nach vorn zu machen. Wenn man nicht immer Vollgas gibt, kann man auch nicht vorwärtskommen. Die Leidenschaft, die Ede Geyer auf und neben dem Platz gezeigt hat, habe ich für mein Leben mitgenommen.
Torsten Gütschow: Disziplin, Fitneß und Fußball mit Leidenschaft. Man muß im Fußball immer alles geben, damit die Zuschauer sehen, daß die Mannschaft kämpft und gewinnen will. Das will ich meiner Mannschaft beibringen.
Wo sehen Sie sich am Ende der Saison?
Vragel da Silva: Wir streben einen einstelligen Tabellenplatz an, wenn es geht etwas besser als im Vorjahr. Ganz oben mitzuspielen, dafür wird es nicht reichen.
Torsten Gütschow: Auf alle Fälle werden wir nicht absteigen.
Wie geht das Spiel am Sonntag aus?
Vragel da Silva: Bloß nicht 0:0, darauf habe ich keinen Bock. Klar, wir spielen auf Sieg, aber wenn es zum Unentschieden kommt, dann sollen die Zuschauer wenigstens Tore sehen.
Torsten Gütschow: Mit einem Punkt wäre ich zufrieden.


   
Sächsische Zeitung vom 05.02.2016
Jürgen Schwarz/Jens Kölz

Interview vor dem Derby Budissa Bautzen - FCO

Herr da Silva, bei wieviel Prozent des Leistungsvermögens steht Ihre Mannschaft am Freitagabend?
Es ist das erste Spiel nach der Winterpause, da wissen wir noch nicht genau, wo wir stehen. Aber es ist auch ein besonderes Spiel. Die Derbyatmosphäre wird unsere Leistung beflügeln.
Verlief die Vorbereitung wie geplant?
Nicht ganz. Durch die winterlichen Verhältnisse hatten wir Schwierigkeiten mit den Trainingsbedingungen. Daraus resultierten auch die abgesagten Testspiele.
Welche Erinnerungen haben Sie an das 2:2 im Hinspiel?
Gute - bis zur 90. Minute … (lächelt verschmitzt). Wir hatten die Möglichkeit, mit mehr Cleverness den 2:1-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Durch unsere Unerfahrenheit haben wir weitergestürmt und Budissa so noch ein Traumtor ermöglicht. Das war eine bittere Lehre.
Wer ist diesmal Favorit auf der Müllerwiese?
Budissa natürlich. Sie spielen zu Hause, haben die Zuschauer im Rücken und sind in der Regionalliga erfahrener als wir.
Welche Spieler aus dem Kader des Kontrahenten hätten Sie gern in Ihrem Team?
Von der Qualität her sind die Mannschaften ausgeglichen. Beide haben unterschiedliche taktische Ausrichtungen, so dass ich mich mit dieser Frage noch nicht beschäftigt habe.
Welche Stärken hat der Gegner?
Wir haben es im Hinspiel am eigenen Leib gespürt - Budissa gibt im Zweikampf immer 100 Prozent und ist bis zur letzten Sekunde gefährlich, siehe das 2:2 von Reher. Wir müssen in jeder Phase des Spiels konzentriert bleiben.
Und welche Schwächen haben Sie ausgemacht?
Keine.
Wer fällt aus?
Jan Penc wird leider nicht spielen, er hat Probleme mit der Achillessehne.
Ist das erste oder das zweite Jahr in einer neuen Liga schwerer?
Generell das zweite. Aber auch die Rückrunde des ersten Jahres wird für uns nicht leicht. Wir haben den Status der Überraschungsmannschaft verloren, die Gegner kennen nun unsere Spielweise und werden uns ernster nehmen als zuvor.
Warum haben Sie mit Ihrer Mannschaft kein Trainingslager in südlicheren Gefilden absolviert?
Es ist eine Tradition des Vereins, die Vorbereitung im Wolfsburger Raum zu machen. Damit war der FCO bisher immer gut gefahren.
Könnten Sie mit einem Unentschieden zum Punktspielstart im Jahr 2016 leben?
Wenn wir auf den Platz gehen, wollen wir gewinnen. Ich möchte sehen, daß die Jungs an ihre Leistungsgrenze gehen. Wenn es dann nur zum Unentschieden reicht, bin ich damit auch zufrieden.
Wer steigt auf und in welcher Tabellenregion erwarten Sie Ihre Mannschaft?
Wer aufsteigt? Der Sieger der Relegationsspiele. (schmunzelt) Die Spitze unserer Liga ist sehr ausgeglichen, ich habe da keinen Favoriten. Wir haben unser Ziel nach oben korrigiert, vom Klassenerhalt zum einstelligen Tabellenplatz.

 
Oberlausitzer Kurier vom 09.01.2016
Steffen Linke

Coach schwört Team auf Rückrunde ein

Der FC Oberlausitz-Neugersdorf startete am Montag, 4. Januar, mit dem Training in die Vorbereitung auf die Rückrunde in der Fußball-Regionalliga. Die Oberländer Kicker belegen nach 18 Spieltagen mit 54 Punkten und 50:18 Toren den fünften Tabellenplatz. Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich mit Trainer Vragel da Silva.
Herr da Silva, wie sind lhnen die Tage über Weihnachten und über das Jahresende bekommen?
Es war ganz gemütlich. lch habe die Tage über Weihnachten in Osnabrück bei der Familie meiner Frau verbracht. Wir haben dort gut gegessen. Ich muss mich mal auf die Waage stellen und schauen, ob ich ein oder zwei Kilogramm zugenommen habe. Silvester habe ich zu Hause mit meiner Familie gefeiert.
Konnten die Spieler über Weihnachten und das Jahresende richtig schlemmen und feiern? Oder hat da jeder sein Fitnessprogramm mit nach Hause bekommen?
Über diese Tage hat jeder sein eigenes Fitnessprogramm. Ich glaube aber, dass es kein Trainer schafft, den Spielern zu verbieten, mit der Familie Weihnachten und Silvester zu feiern.
Sie sind schon seit einigen Jahren als Trainer im Geschäft: Wie war das für Sie und die Spieler, als es am 4. Januar mit der Vorbereitung wieder losging?
Es war kalt.
Was war denn Ihre erste Amtshandlung im Training? Haben Sie den Spielern erst einmal ein gesundes neues Jahr gewünscht?
Natürlich habe ich das gemacht. Wir sind mit guter Laune in die Vorbereitung gestartet. - Wir wollen sportlich erfolgreich bleiben. Die Trainingseinheiten selbst richten sich nach den Platzverhältnissen.
Auf was legen Sie in der Vorbereitung ganz konkret Wert
Die Fitness ist die Grundlage für die gesamte Saison. Wer nicht fit ist, ist verletzungsanfälliger. Wenn wir nicht mehr laufen als der Gegner, gewinnen wir auch kein Spiel.
Jetzt hat der FC Oberlausitz Neugersdorf nach 18 Spieltagen schon 34 Punkte auf dem Konto. Wie wichtig ist es, dass die Mannschaft zum Auftakt der Meisterschaft gleich gut aus den Startlöchern gekommen ist?
Das war super wichtig für uns. Damit können wir uns den Luxus erlauben, schon mal in Vorbereitung auf die kommende Saison, Spieler anzuschauen, um die ein oder andere Verpflichtung zu machen - nicht aus der Not heraus, sondern ganz gezielt. Das ist für uns ein großer Vorteil.
Zwischenzeitlich führte der FC Oberlausitz-Neugersdorf sogar mal die Tabelle an. Wie hat sich die Mannschalt als Spitzenreiter auf dem Platz an der Sonne gefühlt?
Diese zeitweilige Tabellenführung haben wir genossen. Es ist aber sehr schwer, oben zu bleiben und mit Profimannschaften mitzuhalten. Wir versuchen aber Anschluss zu halten.
Sind Punktspiele gegen frühere Oberligamannschaften wie den FC Carl Zeiss Jena, FSV Zwickau oder den BFC Dynamo das Salz in der Suppe?
Genau gegen diese Vereine haben wir unsere Punktspiele auswärts verloren. Dort wird sehr konzentriert und professionell gearbeitet. Vielleicht können wir in der Rückrunde zu Hause etwas mehr Kapital daraus schlagen.
Wie schwören Sie denn die Spieler bzw. die Mannschaft auf die Rückrunde ein?
Für uns wird es sicher schwieriger. Die Konkurrenz weiß, dass wir keine Überraschungsmannschaft mehr sind. Wir haben uns Respekt verschafft und müssen gegen die Gegner sehr konzentriert spielen.
Verstärkt der FC Oberlausitz Neugersdorf seinen Kader bis zum Auftakt der Rückrunde um 7. Februar beim Erzrivalen Budissa Bautzen noch mal?
Erst einmal nicht. Wir schauen diesbezüglich eher schon auf die nächste Saison.
Was ist Ihr Ziel für die zweite Saisonhälfte?
Wir wollen uns einen Platz gegenüber der Hinrunde verbessern, also vierter werden.
Sie haben nach der guten Hinrunde gesagt: Jetzt weiß jeder, wo Neugersdorf liegt. Inwieweit wertet der sportliche Erfolg auch das Image der Stadt auf?
Der sportliche Erfolg wertet die Region schon auf, wenn man überlegt, dass die Stadt 5.000 Einwohner hat. Da ist es prozentuell schon gut, wenn 500 bis 600 Zuschauer zu den Heimspielen ins Stadion kommen. Wir brauchen sicher insgesamt aber noch mehr Unterstützung in der Oberlausitz, um einen weiteren Schritt nach vorn und den Fußball hier noch attraktiver zu machen. Wir versuchen mit dem Präsidenten Ernst Lieb dafür die entsprechenden Strukturen aufzubauen, um weiterhin so erfolgreich Fußball zu spielen wie in der Vorrunde.
Wie wohl fühlen Sie sich beim FC Oberlausitz Neugersdorf?
Ich fühle mich hier sehr wohl. Wir arbeiten im Verein alle zusammen für den sportlichen Erfolg.
Wie lange gilt eigentlich lhr Vertrag beim FC Oberlausitz Neugersdorf?
Bis 2017 plus eine Option.
Können Sie sich vorstellen, längerfristig beim diesem Verein zu bleiben?
Es ist natürlich eine langfristige Arbeit, eine Mannschaft aufzubauen und junge Spieler zu integrieren, um eine gute Basis für die Zukunft zu legen.
Ist das Ostsachsenderby am Sonntag, 7. Februar, zum Auftakt der Rückrunde bei Budissa Bautzen für Sie ein ganz besonderes Spiel?
Für die Region und die Zuschauer ist es sicher ein besonderes Spiel. Für mich ist es aber eine normale Partie. Wir müssen dort auch ganz konzentriert spielen. Im Endeffekt gibt es für einen Erfolg im Derby auch nur drei Punkte.

   
Sächsische Zeitung vom 17.12.2015
Von Frank Thümmler

"Träumen darf man immer"

Als Aufsteigermit einer gar nicht so stark veränderten Truppe zur Winterpause auf Platz fünf der Regionalliga-Tabelle. Zehn Siege und vier Unentschieden aus 18 Spielen, die vier Niederlagen allesamt in Auswärtsspielen bei den Topteams der Liga. Diese Zwischenbilanz hätte dem FC Oberlausitz Neugersdorf wohl kaum je mand zugetraut, wohl auch Trainer Vragel da Silva nicht, der die Mannschaft zu Saisonbeginn übernommen hat. Im SZ-Gespräch sagt der 41-Jährige, über wen er sich besonders gefreut hat, was ihn in der Hinrunde geärgert hat und wie er sich die Rückrunde vorstellt.
Herr da Silva, wenn Sie vor der Saison von 20 Punkten pro Halbserie und dem Ziel Klassenerhalt für Ihre Mannschaft sprechen,jetzt aber schon 34 Punkte haben und Fünfter sind, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Liga ist schwächer, als Sie es dachten, oder ihre Mannschaft stärker, als Sie es eingeschätzt hatten. Was ist richtig?
Dass wir so gut dastehen, ist für mich eine Riesenüberraschung. Ich hatte schon gesehen, dass wir mitspielen können. Aber so gut, das habe ich nicht gedacht Ich weiß, dass ich Ihre Frage nicht so richtig beantwortet habe, aber lassen wir das mal so stehen. (Lacht)
Die meisten Spiele waren knapp. Was gab den Ausschlag zugunsten des FCO?
Wir waren sehr konstant, haben nur ein schlechtes Spiel gemacht, im Pokal in Zwickau. Wir haben nicht oft zurückgelegen. Und wenn doch, sind wir meist schnell zurück gekommen. Das Niveau der Mannschaft aus der Oberliga, die wir vor der Saison ja nur ergänzt, im Kern aber gelassen haben, war sehr gut. Und die Jungs geben wirklich nie auf.
Gibt es ein Spiel, über das Sie sich besonders gefreut haben?
Das Spiel beim BFC Dynarno, auch wenn wir dort mit 2:1 verloren haben. Aber für meine Spieler war das eine neue Atmosphäre, sie haben trotzdem mutig gespielt. Wir haben gesehen, dass wir auch mit den Profimannschaften in unserer Liga mithalten können, wenn wir mit genügend Selbstbewusstsein auftreten.
Gibt es eigentlich Spieler, die mehr gebracht haben, als Sie es ihnen zugetraut hatten, Němec zum Beispiel?
Den kannte ich vor meinem Antritt in Neugersdorf gar nicht, also konnte er mich nicht überraschen. Ich habe dann in der Vorbereitung gesehen, dass er Potenzial hat. Ein paar Kilo Ubergewicht mussten noch runter, und er brauchte offensichtlich Spielpraxis. Überrascht hat mich ehrlich gesagt Loučka, unser Mittelfeldstratege. Dass er in der Regionalliga noch so stark aufspielt, hätte ich ihm nicht zugetraut. Es ist Wahnsinn, mit welcher Technik, übersicht und Cleverness er unser Spiel lenkt.
War in der Hinrunde sogar noch mehr drin?
Einerseits ja, weil wir einige Punkte unnötig liegen gelassen haben. Andererseits gleicht sich das auch aus. Gegen den Berlner AK zum Beispiel haben wir glücklich gewonnen. Geärgert habe ich mich über das 1:2 in Nordhausen, wo wir bis zur 80. Minute noch geführt, durch zwei Gegentreffer binnen zwei Minuten aber alles hergeschenkt haben. Aber die Hinrunde war für uns ein einziger Lehrgang. Ich hoffe, in der Rückrunde passiert uns so etwas nicht noch einmal.
Was wollen Sie in der Rückrunde wirklich erreichen? 40 Punkte und Klassenerhalt nimnmt Ihnen doch niemand ab?
Das hört sich vielleicht lächerlich an, aber wir wollen erst einmal so schnell wie möglich die 40 Punkte. Wenn wir das geschafft haben, versuchen wir, einen einstelligen Tabellenplatz zu schaffen.
Träumen ist also nicht erlaubt? Schließlich sind Sie nur einen Punkt hinter dem Dritten, sieben hinter dem Tabellenführer. Und drei der vier führenden Teams müssen noch nach Neugersdorf.
Träumen darf man immer. Aber realistisch ist: Die Profiteams an der Spitze werden sich noch einmal verstärken, trainieren unter anderen Bedingungen, während bei uns ein Leistungsloch irgendwann normal wäre. Aber Sie haben schon recht. Meine Truppe hat eine Siegermentalität und will so lange wie möglich oben dranbleiben.
Andererseits birgt die Situation auch die Chance, langfristig zu planen. Fünf tschechische Stammspieler sind 33 Jahre und älter.
Ja, wir beginnen schon jetzt die Planung für die neue Saison. Deswegen gab es in den letzten Spielen manchmal auch eine für Außenstehende wilde Aufstellung. Schließlich müssen wir jetzt die Chance nutzen, junge Spieler heranzuführen.
Gibt es in der Winterpause Neue?
Kann sein, muss äber nicht. Wir haben wirklich Ruhe. Diese Ausgangsposition, die wir auch für Verhandlungen haben, ist Luxus.
Wann geht es wieder los?
Mit dem Training am 4. Januar. Ich freue mich schon jetzt auf die Duelle mit dem BFC,Jena und Zwickau.

 
Kicker-Sportmagazin vom 01.10.2015 (Interview in aktualisierter Fassung vom 15.10.2015)

Interview mit FCO-Trainer Vragel de Silva vom FCO-Presseverantwortlichen Jens Kölz

Herr da Silva, der FC Oberlausitz ist Ihre erste Station im Männerbereich, zuvor arbeiteten Sie nur mit jungen Leuten. Mussten Sie sich sehr umstellen?
Auf jeden Fall. Man muss ganz anders mit den Spielern umgehen, andere Ansprachen halten. Junge Leute muss man nach Misserfolgen viel mehr motivieren, während im Männerbereich eher taktische Anweisungen gefordert werden. Somit ist diese neue Aufgabe auch eine Herausforderung für mich.
Wie kam der Kontakt zu den Neugersdorfern eigentlich zustande?
Das war ein Zufall. Bei einem Spiel der Lausitzer Legenden wurde ich von Vertretern des FCO angesprochen, ob ich mir ein Engagement im Männerbereich vorstellen könne. Da mein Vertrag in Cottbus auslief, bin ich mit Herrn Lieb, dem Präsidenten des FCO in Gespräch gekommen. Dann ging alles recht schnell.
Sie haben einen Aufsteiger, also eine erfolgreiche Mannschaft übernommen. Das ist eher ungewöhnlich, weil Trainer meist ihre Arbeit aufnehmen, wenn es bei einem Verein nicht so gut läuft. Sehen Sie das als Vorteil?
Einerseits ja, es kann aber auch Nachteil sein. Ein Aufsteiger ist erfolgsverwöhnt, ihm sind Niederlagen fremd. Als ich nach Neugersdorf kam, hatte die Mannschaft gerade eine Serie von zehn Siegen aus elf Spielen. Wenn man da drei, vier Spiele hintereinander nicht gewinnt, hat man sofort Druck, weil das Umfeld so etwas nicht gewohnt ist. Bei Mannschaften, die eh hinten stehen, ist es da etwas leichter.
Welche Erfahrungen aus Ihrer aktiven Bundesligakarriere können Sie in Ihre Trainertätigkeit einbringen?
Viele. Zunächst die als Abwehrspieler. Wenn ich heute am Spielfeldrand stehe, kann ich mich gut in die Gedanken der Spieler hineinversetzen und versuche, meine Erfahrung in Sachen Zweikämpfe und Stellungsspiel den Spielern weiterzuvermitteln. Dann sind aber auch noch die Erfahrungen, die ich mit Trainern gemacht habe. Als Spieler scheint dir da einiges übertrieben oder gar sinnlos zu sein, heute sehe ich das anders. Gerade von Eduard Geyer habe ich viele wichtige Sachen mitbekommen - vor allem Disziplin und Gerechtigkeit. Da muss man alle Spieler gleich behandeln, egal ob sie 18 oder 38 sind.
Sie haben mit dem Cottbuser U23-Team in dieser Saison zweimal gegen Neu-gersdorf gespielt, zu Hause 2:2 und beim FCO 0:1 verloren. Kennen Sie die Neugersdorfer Mannschaft darüber hinaus?
Ich habe sie relativ oft gesehen. Und ich habe viel mit Manne (Ex-Trainer Manfred Weidner, d. Red.) gesprochen, der die Mannschaft ja so erfolgreich zu zwei Aufstiegen geführt hat. Und die Mannschaft selbst habe ich diese Woche auch schon kennengelernt.
Neugersdorf ist eine internationale Truppe, in der hauptsächlich tschechische und deutsche Spieler stehen. Wie ist da der Zusammenhalt, wie läuft die Verständigung ab?
Alle arbeiten voll professionell. In der Mannschaft ist ein großer Zusammenhalt. Die älteren Spieler nehmen die jüngeren mit und leiten sie an. Die Mischung aus erfahrenen tschechischen und jüngeren deutschen Spielern passt bei uns sehr gut. Die Verständigung läuft auf deutsch, das sprechen alle. Nur unser letzte Verpflichtung, Jakub Kotěra hat da noch ein paar Probleme, aber die Mannschaft hilft ihm darüber hinweg.
Nezmar, Loučka und Dittrich haben schon internationale Erfahrungen gesammelt. Nehmen sie in der Mannschaft eine herausragende Position ein?
Nein, überhaupt nicht, bei uns geht es nach Leistung. Wer sie bringt und im Training zeigt, bekommt auch seine Chance. Deshalb saß z.B. Jan Nezmar, der im Vorjahr mit Abstand Torschützenkönig in der Oberliga wurde, in den ersten Spielen auch auf Bank. Er konnte die Vorbereitung kaum bestreiten und hatte Rückstand gegenüber denen, die schon da und in den Freundschaftsspielen Leistung zeigen konnten. Natürlich muss ich im Training auch etwas dosiert sein, ältere Spieler brauchen ab und zu mehr Erholung. Das ist er Unterschied zwischen 18- und 38-jährigen Akteuren.
Durch die lange Oberliga-Saison hatte Ihre Mannschaft inklusive Urlaub nur sechs Wochen zur Vorbereitung auf die Regionalligasaison. Trotzdem sind Sie erfolgreich gestartet. Was hat dazu beigetragen?
Nein, das war gar nicht optimal. Da die Spieler nicht alle gleichzeitig Urlaub nehmen konnten, waren manche zehn Tage vor Beginn der Serie noch nicht bei der Mannschaft. Die komplette Mannschaft hatte ich erst eineinhalb Wochen vor dem Start beieinander gehabt. Trotzdem, die, die da waren, haben sehr gut mitgezogen. Das erste Spiel in Meuselwitz konnten wir mit viel Leidenschaft 2:0 gewinnen. Im zweiten Spiel gegen Bautzen kassierten wir in der letzten Minute noch ein Tor zum Ausgleich. Da hatten wir uns taktisch schlecht verhalten, was auch auf die kurze Vorbereitung zurückzuführen ist. Jetzt ist die Mannschaft langsam eingespielt
Der FCO hat sich als Aufsteiger hervorragend in die Regionalliga herein gefunden. Worin sehen sie den größten Unterschied zur Oberliga?
Es gibt keine leichten Spiele mehr. Fehler werden viel schneller bestraft als noch im vorigen Jahr. Das Körperliche wird viel mehr betont, die Spieler sind viel robuster.
Ihre Abwehr ist stabiler geworden, blieb in den letzten drei Spielen ohne Gegentor. Wie haben Sie das erreicht?
Viel Training, viele Gespräche. Die Jungs achten jetzt mehr auf Stabilität als noch am Anfang der Saison. Zum Beispiel waren die Innenverteidiger Penc und Kusič im Vorjahr in der Oberliga nicht so gefordert. Deshalb hatten sie anfangs auch mehr Probleme als heute, weil die Spiele im Vergleich zur Oberliga mehr Kraft kosten. Jetzt haben sie sich dem höheren Niveau angepasst.
Sie stehen auf dem zweiten Platz. Was glauben Sie, in welcher Tabellenregion wird Ihre Mannschaft am Ende stehen?
Uns sind die magischen 40 Punkte wichtig. Der Rest interessiert uns erst mal nicht. Wir wollen schnellstmöglich den Klassenerhalt sichern, alles andere sind Zusatzpunkte und Grund zur Freude. Wir müssen nicht aufsteigen, das war auch nicht unser Ziel. Natürlich wollen wir so lange wie möglich oben mitmischen.
Nun kommt Babelsberg. Sehen Sie sich als Favorit?
Von der Tabelle her könnte man das annehmen. Aber Babelsberg ist eine spielstarke Regionalligamannschaft, die bisher auch nur eine Niederlage hinnehmen musste. Ich bin mir sicher, dass es für uns keine einfache Begegnung wird. Wir müssen uns alles erarbeiten.
Sicher gibt es noch viele Verbindungen zu Ihrem alten Verein Energie Cottbus. Haben Sie Ihrem früheren Mitspieler Vasile Miriuta schon zu seiner neuen Aufgabe gratuliert?
Natürlich. Wir kennen uns schon lange und kommen sehr gut miteinander klar. Auch als Trainer hatten wir in Cottbus zusammengearbeitet, er trainierte die U23, ich die U19. Ich wünsche ihm alles Gute und dass er seine Mannschaft wieder in die Spur bringt."

 
Sächsische Zeitung vom 11.06.2015
Von Frank Thümmler

"Ich bin kein brasilianischer Typ"

Der Brasilianer Vragel de Silva ist neuer Trainer beim FCO Neugersdorf. Er sagt, warum er kommt und wie er spielen lässt.
Herr da Silva, nach so langer Zeit in Cottbus, zuletzt als erfolgreicher U23-Trainer - warum haben Sie sich jetzt für Neugersdorf entschieden?
Ich hatte tatsächlich eine schöne Zeit in Cottbus. Als ich 2001 ankam, war dort alles noch relativ klein. Es war schön, beim Auf-bau dabei zu sein. In Neugersdorf ist es vielleicht ein bisschen ähnlich. Es erfordert Mut zu versuchen, mit einem Verein groß zu werden. Für mich ist das eine neue He-rausforderung und auch ein Schritt eine Liga nach oben. Die Regionalliga ist aus meiner Sicht quasi eine Profiliga. Auf jeden Fall spielen viele Ex-Profis in ihr. Ich will mich jetzt nach den Jahren im Nachwuchs auch selbst austesten.
Nun ist es bei vielen Profivereinen so, dass der Trainer der U23-Mannschaft seine Chance bekommt, falls man sich vom Cheftrainer trennt. Hat Ihnen die Geduld gefehlt, Trainer beim Drittligisten Energie Cottbus wäre schließlich noch attraktiver?
Ganz realistisch habe ich im Moment keine Chance gesehen, Trainer der ersten Cottbuser Mannschaft zu werden. Und außerdem hat der Verein entschieden, nächstes Jahr in der Oberliga mit einer U19-Mannschaft anzutreten. Das aber wäre für mich ein Rückschritt gewesen. Da kommt die Chance in Neugersdorf gerade recht.
Neugersdorfs Präsident Ernst Lieb hat gefordert, dass ein Trainer in der Nähe wohnen sollte. Sie haben mit Sicherheit schon selbst gemerkt, wie lange man von Cottbus bis Neugersdorf braucht. Ziehen Sie um?
Der Verein stellt mir eine Wohnung zur Verfügung. Ich werde meine Frau mit nach Neugersdorf nehmen und mindestens in der Vorbereitung ständig hier sein. Danach muss man schauen. Das wird die Zeit bringen.
Als Spieler waren Sie ja eher für die harten Zweikämpfe in der Defensive, nicht aber für die Zaubertricks zuständig. Wirkt sich das auf Ihre Philosophie als Trainer aus?
Ich bin wirklich kein brasilianischer Typ. Als Spieler war ich immer ein Kämpfer, mit Stärken in den Zweikämpfen und beim Kopfball. Als Trainer verlange ich von meinen Spielern auch, dass die aggressiv sind, wenn wir den Ball nicht haben. Das darf der Gegner ruhig auch spüren. Nach dem Ballgewinn aber soll es schnell so wie möglich nach vorne gehen. Da will ich die Jungs dann auch Fußball spielen sehen.
Sie haben mit dem Cottbuser U23-Team in dieser Saison zweimal gegen Neu-gersdorf gespielt, zu Hause 2:2 und beim FCO 0:1 verloren. Kennen Sie die Neugersdorfer Mannschaft darüber hinaus?
Ich habe sie relativ oft gesehen. Und ich habe viel mit Manne (Ex-Trainer Manfred Weidner, d. Red.) gesprochen, der die Mannschaft ja so erfolgreich zu zwei Auf-stiegen geführt hat. Und die Mannschaft selbst habe ich diese Woche auch schon kennengelernt.
Wie ist Ihr Plan - werden Sie eine völlig neue Mannschaft aufbauen oder mit dem Kern der Aufstiegsmannschaft wei-terarbeiten?
Auf keinen Fall. Das ist die Basis dieser Mannschaft, die kann man nicht so einfach austauschen. Diesen Fehler haben sie einmal in Cottbus gemacht und hatten danach Riesenprobleme. Deswegen kommt das aus meiner Sicht nicht infrage. Aber natürlich ist es ein Ziel von mir, auch junge, deutsche Spieler einzubauen und voranzubringen. Die könnten gut von der Erfahrung der älteren Spieler profitieren.
Nun sind Sie ja U23-Trainer in Cottbus. Bringen Sie ein paar Spieler mit?
Das werde ich auf jeden Fall bei einigen versuchen, vielleicht auch bei denen, die jetzt aus der U19 rauskommen. Sie hätten in Neugersdorf eine Perspektive, auch wenn es denkbar wäre, dass sie erst einmal in der zweiten Mannschaft spielen und nach und nach ans Regionalteam herangeführt werden.
In Cottbus war Ihr Spitzname als Trainer "Papa", offensichtlich weil sie väterlich mit den jungen Spielern umgegangen sind. Sie selbst haben unter "Ede" Geyer und Patrick Sander trainiert - Was sind Sie für ein Trainertyp?
Ede Geyer war ein sehr harter Trainer. Patrick Sander ein Disziplinfanatiker. Beide waren eher das Gegenteil von kumpelhaft. Ich versuche eher, eine gute Mischung zu finden, den Jungs auf Dauer an der Seite zu stehen, sie aber auch charakterlich voranzubringen. Generell bin ich immer offen' für Gespräche mit den Spielern.
Wo wollen Sie hin mit den Neugersdorfern in der Regionalliga?
Wir wollen so früh wie möglich die nötigen ' Punkte für den Klassenerhalt holen. Ich weiß aber. wie schwer das wird, habe in meiner aktiven Zeit auch selbst in der Regionalliga gespielt, zum Beispiel nach Verletzungen, um wieder an das Profiniveau heranzukommen. Die Regionalliga ist eine starke Liga. In ihr legen alle Mannschaften großen Wert auf die taktische Disziplin. Deshalb sind ja auch erfahrene Spieler in der Mannschaft so wichtig. Jeder taktische Fehler wird sofort bestraft. Aber ich bin guter Dinge, dass wir da mithalten können.

 
Sächsische Zeitung vom 28.05.2015
Von Frank Thümmler

Jetzt ist unser Maximum erreicht

Welch ein toller Pfingstsonntag für den FC Oberlausitz Neugersdorf und insbesondere seinen "Macher" Ernst Lieb, gerade 61 Jahre alt gewordener Maschinenbauuntemehmer. Präsident des Vereins und Hauptsponsor in Personalunion. Mit einem 2:0-Sieg über die Zweitliga-Reserve des FC Erzgebirge Aue hat der FCO den zweiten Platz in der NOFV-Oberliga Süd zwei Spieltage vor Saisonende sicher. Und weil die Regionalliga um zwei Teams auf 18 Mannschaften aufgestockt wird, hat der FCO damit den Aufstieg in die vierte Liga geschafft. Drei Tage nach der Aufstiegsfeier sagt Ernst Lieb, wie er den Tag erlebt hat, vor allem aber wie es weitergeht
Herr Lieb, wie ist es Ihnen als stets mitfiebernder Präsident am Sonntag ergangen?
Ich habe während des Spiels vor Aufregung gefühlt 100 Zigaretten geraucht. Mit dem 2:0 kurz nach der Pause wurde es dann besser. Und dann konnten wir den ganzen Tag nur noch fröhlich sein. Bei der spontanen Feier hat man übrigens gut gesehen, was für ein verschworener Haufen diese Mannschaft ist. Am Abend sind sie noch mit 20 Mann nach Dresden gefahren und haben dort bis in die Nacht weitergefeiert. Dieser Zusammenhalt - so stellt man sich eine Mannschaft vor. Die Abschlussfahrt nach Mallorca nach der Saison haben sich die Jungs redlich verdient.
Nach weit über zwei Jahrzehnten, sind Sie jetzt am Ziel Ihrer Wünsche?
Natürlich bin ich erst einmal glücklich. Aber eigentlich ist es ja ein Wiederaufstieg in die vierte Liga. in der wir von 2001 bis 2006 schon einmal gespielt hatten. Nur war das vor der Zeit der eingleisigen dritten Profiliga. Damals war die Regionalliga die dritte Liga, die Oberliga die vierte. Wir wollten da unbedingt wieder rein, freuen uns jetzt auf Duelle wie gegen Jena, Zwi-ckau und vielleicht Magdeburg. Was wir in Neugersdorf allein bewerkstelligen können, ist damit erreicht. Jetzt wollen wir natürlich auch drinbleiben.
Oft werden gerade im Erfolg die größten Fehler gemacht. Wie kritisch gehen Sie mit der aktuellen Situation um?
Wir haben den Fehler ja schon einmal gemacht. Nach der damaligen Viertligazeit hatten wir einen Berg von Schulden. Den haben wir inzwischen wieder abgebaut, sind heute komplett schuldenfrei. Die alten Fehler werden wir nicht wiederholen. Wir wissen, was wir können - und was nicht.
Können Sie den Etat für die Regionalliga etwas erhöhen?
Ich denke, etwas mehr wird zur Verfügung stehen. Aber das Geld ist knapp in der Oberlausitz. So einfach können die Sponsoren nicht mehr Geld aus dem Ärmel schütteln. Wir rühren Gespräche. Und ich bin optimistisch, dass wir von dem einen oder anderen etwas mehr bekommen, aber nicht in Größenordnungen. Wir werden den Etat im Bereich unserer bescheidenen Möglichkeiten etwas aufstocken. Die Finanzplanung ist gerade in Arbeit. Mit wesentlich mehr Zuschauem zum Beispiel darf man nicht rechnen. Schön, wenn am Ende mehr kommen, aber verplanen darf man die Einahmen nicht.
Muss die Mannschaft personell für die neue Liga neu aufgestellt werden?
Zum Teil ja. Die erste Veränderung gibt es auf der Trainerposition. Manfred Weidner hat eine super Arbeit geleistet. Er ist in vier Trainerjahren dreimal aufgestiegen, einmal mit den A-Junioren und zweimal mit den Männern. Aber in der vierten Liga muss ein hauptamtlicher Trainer her. Manfred Weidner musste sich entscheiden, ob er seinen Job in meiner Firma weitermachen wollte oder die Mannschaft hauptberuflich trainiert. Er hat sich für den Job entschieden und rückt beim FCO ins zweite Glied zurück.
Ex-Dynamo Matthias Mauksch wird schon als Nachfolger gehandelt.
Ich habe genau einmal mit ihm telefoniert. Wir suchen noch. Es ist auch kompliziert, einen Trainer zu finden, der zu unserer Philosophie passt, mit jungen und erfahrenen Spielern zu spielen, vorwiegend mit tschechischen und deutschen, defensiv orientiert und auf schnelle Konter setzend. Der Trainer muss in die Oberlausitz passen. Das ist schwierig, wenn er aus einer Großstadt kommt. Und ich will, dass er in der Haupttrainingszeit auch eine Wohnung in der Nähe bezieht, nicht täglich 150 Kilometer oder mehr pendelt.
Und bei den Spielern? Was ist zum Beispiel mit ihrem Torjäger Jan Nezmar?
Er würde gern weitermachen, muss aber die Anforderungen in der 4. Liga mit seiner Arbeit als sportlicher Leiter bei Slovan Liberec unter einen Hut bekommen. Wenn Liberec den Pokal gewinnt und damit Euroleague spielt, wird das nicht so einfach. Um gewappnet zu sein, haben wir ja schon Mittelstürmer Maxim Banaskiewicz von Carl Zeiss Jena geholt. Außerdem ist der Wechsel von Verteidiger John Berger (22) vom Chemnitzer FC II zu uns fix. Es wird sicherlich weitere Verpflichtungen geben. Mit den Spielern der aktuellen Mannschaft sprechen wir in den nächsten Tagen. Sepp Kunze zum Beispiel hat schon um zwei Jahre verlängert.
Was wird das Ziel in der neuen Saison?
Das kann nur der Klassenerhalt sein. Mit der vierten Liga ist für uns allein in Neugersdorf das Maximum erreicht.
Sie harten schon einmal mittelfristig von höheren Zielen gesprochen. Zuletzt waren Sie als potenzieller Käufer und Investor des Löbauer Stadions im Gespräch. Um dort dritte Liga zu spielen?
Wenn ich von höheren Zielen spreche, meine ich immer einen FC Oberlausitz, in dem die Vereine der Oberlausitz wie Bautzen. Neugersdorf, Görlitz und Zittau zusammengehen. Aus einem Bevölkerungspotenzial von 250.000 Einwohnern ließen sich in einer dritten Liga vielleicht 6.000 bis 7.000 Zuschauer anlocken. In der Oberlausitz gibt es genügend Fußballverrückte für ein solches Projekt. Aber dazu müssten all diese Vereine bereit sein, einen solchen Schritt zu gehen. Und das wird schwierig. Was das Löbauer Stadion betrifft: Ich habe noch keinen Kaufvertrag unterschrieben. Erst müssen einige Dinge geregelt werden. Die Mauer um das Spielfeld und der Denkmalschutz, der Platz wird bei Hochwasser überflutet, und eine Rohrleitung unter dem Platz. Bislang habe ich. auch für den Denkmalschutz, nur eine Vorabplanung machen lassen. Es hängt auch davon ab, ob ich Mitstreiter für das Projekt eines großen FC Oberlausitz finde, auch die beiden Landräte. Wenn das alles aber nicht gewollt ist, fühlen wir uns auch weiterhin in Neugersdorf wohl.
  
Sächsische Zeitung vom 11.12.2014
Von Frank Thümmler

Den Aufstieg weiter im Visier

Die Hinrunde in der Fußball-Oberliga ist gespielt. Die Winterpause hat begonnen und dauert bis Ende Februar. Der FC Oberlausitz steht in der Tabelle nicht dort. wo er am Saisonende stehen will - auf einem der beiden Aufstiegsplätze. Zurzeit sind die Neugersdorfer Dritter, mit einem Punkt Rückstand auf den Tabellenzweiten Markranstädt. Neben dem Tabellenersten steigt nach dieser Saison auch derTabellenzweite direkt in die Regionalliga auf, falls es keinen nordostdeutschen Absteiger aus der 3. Liga gibt. Zurzeit steht dort aber Hansa Rostock auf einem Abstiegsplatz. Bleibt das so, würde es eine Aufstiegsrelegation mit dem Vizemeister der Oberliga Nord geben. Den Aufstieg haben sich die Schützlinge von Trainer Manfred Weidner aber fest auf die Fahnen geschrieben.
Was fehlt den Neugersdorfem zur Tabellenspitze?
Vor allem Auswärtsstärke. Zu Hause ist die Mannschaft eine Macht, auswärts ist die Bilanz allenfalls mittelmäßig. Während die torlosen Unentschieden beim Spitzenreiter RB Leipzig II und in Markranstädt aller Ehren wert waren, tun die Punktverluste gegen Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld weh. Gemeint sind zwei Unentschieden bei den zweiten Vertretungen von Cottbus und Aue sowie die Niederlage bei Erfurt II. In all diesen Spielen haben die Neugersdorfer dominiert, hatten deutlich mehr Ballbesitz und auch eine Chancenüberzahl. "Bei den Gegentoren haben natürlich auch individuelle Fehler eine Rolle gespielt, aber letztlich haben wir auch taktisch falsch agiert, ab und zu zu offensiv gedacht und sind in Konter ge-laufen. Da hat sich meiner Meinung nach auch zuviel Lockerheit und Lässigkeit in den Köpfen eingenistet. Das müssen wir rausbekommen. Der l:0-Sieg in Bemburg war ein guter Anfang.
Ist die Mannschaft im Angriff zu leicht ausrechenbar?
Vieles spricht dafür. Der 37-jährige Jan Nezmar, Ex-Profi von Slovan Liberec, hat 17 der 34 Saisontreffer der Neugersdorfer erzielt (offiziell sind es gar 18, weil ein Stajner-Tor gegen Eisenach irrtümlich Nezmar zugerechnet wurde). In der internen Torschützenliste folgt Ex-Bundesligaprofi Jiri Stajner mit sechs Treffern. Stajner ist aber schon geraume Zeit verletzt, soll in der Rückrunde wieder fit sein. Die Ausbeute der anderen Offensivkräfte ist eher mager. "Wir erspielen uns, nicht nur für Nezmar, genügend Chancen. Aber die Ausbeute bei den Spielern neben Nezmar ist ausbaufähig. Da müssen wir besser werden", sagt Weidner, der ein generelles Problem aber nicht sieht. "Natürlich konzentrieren sich alle - oft mit nicht allzu großem Erfolg - auf unseren Torjäger. Aber so leicht auszurechnen sind wir nicht." Als Beispiel führt er das mit 3:1 verlorene Spiel in Halle an. Da haben wir nach einem individuellen Aussetzer und einem Elfmeter zur Pause 0:2 hinten gelegen, dann aber unheimlich Druck gemacht, den Anschlusstreffer erzielt und einen Elfmeter verschossen. Als wir alles riskiert haben, sind wir in einen Konter gelaufen. Aber Angriffsdruck mit Torgefahr war genug da", sagt Weidner.
Wird es in der Winterpause Verstärkungen geben?
Die Mannschaften, die vor Neugersdorf stehen, könnten die Winterpause nutzen, um noch einmal aufzurüsten. Bei RB Leipzig ist ja sowieso die Rede davon, dass es Verstärkungen aus anderen RB-Vereinen geben könnte, um vielleicht den Erstligaaufstieg zu schaffen. Das könnte natürlich auch Auswirkungen auf das Reserveteam haben, das noch stärker würde. Als Ausbildungsmannschaft soll die RB-Reserve nicht zu viele Spielklassen unter der ersten Mannschaft spielen. Auch in Markranstädt muss man damit rechnen, dass neue Spieler geholt werden. Beim FC Oberlausitz ist das trotzdem nicht geplant. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass diese Mannschaft stark genug ist, um einen der beiden ersten Plätze zu erreichen. Wir sehen das immer noch so, auch was die Breite der Mannschaft betrifft", sagt Trainer Manfred Weidner. Geplant ist also nichts.
Welche Rolle spielt der Sachsenpokal im Aufstiegsrennen?
"Wieder ins Finale zu kommen ist unser großes Ziel", sagt Weidner. Das darf aber nicht zulasten der Oberliga gehen. In der vergangenen Saison gab es unmittelbar nach den großen Pokalspielen unter der Woche Punkteverluste in den Punktspielen. Der Verein will deshalb englische Wochen vermeiden. Mit dem Chemnitzer FC sind sich die Neugersdorfer darüber einig, das für den 29. März geplante Auswärtsspiel auf den 22. Februar vorzuverlegen. falls das auch dem FSV Zwickau gelingt (soll am 29. März zu Hause gegen Neustrelitz spielen). Dann würde das Wochenende 28./29. März frei für das mit Spannung erwartete Sachsenpokal-Halbfinale - diesmal ohne englische Woche.
 
Sächsische Zeitung vom 07.07.2014

Das Ziel heißt Aufstieg

Manfred Weidner, Trainer des Fußball-Oberligisten FC Oberlausitz Neugersdorf, schürt den Konkurrenzkampf im Team.
Der FC Oberlausitz Neugersdorf will 2014/15 den nächsten Schritt machen. Der Erfolg der vergangenen Saison hat Appetit auf mehr gemacht. Als Oberligaaufsteiger sind die Neugersdorfer sofort Dritter geworden. Und im Sachsenpokal haben sie mit Siegen beim Oberligameister Budissa Bautzen, im Halbfinale über den Zweitliga-Aufsteiger RB Leipzig und der unglücklichen Finalniederlage gegen den Dnttligisten Chemnitzer FC für Furore gesorgt. Den Kader gehörig umgebaut haben die Neugersdorfer trotzdem. Die wichtigsten Ver-änderungen: Die beiden Torhüter Samoel und Zelenka wurden gegen die jungen Deutschen Flückiger und Höhne ausgetauscht. In der Verteidigung stehen statt des erfahrenen Lukáš und Flachbart jetzt hungrige Dresdner Ex-Dynamos (Merkel und Süß) zur Verfügung. Außerdem wurde noch der 1,93-Meter-Pole Tobias Zak verpflichtet. Und in der Offensive ist neben der spektakulären Neuverpflichtung von Jiří Stajner auch der Görlitzer Oberliga-Torjäger Josef Nemec gekommen.
Herr Weidner, der Kader scheint im Vergleich zur vergangenen Saison noch stärker geworden. Das kann doch nur eines heißen, oder?
Wenn Sie auf unser Saisonziel anspielen: Ja. wir wollen den Spitzenplatz in der Oberliga Süd erreichen und in die Regionalliga aufsteigen. Dafür könnte allerdings auch der zweite Platz ausreichen. Weil die Regionalliga zur kommenden Saison auf 18 Mannschaften aufgestockt wird, ist die Situation diesmal besonders günstig. Und nicht vergessen wollen wir den Pokal. Da sind wir in den vergangenen Jahren ja schon so etwas wie Spezialisten geworden. Ob wir aber tatsächlich noch stärker sind als in der vergangenen Saison, das muss sich aber erst zeigen. Von allein geht so etwas nicht, da kommt erst harte Arbeit vorneweg.
Was ist der Grund dafür, den Kader so stark zu verändern?
Wir haben aus der vergangenen Saison - in der vieles sehr gut lief. manches aber eben nicht - unsere Lehren gezogen. Zum Beispiel haben wir gegen die drei Absteiger nur sieben von 18 möglichen Punkten geholt. Letztlich waren wir auf nicht allen Positionen stark genug aufgestellt. Wir wollen jetzt Druck auf allen Positionen erzeugen, den Konkurrenzkampf erhöhen. Auch damit wir Ausfälle wegen Verletzungen oder Sperren besser kompensieren können. Am Saisonende sind wir ja manchmal mit einer Notelf aufgelaufen. Und außerdem wollten wir die Mannschaft verjüngen. Das ist uns auf vielen Positionen auch gelungen. Jiří Stajner ist mit seinen 38 Jahren eine Ausnahme, aber der hat andere Qualitäten, die uns weiterhelfen werden.
Warum haben Sie neben Stajner für den Sturm auch noch den Görlitzer Torjäger Nemec gehlt? Nezmar, Stajner, Marrack, dazu der junge Sobe - ist da überhaupt noch Platz?
Das eröffnet uns noch mehr taktische Möglichkeiten. Außerdem hat Nezmar in der vergangenen Saison im Schnitt nur 45 Minuten gespielt - wenn er da war. Trotz seiner unglaublichen Effizienz - ein Spieler wie Nemec. der mit 60 Treffern in drei Landesligajahren bewiesen hat. dass er Tore schießen kann, wird uns guttun.
Die Trennung von Flachbart kommt für Außenstehende überraschend.
Wir haben so entschieden, weil wir auf dieser Position die Zukunft bei unseren jungen Neuzugängen sehen.
Wird der veränderten Mannschaft auch ein neues taktisches Konzept verpasst?
Vielleicht in einigen Details. Aber grundsätzlich werden wir wie in unserer ersten Oberligasaison über die taktische Disziplin kommen. Standards - vom wie hinten - werden eine wichtige Rolle spielen. Mit unseren Neuzugängen können wir allerdings variabler auf den Gegner und die Spielsituation reagieren, zum Beispiel auch mal zwei Spitzen bringen. Natürlich muss sich alles noch in der Vorbereitung finden. Am 3. August starten wir mit einem Heimspiel gegen Rudolstadt, am 24. August kommt swchon Lok Leipzig.
Was sind die Höhepunkte in der Saisonvorbereitung?
Wir haben viele Spiele gegen Mannschaften aus der Region einschließlich des Oberlausitzcups. Sicherlich stechen die Partien gegen Dynamo Dresden am 15. Juli in Oppach und gegen Budissa Bautzen am 27. Juli in Neugersdorf heraus.
Gespräch: Frank Thümmler
 
Oberlausitzer Kurier vom 05.04.2014

Underdog will Krösus in Pokal-Bein stellen

Von Frank-Uwe Michel

Am Mittwoch, 9. April, 17.30 Uhr kommt es in Neugersdorf zur Neuauflage der Begegnung vom vergangenen Jahr. Erneut trifft der FC Oberlausitz-Neugersdorf im Halbfinale des Fußball-Sachsenpokals auf RB Leipzig, das derzeit von der dritten in die zweite Liga marschiert. Bange machen gilt jedoch nicht - der Underdog aus der Oberlausitz will dem Krösus aus der Messestadt auf dem Weg ins Finale "ein Bein" stellen.
Als klar war, dass RB Leipzig zum Pokalhit in die Oberlausitz kommen würde, "da haben wir schon mal durchgeschnauft", beschreibt FCO-Coach Manfred Weidner die Gefühlswelt seiner Kicker. "Schon wieder die stärkste Mannschaft, die wir bekommen konnten - das war natürlich nicht unbedingt unser Traum." Schnell aber sah man auch die sportliche Herausforderung. "Gegen die Besten antreten, das ist immer eine tolle Sache!"
Inzwischen spricht Weidner von einem "zweischneidigen Schwert", das seine Spieler in den nächsten Tagen erwartet. Denn auch in der Meisterschaft geht es in die entscheidende Phase. Am Ende der Herbstrunde lagen die Neugersdorfer hinter Bautzen klar auf Rang zwei und schielten selbst noch auf den Spitzenplatz. Durch den alles andere als optimalen Start in die Rückrunde hat man diese komfortable Position eingebüßt.
Zwar hat auch der Spitzenreiter mit zwei Niederlagen nicht gerade überzeugend gespielt, der FC Oberlausitz konnte durch eigene Fehlleistungen jedoch kein Kapital daraus schlagen. "Wir sind ziemlich enttäuscht, weil wir gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte geschwächelt haben", erklärt Weidner, der die Zügel noch einmal angezogen und seinen Kickern eine höhere Trainingsintensität verordnet hat. Der Sieg gegen die U23 von Dynamo Dresden könnte nun für neues Selbstbewusstsein gesorgt haben, hofft der Coach. Der Pokalhit gegen Leipzig liegt mitten in der "Woche der Wahrheit" für die Neugersdorfer Fußballer: Am Sonntag, 6. April, müssen sie gegen die Zweite des Halleschen FC Farbe bekennen und am Sonntag, 13. April, kommt es in Bautzen zum Spitzenspiel mit Budissa. Wie dort gewonnen werden kann, wissen die Weidner-Schützlinge inzwischen, hatten sie doch auf der "Müllerwiese" den Einzug ins Pokal-Halbfinale klar gemacht. "Das sind aber zwei völlig verschiedene Paar Schuhe", dämpft der Coach Erwartungen an eine Wiederholung des Husarenstücks. "Bautzen will unbedingt aufsteigen, hat außerdem keine so kräftezehrende Pokalpartie vor der Brust", sagt er. Gegen den Krösus aus der Messestadt sieht der Trainer ebenfalls "kaum Chancen", stapelt Weidner tief. "Da muss auf unserer Seite schon alles passen und der Gegner uns unterschätzen." Was wahrscheinlich nicht passieren wird, hatte Neugersdorf die Messestädter doch in der Vorbereitung enorm gefordert und in einer Testpartie nur mit 0:1 den Kürzeren gezogen. Die Stärken des Gegners hat der FCO-Coach längst erkannt:"Sie kommen oft über Standards und lange Bälle in die Spitze, sind vor allem durch ihre großen, schnellen Spieler gefährlich." Deshalb gelte es, mit höchster Konzentration zu agieren, keinen Freiraum zu geben und "am Mann" zu stehen. An Sonderbewachungen für die trickreichen Frahn und Poulsen denkt Weidner aber nicht. "Die Leipziger sind personell so gut aufgestellt - wenn diese beiden abgemeldet sind, springen eben andere in die Bresche."
Auf jeden Fall hofft man beim FC Oberlausitz-Neugersdorf erneut auf großes Interesse an der Partie. Im Vorjahr war die Kulisse rund 1.700 Besucher stark. Etwa 2.000 sollen es auch dieses Mal wieder werden. Der Kartenvorverkauf läuft bereits. Tickets gibt es unter anderem im Eiscafe La Luna sowie in den Buchhandlungen Haußig und Fiedler in Neugersdorf, aber auch im CD-Studio am Zittauer Markt.
Sportlich hat Manfred Weidner alles an Deck. Auch der nach seiner schweren Risswunde genähte Jirí Šisler soll zum Pokalhit wieder einsatzfähig sein. Für FCO-Präsident Ernst Lieb hat das Pokal-Halbfinale einen äußerst hohen Stellenwert. "Wir stehen ja das zweite Mal nacheinander in der Vorschlussrunde, das kommt nicht von ungefähr." Die Chancen seiner Mannschaft schätzt der starke Mann des Vereins aber eher zurückhaltend ein: "Der Ball ist rund - heißt es so schön. Natürlich ist alles möglich, aber realistisch betrachtet, sind wir krasser Außenseiter." Natürlich könne es wie im Vorjahr bis ins Elfmeterschießen gehen, aber dazu müsse schon "sehr viel richtig laufen." Lägen die Leipziger nach zehn Minuten mit zwei Toren vom, dann könne es eine Klatsche geben. Sei bis in die letzte Viertelstunde noch nichts entschieden, "dann kann das auch für RB richtig dramatisch werden", so Lieb, der eher den Chemnitzer FC oder den VfB Auerbach zum Pokalfight empfangen hätte. "Sicher wäre das auch keine Laufkundschaft gewesen, aber unsere Chancen hätten vielleicht etwas besser gestanden." Auf jeden Fall setzt der Präsident auf die Zuschauer: "Wer das Spiel im vergangenen Jahr gesehen hat. der wird sicher gerne wiederkommen. Und vielleicht gibt es noch ein paar Interessenten mehr, sodass wir die magische 2.000er Marke knacken."
 
Sächsische Zeitung vom 03.04.2014

Neugersdorf fiebert dem Pokalhit entgegen


Von Frank Thümmler

Immer wieder im April - am kommenden Mittwoch, Anstoß 17.30 Uhr, steigt für die Fußballer des FC Oberlausitz das Spiel des Jahres. Im Pokalhalbfinale empfängt der aktuelle Zweite der Oberliga die "Roten Bullen" aus Leipzig. Da war doch schon mal was? Richtig: Ziemlich genau vor einem Jahr, am 24. April 2013, gab es diese Partie schon einmal. Sogar die Voraussetzungen waren ähnlich: Es war Pokalhalbfinale, RB Leipzig kämpfte um den Aufstieg (damals in die dritte Liga) und war haushoher Favorit. Neugersdorf war damals dem Aufstieg (in die Oberliga) ebenfalls ganz nah. Genauso nah wie dann einer Pokalsensation. Die Neugersdorfer schieden erst nach Elfmeterschießen aus, Šisler erzielte die frühe Führung und nach zwei Gegentoren auch den Ausgleich.
Inzwischen haben beide Mannschaften einen Aufstieg hinter sich und stehen in der jeweils höheren Liga auf dem (super) zweiten Platz. Während dieser Rang für die Leipziger allerdings für den nächsten Aufstieg reichen würde, müsste Neugersdorf noch acht Punkte auf den Tabellenführer Bautzen aufholen, um sofort wieder aufzusteigen. Es gibt einen weiteren großen Unterschied: Während der Kader in Neugersdorf nahezu unverändert geblieben ist, haben die Leipziger für den nächsten Aufstieg erheblich aufgerüstet. Nur noch wenige Spieler der Stammelf des vergangenen Jahres gehören auch heute zur ersten Elf.
Der Leistungsunterschied zwischen beiden Mannschaften sollte also noch größer geworden sein. RB steht schließlich an der Schwelle zur 2. Bundesliga, hat das Fernziel Bundesliga und internationalen Fußball und dafür mit Ralf Rangnick einen absoluten Fachmann als sportlichen Leiter verpflichtet. Und trotzdem sehen sich die Neugersdorfer in diesem für zumindest lange Zeit voraussichtlich letzten Pflichtspiel gegen die "Roten Bullen" nicht chanccnlos. "Wir bereiten uns schon seit Wochen speziell auf dieses Spiel vor", sagt FCO-Trainer Manfred Weidner, dem jeder andere Gegner im Pokal-Halbfinale lieber gewesen wäre. Schließlich hätte ein Halbfinalsieg gegen den Regionalligisten VfB Auerbach oder den Drittligisten Chemnitzer FC voraussichtlich schon gereicht, um in die erste Runde des DFB-Pokals der kommenden Saison einzuziehen. Wenn nämlich RB Leipzig, als mindestens Vierter der 3. Liga sowieso für den DFB-Pokal qualifiziert, der Finalgegner wäre, käme der Sachsen- pokalfinalist automatisch in diesen Genuss, der verbunden ist mit einer sechsstelligen Prämie und der Chance auf einen attraktiven Gegner. "Aber dass die Auslosung so kommt, hatten wir schon geahnt. Und wir glauben, dass sie den Herren beim sächsischen Verband ganz gut gefallen hat", sagt Weidner mit einem süffisanten Lächeln.
Jetzt muss also der scheinbar übermächtige Favorit RB Leipzig aus dem Weg geräumt werden. Die Neugersdorfer haben schon vor Wochen das Trainingspensum erhöht, bereiten sich auch taktisch auf die Spielweise der Leipziger vor. .Wir müssen in der Abwehr Beton anrühren und versuchen, mit Kontern immer wieder Nadelstiche zu setzen", sagt Weidner, der die Leipziger als sehr effektiv spielend einschätzt und ihre Spielanlage mit dem englischen "kick and rush" vergleicht: Immer wieder hohe Bälle nach vorrn, die entweder verlängert werden oder nach denen verbissen den "zweiten Ball" gekämpft wird. Sorgen bereitet Weidner auch die Stärke der Leipziger bei Standards. Im Pokal-Viertelfinale beim Landesligisten Eilenburg haben sie alle vier Tore daraus erzielt, am vergangenen Wochenende beim 3:0-Sieg in Regensburg waren es zwei der drei Treffer.
Die Neugersdorfer wissen nicht, welche Priorität die "Roten Bullen" dem Sachsenpokal beimessen und ob sie wirklich ihre Stammelf komplett aufs Feld schicken werden. Schließlich stecken sie mitten im Aufstiegskampf. Darmstadt lauert mit drei Punkten Rückstand und dem besseren Torverhältnis auf dem Relegationsplatz um den Aufstieg und einen Ausrutscher der Leipziger. Die Relegation wollen die Leipziger, denen die lange Saison mit insgesamt 38 Spieltagen an den Kräften zehn, unbedingt vermeiden. Mittelfeldspieler Clemens Fandrich hatte nach dem schwer erkämpften 3:0-Sieg in Regensburg geklagt: "Wir kriechen im Moment alle auf dem Zahnfleisch."
Man muss also abwarten, wen Trainer Alexander Zorniger zwischen dem Sachsenderby zu Hause gegen Chemnitz (5. April) und dem Auswärtsspiel bei der U23 von Borussia Dortmund (12. April) am Mittwoch dazwischen in Neugersdorf aufs Feld schicken wird. Für Trainer Manfred Weidner ist das sowieso relativ egal: "Die Leipziger haben einen großen Kader, besetzt mit Spielern, die allesamt, mindestens Drittliganiveau haben. Und wenn die Spieler zum Einsatz kommen, die nicht zur Stammelf gehören, werden sie brennen, es ihrem Trainer zu beweisen." Einmal in dieser Saison war das allerdings auch schon so. In einem Vorbereitungsspiel Ende Januar unterlag der FCO in Leipzig nur 0:1, obwohl Zorbinger viele Spieler der Stammelf einsetzte und wegen einer 0:l-Heimniederlage gegen Burghausen kurz zuvor wütend war.
All das soll die Neugersdorfer am nächsten Mittwoch nicht beeindrucken. "Die Spieler arbeiten hoch konzentriert, haben sich zuletzt gesteigert, holen sich hoffentlich am Sonntag gegen Halle noch einmal Selbstbewusstsein und wollen sich gegen das Drittliga-Spitzenteam beweisen. Und sie wissen - sie können Neugersdorfer Geschichte schreiben. Die Fußballfans aus der Region - der FC Oberlausitz hofft auf 2000 - werden sie dabei lautstark unterstützen.
  
Oberlausitzer Kurier vom 28.09.2013

Die Region ist jetzt im Derbyfieber

Die Fußballfans in der Region fiebern dem großen Derby in der Amateuroberliga entgegen. Der FC Oberlausitz Neugersdorf empfängt am Sonntag, 29. September, 14.00 Uhr, den FSV Budissa Bautzen in der Enso-Oberlausitz-Arena. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich dazu mit Trainer Manfred Weidner.
Wie heiß ist der FC Oberlausitz-Neugersdorf auf dieses Derby gegen den FSV Budissa Bautzen?
Es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf zwischen beiden Mannschaften. Wir stehen nach sechs Spielta­gen als Aufsteiger mit dem FSV Budissa Bautzen an der Spitze der Amateuroberliga.Dadurch erhält das Spiel noch eine zusätzliche Brisanz. Natürlich gibt es auch Verflechtungen. Da hat mal jener Spieler von uns bei Budissa Bautzen gespielt und andersherum. Wir spüren jedenfalls das Kribbeln vor dem Derby. Die Mannschaft ist mit 21 Spielern so stark wie kaum eine andere. Es kommt nur noch jemand dazu, falls jemand weggehen sollte.
Welche Rolle spielt für Sie die genannte Konstellation in der Tabelle? Geht es da schon um den Aufstieg in die Regionalli­ga bzw. um die Nummer eins in der Region?
Überhaupt nicht, weil zu diesem frühen Zeitpunkt noch kein Aufsteiger gekürt wird.
Welches Ziel hat sich Ihre Mannschaft für dieses brisante Derby gestellt?
Wir haben in den bisherigen Heimspielen unsere Zuschauer mit gutem Fußball verwöhnt. Wir wollen zu Hause drei Punkte holen. Wir wissen aber, dass es sehr schwer gegen Budissa Bautzen wird. Wir sind jedenfalls hoch motiviert, genauso wie auch unser Gegner.
Welche taktische Marschroute geben Sie Ihrer Mannschaft für dieses Derby vor?
Ich hoffe, dass wir unser erfolgreiches Spiel umsetzen können. Wir müssen aufpassen, dass wir keine Konter "fressen", zu null spielen und unsere Chancen nutzen.
Mit wie viel Zuschauem rechnen Sie zu diesem Ostsachsenderby?
Das ist schwer zu sagen. Über 500 Zuschauer sollten es aber schon sein. Wir hoffen natürlich auf eine große Unterstützung von den Rängen.
Der FC Oberlausitz Neugersdorf hat am vergangenen Wochenende beim 1:2 bei der zweiten Mannschaft des Halleschen FC nach fast einem Jahr mal wieder ein Punktspiel verloren. Was war das für ein Gefühl nach einer so langen Zeit?
Vielleicht war es eine Niederlage zum richtigen Zeitpunkt. Wir waren zuvor wohl ein bisschen zu locker in die Spiele gegangen, weil es immer für uns gereicht hat. Das geht so nicht. Diese Einstellung ist bei der zweiten Mannschaft des Halleschen FC auch nicht belohnt worden. Wir müssen in jedes Spiel konzentriert gehen und hellwach sein.
Ihre Mannschaft führt - wie schon erwähnt - nach sechs Spieltagen die Tabelle der Fußball-Amateuroberliga an. Bahnt sich da ein Durchmarsch an?
Es sind noch 24 Spiele. Für den Aufstieg werden 70 bis 80 Punkte benötigt. Wir haben jetzt gerade einmal 15 Punkte geholt. Es ist auch nicht unser Ansinnen, soweit vorauszudenken. Wir müssen die kleinen Schritte gehen und von Spiel zu Spiel denken.
Was ist eigentlich in der Amateuroberliga anders als in der Landesliga?
Das Niveau ist schon höher, weil die Mannschaften ausgeglichener besetzt sind und gerade die Spieler der U 23-Vertretungen fußballerisch gut ausgebildet sind, zu den Profis wollen und deshalb hoch motiviert zur Sache gehen.
  
Sächsische Zeitung vom 11.06.2013

Internationales Fußballfest

Von Reiner Seifert

Fußball vom Feinsten bekommen die Fans am 22. Juni im Zittauer Weinaupark-Stadion geboten. Im Mittelpunkt eines internationalen Fußballfestes stehen zwei freundschaftlichen Begegnungen zwischen dem Kreisoberligisten VfB Zittau und Granica Bogatynia sowie dem Sachsenmeister und Oberligaaufsteiger FC Oberlausitz Neugersdorf und Slovan Liberec. Sowohl der tschechische Meister von 2012 und Tabellendritte der zu Ende gegangenen Erstligasaison 2012/13 aus Liberec als auch der Tabellenzwölfte der vierten polnischen Liga treten in stärkster Besetzung an. Während die beiden deutschen und das polnische Team die Punktspielsaison gerade erst abgeschlossen haben, beginnt für den Liberecer Erstligisten in Zittau die Vorbereitung auf das neue Spieljahr.
"Der Anstoß für das internationale Fußballfest kam angesichts des modernen Weinaupark-Stadion von der Generalmanagerin der 18. Leichtathletik Senioren Europameisterschaften 2012 Birgit Weber. Was lag näher, als gemeinsam mit dem VfB Zittau die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Dreiländerecks zu nutzen, um für die Fans einen internationalen Fußballvergleich zu organisieren", erklärte Ernst Lieb, Präsident des FC Oberlausitz Neugersdorf, zum Anliegen des Fußballfestes. "Wir wollen gemeinsame Höhepunkte dieser Art zur Tradition werden lassen und in Zukunft vielleicht auch Pokalspiele u.a. im Weinaupark-Stadion austragen", ergänzte der l. Vorsitzende des VfB Zittau Frank Zinke. Sowohl die deutsch-polnische als auch die deutsch-tschechische Begegnung verspreche gutklassigen Fußball, den sich die Fans vor der Sommerpause nicht entgehen lassen sollten. Darüber hinaus sorgt ein buntes Rahmenprogramm einschließlich einer Zuschauertombola mit attraktiven Preisen für zusätzliche Unterhaltung.

Sonnabend, 22. Juni: Weinaupark-Stadion Zittau • 10.45 Uhr: Eröffnung • 11.00 Uhr: VfB Zittau - MKS Granica Bogatynia • 12.45 Uhr: Talkshow mit dem Ex-Bundesligaspieler Jiri Stajner sowie den Vereinsrepräsentanten der vier Mannschaften • 13.00 Uhr; FC Oberlausitz Neugersdorf - FC Slovan Liberec • 15.00 Uhr: Autogrammstunde des FC Slovan Liberec

Eintrittspreise: Vorverkauf: 4 Euro • ermäßigt 3 Euro • Tageskarte am Spieltag: 6 Euro

Vorverkaufstellen: SZ-Treffpunkt Zittau • Tourist-Info Zittau • CD Studio Zittau (Markt 13) FCO-Geschäftsstelle Neugersdorf • Eiscate La Luna Neugersdorf • Buchhandlungen Haußig und Fiedler Neugersdorf.

-> Hier findet man noch viel Neues und Altes zum -> FC Slovan Liberec
 
Sächsische Zeitung vom 31.05.2013

Sachsenmeister Neugersdorf will die 80 Punkte

Von Frank Thümmler

Nachdem der Sachsenmeistertitel feststeht, lockt die Oberlausitzer jetzt die 80-Punkte-Marke. 71 haben sie schon auf dem Konto, drei Spiele gibt es noch. "Wir wissen gar nicht, wie der bisher punktbeste Sachsenmeister abgeschnitten hat, aber in den letzten sieben, acht Jahren waren 76 Punkte der Bestwert. Das wollen wir überbieten"", sagt Trainer Manfred Weidner. Er ist sich auch sicher, dass seine Mannschaft weiterhin den nötigen Ehrgeiz aufbringt und einen würdigen Abschluss hinbekommt, auch wenn er einigen Spielern Einsatzchancen geben wird, die zuletzt weniger gespielt haben. "Experimente machen wir aber keine", sagt Weidner.
Inzwischen sind auch die ersten Personalien für die neue Saison klar: Sepp Kunze kommt von Dynamo Dresden II, Ralf Marrack von Budissa Bautzen. Der 24-jährige Kunze ist ein "Phillipp-Lahm-Typ". spielt mit seinen nur 1,67 Metern Körpergröße rechter Verteidiger, kann aber auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Kunze hatte bei Dynamo auch drei Einsät-ze in der ersten Mannschaft (unter Mauksch in der 3. Liga), zum ganz großen Durchbruch hat es aber nicht gereicht. Für Neugersdorf ist er laut Weidner eine echte Verstärkung. Das sollte der andere Neuzugang auch sein. Ralf Marrack (27 Jahre) ist noch Mittelstürmer bei Budissa Bautzen. mit zehn Treffern auch torgefährlichster Spieler des künftigen Ligakonkurrenten. Marrack hat die Nachwuchsschule von Energie Cottbus besucht und ist dann über die Stationen VFC Flauen und Chemnitzer FC in Bautzen gelandet, wo er jetzt zweieinhalb Jahre gespielt hat. Sein Vertrag läuft aber aus, die Neugersdorfer haben zugeschlagen.
Drei Abgänge stehen auch schon fest: Sebastian Uhlig beendet seine Laufbahn, wird dem Verein aber als Nachwuchstrainer erhalten bleiben. Und Ladislav Grubhoffer und Stefan Höer verlassen den Verein mit unbekanntem Ziel. Höer, der aus Görlitz gekommen war, will sich noch höherklassiger als in der Oberliga (5. Liga) versuchen. So hat er es den FCO-Verantwortlichen, die durchaus Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit hatten, mitgeteilt.
 
Sächsische Zeitung vom 29.05.2013

Sachsenmeister - und was jetzt?

Die Fußballer des FCO Neugersdorf steigen nach einer überragenden Saison in die Oberliga auf. So richtig spannend ist diese Liga aber nicht.
Von Frank Thümmler
Dass der FC Oberlausitz Neugersdorf dem Sachsenmeistertitel entgegensteuert. war schon lange offensichtlich. Nachdem es in der Hinrunde der Sachsenliga noch zwei Niederlagen (jeweils zu Hause gegen Kamenz und Görlitz am 6. Oktober) gegeben hatte, haben die Oberlausitzer einen nahezu unglaublichen Lauf hingelegt. nur noch zweimal Unentschieden gespielt, sonst alles gewonnen. Die Konkurrenten sind zurückgefallen (Kamenz) oder zumindest nicht nähergekommen (RB Leipzig II). Und als die Leipziger am Sonntag gegen Eilenburg zwei Punkte haben liegen lassen, standen Titelgewinn und Aufstieg plötzlich schon drei Tage vor Saisonende fest. Die SZ sagt, warum die Neugersdorfer so dominiert haben, wie es in der neuen Saison und mittelfristig mit dem FC Oberlausitz weitergehen soll und ob die jungen Spieler aus der Region auf diesem Weg mitgenommen werden können.
Was waren die Vorteile des FCO gegenüber den Sachsenliga-Teams?
"Wenn man eine Fußballsaison mit einem Autorennen vergleicht, muss man sagen, dass wir der Konkurrenz immer um eine gute Länge voraus waren", sagt Trainer Manfred Weidner. Wenn man bei diesem Bild bleibt, könnte man ergänzen, dass die Neugersdorfer auch das beste Material hatten und während der Saison noch einmal kräftig nachrüsten konnten. Spieler wie Flachbart, der Champions League-Erfahrung mitbringt, Lukáš, Liška oder Šisler, die alle vor dieser Saison gekommen sind, haben das Niveau deutlich angehoben. Und die Neuzugänge in der Winterpause - Dittrich und Nezmar - sind voll eingeschlagen. Die erfahrene Abwehr (im Schnitt 35 Jahre) hat in der Rückrunde bislang nur vier Gegentore zugelassen, und in der Offensive gibt es viele Waffen. "Wir hatten immer den einen Spieler, die eine Aktion, die den Unterschied gemacht hat - auch in den engen Spielen", ergänzt Weidner.
Was ist das Verdienst des Trainerteams Weidner/Sorm/Thomas/Barta?
So ein "Starensemble" auf Kurs zu halten, ist nicht immer einfach. Das hat das FCO-Trainerteam aber geschafft. Fußball funktioniert nur, wenn jeder persönliche Eitelkeiten hinten anstellt. Das richtige taktische Verhalten und auch fußballerische Grundtugenden wie Kampfkraft und Laufbereitschaft waren beim FCO immer da. Und taktisch hat der Mannschaft kein Gegner was vorgemacht. "Wir konnten das gesamte Jahr über kontinuierlich auf hohem Niveau arbeiten - unter guten Trainingsbedingungen und mit guten Trainingslagern", sagt Weidner. Ausfälle konnten problemlos kompensiert werden, junge Spieler haben sich nahtlos in die Mannschaft eingefügt. Weidner: "Die Mannschaft hat einfach gut harmoniert."
Gab es Überlegungen, wie Kamenz auf den Aufstieg zu verzichten?
Die Oberliga verursacht mehr Kosten, bietet aber weniger Derbys (bis auf Budissa Bautzen). Gegner wie Priestewitz, Rudolstadt oder die zweiten Mannschaften von Halle, Chemnitz oder Jena locken nur bedingt ins Stadion. Präsident Ernst Lieb sagt trotzdem: "Wenn man sich weiterentwickeln will, muss man den Aufstieg nutzen. Das, was in Kamenz passiert ist, halte ich gegenüber der Mannschaft für nicht fair."
Gibt es jetzt Druck, möglichst schnell in die Regionalliga durchzumarschieren?
Dort sind die Gegner zwar viel namhafter (Magdeburg, Jena, Zwickau ...) und die Landesliga-Aufsteiger der vergangenen Saison (Markranstädt und Heidenau) haben im Vorderfeld mitgespielt, aber Ernst Lieb sagt: "Man darf nicht den dritten Schritt vor dem ersten machen. Die Mannschaft soll erst einmal in der Oberliga ankommen, nicht absteigen und eine möglichst gute Rolle spielen." Trainer Manfred Weidner, der sich in Vorbereitungs- und Pokalspielen ein Bild von der Leistungsstärke in der Oberliga machen konnte, möchte möglichst an die Platzierungen von Markranstädt (4.) oder Heidenau (6.) anknüpfen.
Muss der Kader für die Oberliga stark verändert werden?
"Wir müssen etwas verändern, die Fluktuation soll aber nicht so groß sein wie in den vergangenen Jahren", erklärt Trainer Weidner, der die Mannschaft gemeinsam mit seinem Trainergespann auch in der überliga führen wird. Zum Teil wird der FCO auch durch die Vorschriften in der Oberliga dazu gezwungen: Im 18er-Kader eines jeden Spieles müssen vier U24-Spieler stehen. Von den Spielern, die in dieser Saison fest zum Kader gehört haben, erfüllen nur Max Fröhlich, Petrick, Berg und Hädrich diese Bedingung. "Wir sind also gezwungen, uns zu verjüngen", sagt Weidner. Einige Spieler werden den Verein auch verlassen (müssen). Gespräche mit potenziellen Neuzugängen werden schon seit einigen Wochen geführt. Zum Trainingsstart zur neuen Saison am 9. Juli soll der Kader im Wesentlichen beisammen sein.
Kann man die eigene Jugend auf diesem Weg mitnehmen?
Der FCO will das weiterhin versuchen. Beispiele wie die schon genannten Max Fröhlich, Petrick, Berg und Hädrich belegen, dass das funktionieren kann. Andere (Schubert, Šubrt, Temel) durften schon ins Team hineinschnuppern. "Das wollen wir weiterhin versuchen, wobei man nicht vergessen darf, dass die A-Junioren ein, zwei Jahre brauchen, um sich in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden." Künftig aber wird der Sprung von den A-Junioren oder der Reserve (Kreisoberliga) noch größer. Ernst Lieb sagt dazu: "Unser Ziel muss es deshalb sein, eine U23 aufzubauen, die mittelfristig in der Landesliga spielen kann." Die zweite Mannschaft soll also möglichst schnell erst einmal hoch in die Bezirksliga.
Ist die Vision eines FC Oberlausitz in der vierten Liga ad acta gelegt?
Keinesfalls. Ernst Lieb hatte vor einigen Jahren ja mit der Idee für Aufsehen gesorgt, für dieses Ziel nach Löbau gehen zu wollen. "Wenn man strategisch denkt, muss es das Ziel sein, noch mal nach oben zu gehen. Das gibt unser Neugersdorfer Stadion aber nicht mehr her. Löbau ist wegen der zentralen Lage interessant, aber auch Zittau hätte mit der Weinau ein geeignetes Stadion", erklärt Lieb, der auch nicht verhehlt. dass er sich deutlich mehr Zuschauer als im Schnitt vielleicht 200 wünscht. Diese Idee sei zwar nach wie vor in seinem Kopf. Ab und zu würde auch ein Gespräch geführt, aber das alles sei Zukunftsmusik. "Erst einmal wollen wir uns in der Oberliga stabilisieren und sehen, wo die Reise hingeht. Wenn sportlich etwas geht, kann man ja immer noch mal nachdenken."
  
Sächsische Zeitung vom 22.01.2013

Wir haben keinen Aufstiegsdruck

Die Fußballer des FCO Neugersdorf gehen als Sachsenliga-Tabellenführer in die Rückrunde. Trainer Manfred Weidner über die Vorbereitung, eine Veränderung im Kader und die Konkurrenz
Von Frank Thümmler
Herr Weidner, wird die Sachsenliga-Meisterschaft im Winter entschieden? Im Februar warten zwei Nachholespiele und das Spiel beim Tabellenzweiten Kamenz.
Natürlich nicht. Ich glaube, dass die Meisterschaftsentscheidung am letzten Spieltag fällt. Die ganze Liga ist sehr ausgeglichen. Kamenz, RB Leipzig II, FSV Zwickau II und vielleicht auch Görlitz werden ein Vorteilen mitreden. Aber die Spiele im Winter sind schon wichtig. Technik und taktische Dinge spielen da eine kleinere Rolle. Spielstarke Mannscharten sind nicht unbedingt im Vorteil. Im Winter braucht man unbedingt alle Tugenden, vor allem aber viel Kampf.

Bereiten Sie Ihre Mannschaft speziell darauf vor? Lassen Sie zum Beispiel viel Standards üben, die oft solche Spiele entscheiden?
Standards sind im Wintertraining schlecht. Die Spieler müssen wegen der Temperaturen immer in Bewegung bleiben. Es wird viel im läuferischen Bereich getan, wegen der schwierigen Bodenverhältnisse mit relativ einfachen Übungsformen.

Bereitet Ihnen die relativ kurze Vorbereitungszeit Sorgen, schließlich geht es schon am 9. Februar los?
Nein, das ist kein Problem. Wir haben am 9. Januar mit dem Training begonnen, haben in Jablonec bei guten Bedingungen gespielt (3:0 gegen FK Jablonec II./Red.) und fahren heute ins Trainingslager nach Wesendorf bei Wolfsburg. Dort werden wir noch einmal viel für die Grundlagenausdauer und das Teambuilding tun und vier Vorbereitungsspiele absolvieren. Nach dem Trainingslager folgen noch einmal zwei. Das muss reichen.

Angesichts der relativ kurzen Vorbereitungszeit - sind alle fit aus dem Weihnachtsurlaub gekommen?
Fußballer sind individuell leider nicht immer die Fleißigsten. Diejenigen, die da Probleme haben, müssen eben jetzt ein paar Schritte mehr tun. Aber ich bin da optimistisch. Wir haben alle Spieler an Bord. Auch Stefan Fröhlich, der sich nach seiner Knie-OP langsam wieder herankämpft.

Die Meisterschaftskonkurrenten rüsten teilweise auf - auch der FCO Neugersdorf?
Nein. die Mannschart bleibt im We-sentlichen zusammen. Es gibt nur einen Tausch. Patrick Maiwald wechselt für ein halbes Jahr zu Budissa Bautzen II, um dort Spielpraxis zu sammeln. Dafür kommt der 30-jährige Tscheche Jaroslav Dittrich, der im Mittelfeld und Angriff spielen kann.

Nehmen Sie in Neugersdorf jetzt, nach elf Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen in der Hinrunde, mit zwei Punkten Vorsprung auf Kamenz aber mindestens sieben auf alle ande-ren, das Wort Aufstieg in den Mund?
Das müssen wir nicht. Wir haben da überhaupt keinen Druck. Und die Sachsenliga ist so stark und kompakt, dass wir viel Respekt vor jedem Gegner haben. Kleine Dinge werden entscheiden - in vielen Partien. Aber wir werden alles dafür tun, die jetzige Tabellenposition bis zum Saisonende beizubehalten.

Reicht eine Wiederholung der Hinrunde?
Natürlich wollen wir ähnlich erfolgreich spielen. Man darf aber nicht vergessen, dass wir mit den Spielen gegen Görlitz und in Döbeln völlig unzufrieden waren, gegen Kamenz zum damaligen Zeitpunkt verdient verloren haben und einige Spiele auch recht knapp gewonnen haben. Es wird also alles andere als leicht.

Ist die Oberliga überhaupt interessant - höhere Kosten, weitere Fahrten, weniger Derbys?
Darüber machen wir uns erst Gedanken wenn es so weit ist.
  
Sächsische Zeitung vom 06.08.2012

"Dem guten Gefühl müssen jetzt Punkte folgen"

Manfred Weidner, Trainer des FCO Neugersdorf, zu den Aussichten für die neue Saison und den Chancen der jungen Spieler.
Von Frank Thümmler
Herr Weidner, Sie haben mit Ihrer Mannschaft die Qualen der Vorbereitung hinter sich. Mit welchem Gefühl starten Sie in die neue Saison?
Wir haben in der Vorbereitung insgesamt 30 Spieler eingesetzt, viel gegen höher-und auch unterklassige Mannschaften gespielt, teilweise mit guten Leistungen. Zum Teil war es auch nicht in Ordnung. Trotzdem ist ein gutes Gefühl vorhanden. Auch der letzte Test gegen Torgelow, den wir etwas unglücklich 0:1 verloren haben, war in Ordnung. Insgesamt muss man sagen. dass die Vorbereitung gut war. Jetzt wird es aber ernst. Und der Punktspielalltag ist etwas anderes. Sie haben die Mannschaft ja erst zu Beginn dieses Jahres übernommen. Kann man einen Vergleich zur Rückrundenmannschaft des FCO der vergangenen Saison ziehen?
Wir haben jetzt ganz andere Fußballer und vor allem Spielerpersönlichkeiten. Sportlich passt alles sehr gut, auch menschlich funktioniert die Truppe. Als Trainer bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Es fällt auf. dass sich der FCO gerade in der Abwehr Erfahrung eingekauft hat.
Eingekauft ist das falsche Wort. Wir sollten besser sagen, wir haben sie geholt oder sie sind zu uns gekommen. Aber diese Erfahrung, die Stefan Fröhlich und auch die tschechischen Spieler ausstrahlen, wirkt sich positiv aus. Auch die jungen Spieler reagieren auf dem Platz ganz anders, wenn diese Spieler dabei sind, als wenn sie allein aufsich gestellt sind. Sie werden geführt und bekommen Unterstützung. Auch die jungen Spieler machen ihre Sache in diesem Umfeld gut. Aber noch einmal, all diese positiven Bewertungen müssen jetzt mit Punkten untermauert werden. Haben Sie die Stammelf schon im Kopf?
Ja, die erste Elf steht im Großen und Ganzen. Auch wenn zwei, drei Positionen noch hart umkämpft sind und sich auch immer etwas nach der aktuellen Form entscheidet. Insgesamt kann man sagen. dass alle Spieler in der Vorbereitung die Erwartungen erfüllt haben. Natürlich kann man immer etwas verbessern, vor allem an der Kommunikation. Als Sie angetreten sind. hieß es. dass mehr junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an die Mannschaft herangeführt werden sollen. Gelingt das?
Immerhin sind vier ehemalige A-Junioren der vergangenen Saison in den Kader der ersten Mannschaft aufgerückt. Mit Barta, Hess, Subrt und Temel stehen vier aktuelle A-Junioren im erweiterten Kader. Natürlich ist der Sprung zur Männer-Landesliga groß. Aber mit Dalibor Subrt, der in allen Vorbereitungspielen mitgespielt und auch zwei Tore erzielt hat, und Klemens Alschner, der zurzeit aber angeschlagen ist, haben zwei Spieler schon einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Und wir haben mit jungen Spielern zum Beispiel in Heidenau den Ausgleich geschafft und andere Testspiele positiv bestritten. Trotzdem: Jugendwahn werden Sie sicher nicht betreiben?
Nein, darum geht es nicht. Wir wollen die jungen Spieler nach und nach in die Mannschaft hineinwachsen lassen. Die Integration geht nur schrittweise und bei jedem Spieler unterschiedlich schnell. In der Mannschaft muss es eine gute Mischung aus erfahrenen alteren und den jungen Spielern geben. Das hat auch die Vorbereitung gezeigt. Wofür wird es in dieser Saison Ihrer Meinung nach reichen?
Das ist ganz schwer einzuschätzen, weil sich einige Mannschaften auch enorm verstärkt haben. Es gibt viele Favoriten, zu denen ich Kamenz, die Reserve von RB Leipzig, den Absteiger Borea Dresden und auch Görlitz, das sich gut verstärkt hat, zähle. Das wird jedenfalls eine interessante Landesliga mit vielen spannenden Derbys. Mit welchem Platz wären Sie am Ende zufrieden?
Wir wollen in der Meisterschaft vom mitspielen und im Pokal ein Wörtchen mitreden. Reporter können penetrant sein: Vorn mitspielen bedeutet welchen Platz?
Von mir werden Sie nichts anderes hören. Wozu es am Ende in der Ta­belle reicht, wird man sehen. Der FCO hat zuletzt den Saisonstart immer wieder verpatzt. Am Sonnabend geht es nach Radebeul.
Wir wollen diesen Rucksack der schlechten Saisonstarts diesmal abwerfen und in Radebeul sofort positiv starten. Aber das ist eine schwer zu bespielende, kampfstarke Mannschaft mit erfahrenen Spielern wie Neubert oder Dörner. Und der Kunstrasen ist für uns nach dieser Vorbereitung noch ungewohnt.
 
Sächsische Zeitung vom 17.07.2012

Der FC Oberlausitz richtet sich neu aus


Ganz erfahrene Spieler sollen vor allem die Neugersdorfer Abwehr stärken. Die Oberländer gehen mit Trainer Manfred Weidner und ohne Thomas Hentschel in die neue Runde.
Von Marcel Pochanke
Die Neuen beim FC Oberlausitz Neugersdorf
hinten: Stefan Fröhlich, Karl Petrick (beide von Budissa Bautzen), Patrick Melka (eigene A-Junioren), Jan Flachbart (Bohemians Praha), Pavel Lukáš (Bohemians 1950), Jirí Liška (Slovan Liberec)
vorn: Klemens Alschner, Danny Donath (beide A-Jun.), Markus Poley (Spitzkunnersdorf), Kevin Schubert (A-Jun.), Jirí Šisler (Bohemians Praha)

Vieles soll anders werden beim FC Oberlausitz. Allen voran natürlich die Ergebnisse nach einem enttäuschenden elften Platz und 39 Punkten in der abgelaufen Spielzeit. Dazu einigten sich Präsident Ernst Lieb und das Trainergespann um Manfred Weidner auf eine strategische Neuausrichtung. Die Zahl der tschechischen Vertragsspieler verändert sich nach dem Fortgang von Kolan, Kovarík, Rozmajzl, Širanec und Beneš kaum, das Nachbarland bleibt die wichtigste Quelle guter und bezahlbarer Spieler für die Oberländer. Allerdings setzten die Verantwortlichen bewusst auf sehr gestandene Kicker, Spielmacher Jirí Šisler ist mit seinen 27 Jahren gewissermaßen das Kücken unter den Neuen und der einzige mit explizit offensiver Ausrichtung. Die übrigen haben ihre Qualität zu allererst in der Defensive. Damit reagiert Neugersdorf auf die viel zu hohe Zahl der Gegentore in der vergangenen Saison, die Ernst Lieb als wichtigsten Grund für das zuletzt mäßige Abschneiden anführt. Nicht gerüttelt wird an Trainer Manfred Weidner, der zur Winterpause für viele überraschend den Posten von Christian Beiger übernahm. Belger hatte in der Hinrunde immerhin 23 Punkte geholt, unter Weidner verlor der FCO neun seiner 15 Spiele und fuhr nur 16 Zähler ein. Allerdings hatte man den Aufstieg im Winter bereits abgehakt und Weidner versuchte, junge Spieler zu integrieren und vermehrt in der Landesliga einzusetzen. Diese sollen nun vor allem von den erfahrenen Neuzugängen, "Fußballern mit Leib und Seele," schwärmt Weidner, geführt werden, um endlich wieder zu den Spitzenmannschaften der Liga zu gehören. Das bleibt der erklärte Anspruch der Neugersdorfer.
Fehlen wird dabei Angreifer Thomas Hentschel, dessen Wechselabsichten (geht zu Neusalza-Spremberg) die sportliche Führung unerwartet trafen. "Den hätten wir mit seiner unkomplizierten Spielweise gern behalten," bedauert Weidner. Dabei bleiben dem FCO mit Höer und Grubhoffer zwei hochkarätige Angreifer erhalten.
Die wichtigsten Neuzugänge:

Stefan Fröhlich (34): Er kehrt von Budissa Bautzen an seine frühere Wirkungsstätte zurück und soll die rechte Abwehrseite stabilisieren. Zudem kann er eine Mannschaft führen: "Er denkt wie ein Trainer," sagt sein Trainer Manfred Weidner über ihn. Er ist einer der großen Hoffnungsträger beim FCO.
Jan Flachbart (34): Der Linksfuß soll das Gegenstück zu Stefan Fröhlich bilden. Für Sankt Petersburg und seinen letzten Verein Bohemians Prag lief er je zwölfmal in der Champions League und der Europaliga auf. Auch er soll neben seiner Zweikampfstärke seinen positiven Charakter in die Waagschale werfen.
Jiří Šisler (27): Der Mann aus Prag ist ein klassischer Zehner: Technisch beschlagen, spielstark. Er wird künftig die Fäden im Neugersdorfer Mittelfeld ziehen.
Karl Petrick (2l): Der junge Verteidiger kommt aus Bautzen und soll länger in der Oberlausitz gehalten werden. "Er bringt Herz und Leidenschaft mit und passt menschlich hier her," attestiert ihm Manfred Weidner.
Jiří Liška (30): Beim tschechischen Meister Slovan Liberec hatte Liska sechs Jahre lang als Ergänzungsspieler im Kader gestander In Neugersdorf schätzen sie seine Kampf- und Laufstärke.
Pavel Lukáš (36): Ein weiterer Defensivmann. Er soll als zentraler Abwehrspieler die zuletzt unsichere Defensive leiten. Seine Vorzüge: Kopfball, Zweikampf, Besonnenheit.
Markus Poley (19): Der Torwart kam aus Spitzkunnersdorf und soll von den erfahrenen Zelenka (30) und Pöschmann (39) dazulernen.


(Altersangaben und falsche Schreibweise der tschechischen Namen wurden vom Webmaster korrigiert)
 
Oberlausitzer Kurier vom 07.01.2012

Der Präsident ist positiv verrückt.


Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich mit dem Präsidenten Ernst Lieb nicht nur über die Situation im Verein, sondern auch über gescheiterte Visionen und neue Ziele.
Für viele Außenstehende kam die Trainerentlassung sehr überraschend.
Es gab innerhalb der Mannschart eine ziemliche Unruhe. Wir hatten das Gefühl, dass die Zusammenarbeit so nicht mehr passt.

Es heißt: Christian Belger hat die Spieler mit seinen Worten nicht mehr erreicht.
Das kann ich so nicht sagen. Es gab aber immer wieder unterschiedliche Meinungen. Ein Trainer muss sagen, was gemacht wird und dafür müssen wir alles tun. Dieses Gefühl hatten wir nicht mehr.

Wie schwer fällt es dem Verein, so eine sportliche Entscheidung zu treffen?
Ich muss schauen, dass wir einen Grundstein haben, um im Verein vernünftig weiterzuarbeiten. Da muss unter anderem die Jugend und das gesamte Umfeld mit berücksichtigt werden.

Und rein menschlich?
Das ist schon schwer. Denn dahinter steht ein Arbeitsplatz für einen Menschen. Es tut immer weh, jemanden zu entlassen. Wer mich kennt, der weiß das. Ich hatte mit Herrn Belger ein gutes Verhältnis. Zwischen uns beiden gab es keine Spannungen.

Sie selbst hatten vor etwa sieben Jahren zu ihrem 50. Geburtstag die Vision, einmal mit dem FC Oberlausitz Negersdorf in einem schönen Löbauer Stadion in der 2. Bundesliga zu spielen. Wie denken Sie heute über Ihre damalige Euphorie?
Dieses Ziel lässt sich nicht verwirklichen.

Warum nicht?
Weil jeder Verein sein eigenes Süppchen kocht. Ich habe damals von einem gemeinsamen FC Oberlausitz mit Mannschaften im Unifeld gesprochen. Jeder hat aber offensichtlich das Gefühl, dass man ihm etwas wegnehmen will. Mir ging es vor allem darum, der Region etwas zu bieten.

Wann haben Sie sich denn von dieser Vision verabschiedet?
Als ich gemerkt haben, dass es mit dem Löbauer Stadion so nicht klappt und auch die Vereine im Umfeld bis auf Löbau selbst nicht bereit dazu waren

Zwischenzeitlich gab es zwischen dem FC Oberlausitz-Neugersdorf und Budissa Bau-tzen Kontakte, um vielleicht künftig als "starke Macht der Oberlausitz" mal oben angreifen zu können. Wie ist da heute der Stand?
Das ist immer "ein Thema, auch wenn es hier in der Region vielleicht gar nicht so gewollt ist. Aufgrund der Wege und Transporte der Jugendlichen ist es aber sehr schwierig, zusammenzuarbeiten.

Aus Fußballkreisen heißt es jedenfalls nach wie vor: "Ernst Lieb ist immer noch positiv verrückt."
Daran wird sich auch nichts ändern.

Wie drückt sich das in Ihrem gesamten Engagement für den Verein aus?
Es geht im Fußball nicht immer nur um Geld, sondern auch um Visionen, die man lebt. Wir haben sehr viel im Bereich der Jugendarbeit geleistet. Die B-Jugend spielt in der Landesliga. Die A-Jugend hat sechs Punkte Vorsprung in der Bezirksliga. Wir müssen weiter auf die Jugend setzen, um etwas aufzubauen, was über viele Jahre hält.

Wie unterscheidet sich denn Ihr heutiges finanzielles Egagement für den FC Oberlausitz-Neugersdorf gegenüber der "Blütezeit" vor einigen Jahren in der Amateuroberliga? "Buttern" Sie immer noch genauso viel Geld hinein?
Ohne persönliches Engagement geht es nicht. Der Verein ist heute aber wesentlich solider aufgebaut und aufgestellt. Wir müssen noch einen Rest für unseren Kunstrasenplatz abbezahlen. Ansonsten sind wir schuldenfrei.

Welches sportlich realistische Ziel schwebt Ihnen heute als Präsident mit dem FC Oberlausitz-Neugersdorf vor?
Ich will auf jeden Fall noch einmal in die Amateuroberliga. Daran werden wir auch arbeiten. Die Jugend muss dafür in den Mannerbereich integriert werden.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation des FC Oberlausitz-Neugersdorf bei einem noch ausstehenden Nachholspiel mit 23 Punkten und 26:21 Toren auf Platz sieben in der Tabelle der Fußball-Landesliga?
Wir sind bisher teilweise leichtfertig mit unseren Punkten umgegangen. Wir haben gegen Kamenz und Heidenau und ansonsten nur gegen die Tabellenletzten verloren. Wenn wir diese Punkte nicht liegengelassen hätten, würden wir viel besser dastehen. Die Mannschaft hat also ihr vorhandenes Potenzial nicht immer konsequent abgerufen

Was soll sich unter dem neuen Trainergespann Manfred Weidner, Ladislav Sonn und Faiko Thomas nun verändern?
Die ganze Trainingsintensität. Wir werden darauf achten, dass wir nicht fünfmal die Woche trainieren. Die Einheiten, die die Spieler absolvieren, werden so sein, dass man sie hinterher auch spürt.

Wird es noch einmal Verstärkungen für die Rückrunde geben?
Die Mannschaft ist mit 21 Spielern so stark wie kaum eine andere. Es kommt nur noch jemand dazu, falls jemand weggehen sollte.

Abschließende Frage, denken Sie eigentlich mit 57 Jahren schon manchmal an Ihren Ruhestand?
Was ist das? Ich kenne das Wort Ruhestand nicht. Damit habe ich diese Frage beantwortet. Nein aber im Ernst: Ich bin nach wie vor voller Tatendrang. Ich wünsche mir nichts mehr, als geschäftlich mit der Firma und sportlich mit dem Verein, erfolgreich zu sein.
 
Sächsische Zeitung vom 03.01.2012

Neugersdorf schreibt den Aufstieg ab


Der Verein trennt sich von Trainer Christian Beiger und löst ihn durch den A-Jugend-Coach Manfred Weidner ab. Das bedeutet einen Strategiewechsel. Von Frank Thümmler
Diese Meldung des FC Oberlausitz Neugersdorf überraschte zwischen Weihnachten und Neujahr: "Nach Vorstandsbeschluss übernehmen in der Landesliga-Rückrunde das Trainergespann Manfred Weidner und Ladislav Sorm sowie Falko Thomas als Co-Trainer und Tomáš Bárta als Torwart-Trainer die Geschicke der ersten Männermannschaft" hieß es offiziell. Sie bedeutet das Aus für Christian Belger als FCO-Trainer, der gestern am Telefon sagte, selbst von dieser Entwicklung überrascht worden zu sein. Heute soll in einem Gespräch geklärt werden, ob Beiger noch sportlicher Leiter beim FCO bleibt. Der Ex-Trainer hatte sich in einem SZ-Gespräch Mitte Dezember optimistisch gezeigt, das Saisonziel Platz drei noch erreichen zu können. Dieser Platz könnte sogar zum Aufstieg reichen, weil die Regionalligen umstrukturiert werden und es deshalb mehr Aufsteiger in die Oberliga geben wird. Sieben Punkte Rückstand gegenüber diesem dritten Platz haben die Neugersdorsfer im Moment, und ausgerechnet gegen den Tabellendritten Kamenz steht am 18. Februar auch das einzige Nachholespiel an. Ein Sieg, und es wären nur noch vier Punkte ...
Aber beim FCO glaubt offensichtlich niemand mehr daran. "Wir sind im Vorstand zu der Überzeugung gekommen, dass das Schiff in Sachen Aufstieg ohne uns abgefahren ist", sagt Präsident Ernst Lieb. Außerdem gebe es Unruhe in der Mannschaft, Mannschaft und Trainer hätten sich nicht so gut verstanden. Es gab zwar zwischendurch eine gute Serie, aber am Ende habe man wieder verloren. Vor allem würden acht Punkte aus den Spielen gegen die drei Tabellenletzten fehlen. "Ich kann mich zwar nicht beklagen über die Zusammenarbeit mit Christian Belger, aber angesichts der Entwicklung gab es doch Unzufriedenheit im Vorstand und Präsidium", sagt Lieb, und: "Jetzt setzen wir kontinuierlich auf unsere eigene Jugend."
Das ist ein klarer Strategiewechsel. Der FCO hatte zwar in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, eigene Talente in die Mannschaft einzubauen, andererseits aber auch gestandene Spieler verpflichtet, um höhere Ziele anzugehen. Jetzt übernehmen mit Manfred Weidner und Ladislav Sorm die Trainer der A-Junioren-Mannschaft das Landesligateam.
"Wir wissen, dass das für die A-Jugendlichen ein großer Sprung ist. Der ältere Jahrgang soll künftig gemeinsam mit den Männern trainieren. Wir wollen sie langsam an das hohe Niveau der Landesliga heranführen, und einige Talente werden auch Einsatzzeiten in der Männermannschaft bekommen", kündigt Lieb an. Auch das nachfolgende B-Junioren-Team sei gespickt mit weiteren, vielversprechenden Talenten, die mit Fleiß und Einsatzbereitschaft eine Chance haben, mittelfristig im Landesligateam Fuß zu fassen. Einige der bisherigen Stammspieler werden also um ihre Einsätze fürchten müssen, und alles klingt danach, als wolle man sich in Neugersdorf von einigen (auch relativ teuren) Spielern verabschieden. Präsident Ernst Lieb bestreitet das: "Wenn jemand gehen will, dann müssen wir darüber reden. Wir wollen von uns aus aber keinen Spieler abgeben."
Der Trainingsstart in das neue Jahr wird eine reichliche Woche nach vorn gezogen. Die Mannschaft trainiert bereits heute zum ersten Mal. Auch eine Gelegenheit für Trainer und Mannschaft, sich genauer kennenzulernen. Der 49-jährige Manfred Weidner stammt aus Seifhennersdorf, hat zu DDR-Liga-Zeiten bei Robur, später beim VfB Zittau trainiert und war bisher Trainer im Nachwuchsbereich, bei den Männern in Hoyerswerda (zu Oberligazeiten) und auch bei Gelb-Weiß Görlitz. Er hat natürlich Spieler der Landesligaelf gesehen, schätzt das Team als "leistungsstark" ein, das aber lernen muss, "dieses hohe Niveau auch regelmäßig zu zeigen." Der erfahrene Trainer kündigt eine harte Vorbereitung an, in der die Grundlagen für eine erfolgreiche Rückrunde geschaffen werden sollen. "Jeder weiß, dass eine gute Fitness die Basis für den Erfolg ist, und das sie hilft, Verletzungen zu vermeiden. Und weil Quälen allein so schwierig ist, machen wir das eben im Verbund. Da fällt das allen leichter." Was er alles ändern wird, wollte Weidner, der gemeinsam mit Peter Berndt auch die A-Jungen weiter trainiert, gestern noch nicht sagen. Nur: "Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen."
So ganz heimlich schielen die Neugersdorfer vielleicht doch noch nach oben. Präsident Ernst Lieb jedenfalls sagt auch: "Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit 21 Spielern. Und wenn am Ende doch noch der dritte Platz herauskommt, hätte ich auch nichts dagegen."
  
Sächsische Zeitung vom 23.06.2011

Görlitz zufrieden, Neugersdorf nicht ganz

Beim FCO stimmt es im Sturm, dafür aber in der Abwehr nicht. In Görlitz ist es genau umgekehrt. Von Frank Thümmler
Die zwei Landesligisten des Landkreises haben sich bis zum letzten Spieltag einen harten Kampf um den inoffiziellen Titel des Kreismeisters geliefert - mit dem besseren Ende für Neugersdorf. Beide Mannschaften haben sich gegenüber dem Vorjahr m einen Platz verbessert und auf den ersten Blick ihr Saisonziel (Neugersdorf Platz eins bis vier, Görlitz Platz fünf bis acht) erfüllt. Trotzdem ist man in Görlitz etwas zufriedener. Das liegt wohl auch daran, dass man in Neugersdorf (zumindest inoffiziell) noch weiter nach oben geschielt hat. "Wir haben aber einen sehr schlechten Saisonstart erwischt und auch insgesamt eine unbefriedigende Hinrunde gespielt", sagt der FCO-Vereinschef Ernst Lieb. Tatsächlich hatten die Neugersdorfer nach nur einem Punkt aus den ersten vier Spielen erst einmal viel Mühe, überhaupt aus dem Tabellenkeller zu kommen. Das gelang erst mit einer kleinen Serie im Spätherbst. "Die Rückrunde war dann in Ordnung", befindet Lieb, wobei der Verein nach einer weiteren Negativserie von vier Spielen mit drei Niederlagen und nur einem Unentschieden (nach zuvor sechs Siegen in Folge) im März die Notbremse zog und sich von Dirk Havel als Trainer trennte. "Eigentlich hatten wir vor, mit ihm die Serie zu beenden. Aber dann reifte der Entschluss, einem neuen Trainer die Chance zu geben, die Mannschaft noch in der alten Saison kennen zu lernen", sagt Lieb.
Der Neue, Christian Belger, schaffte danach 23 Punkte aus zehn Spielen und ist von der Stimmung, der taktischen Disziplin und Laufbereitschaft seiner Mannschaft begeistert. Der Druck in der neuen Saison wird allerdings größer. "Wir wollen unter die ersten Drei. Und wenn wegen der Strukturreform in der Regionalliga tatsächlich mehrere Mannschaften aufsteigen, wollen wir dazugehören", sagt Ernst Lieb.
Der Kader wird teilweise umgebaut. Abwehrchef Marco Förster wird wegen Rückenproblemen den Verein verlassen, eventuell sogar seine Laufbahn beenden müssen. Der ausgeliehene Harry Pufal kehrt zurück in seine westdeutsche Heimat, Verteidiger Mirko Albert wechselt nach Zittau, Falko Thomas auf die Co-Trainer-Position. Dafür kommen nach jetzigem Stand ausschließlich junge Leute; Stürmer Philip Heineccius (23) und Verteidiger Philipp Schmidt (23) vom TSV Stahl Riesa, Stürmer Patrick Maiwald von Budissa Bautzen (war nach Kamenz ausgeliehen), Mittelfeldspieler (23) aus Pößneck und Linksfuß (Verteidiger oder Mittelfeld) Sebastian von Nessen (21) aus Eschwege und der Ex-NFV-Stürmer Tobias Eberiein (22) aus Görlitz-Rauschwalde. Mit zwei, drei weiteren Kandidaten ist Trainer Belger im Gespräch. Sie alle einzubinden wird keine leichte Aufgabe. Trotzdem: "Diesmal muss der Saisonstart unbedingt gelingen", sagt der Trainer.

 
Sächsische Zeitung vom 24.03.2011

FC Oberlausitz trennt sich von Trainer Havel

Der FC Oberlausitz hat sich gestern von Trainer Dirk Havel getrennt. Ursache ist die letzte Negativserie mit nur einem Unentschieden und drei Niederlagen in vier Spielen. "Wir hatten uns vorgestellt, dass wir erfolgreicher weiterspielen. Wir waren ja nach fünf Siegen in Folge schon einmal auf fünf Punkte ran an der Tabellenspitze", begründet Ernst Lieb, der Präsident des FC Oberlausitz. Bei den Niederlagen gegen Görlitz und Heidenau habe dann auch der Antrieb gefehlt. Dirk Havel bleibt aber bis zum 30. Juni sportlicher Leiter. "Wir hätten mit ihm auch die Saison zu Ende bringen können, aber wir wollten dem neuen Trainer die Chance geben, die Mannschaft schon vor der neuen Saison besser kennenzulernen."
Der neue Trainer heißt Christian Belger. Der 34-Jährige hatte bei seiner ersten Erwachsenen-Trainerstation in See große Erfolge gefeiert, die Mannschaft in die Bezirksliga und zum Bezirkspokalsieg geführt. Im Nachwuchsbereich war er bei 1860 München und der TSG Hoffenheim tätig. Beiger, der heute erstmals das Training leitet, will die günstige Situation (nur ein Spiel in drei Wochen) nutzen, um erste Veränderungen vorzunehmen. Er kennt das Team schon, hat den FCO sieben Mal beobachtet. (fth)
Belger

Oberlausitzer Kurier vom 19.02.2011

Neugersdorfer Kicker starten eine Serie.


Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich mit Trainer Dirk Havel.
An was liegt es, dass es plötzlich wie am Schnürchen läuft?
Das kommt nicht ganz plötzlich. Es ging im vergangenen Jahr schon los. Die Ansätze waren da schon zu sehen. Jetzt spielen wir sehr konstant. Es passt alles. Wir haben uns sehr gut auf die Rückrunde vorbereitet.

Macht die Mannschaft jetzt so viel anders als vorher, als es nicht lief?
So viel nicht. Wir haben jetzt halt einen kleinen Lauf, nachdem wir zuvor auch viel Lehrgeld bezahlt haben. Wir haben noch einmal Dinge angesprochen, die uns nicht passieren dürfen.

Zum Beispiel?
Wir müssen uns über 90 Minuten konzentrieren und unsere individuellen Fehler abstellen. Inklusive dem Pokalspiel haben wir auch zu viele Gegentore kassiert und es den Gegnern oft zu leicht gemacht.

Aber wenn es einmal läuft, kommt sicher auch das Quäntchen Glück dazu?
Das ist so. Ganz klar. Ich kann mich in den letzten fünf Spielen kaum an zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen erinnern. Das ist eben so im Fußball. Das Glück müssen wir uns aber erarbeiten.

Wie wirkt sich diese Erfolgsserie auf die Stimmung in der Mannschaft aus?
Wir befinden uns nach wie vor in einem Prozess, haben vor der Saison neue Spieler eingebaut. Im Erfolg wächst die Mannschaft natürlich leichter zusammen.

Jetzt steht der FC Oberlausitz Neugersdorf mit 28 Punkten und 27:22 Toren auf Platz fünf in der Tabelle, nur noch sieben Punkte hinter Spitzenreiter Fortuna Chemnitz. Geht danach etwas nach oben?
Darüber können wir uns vielleicht im März unterhalten. Denn vor uns liegen jetzt noch wichtige Aufgaben.

Inwieweit trauern Sie gerade in so einer erfolgreichen Phase dem schlechten Auftakt der Saison hinterher? Denn dann wäre von der Platzierung her jetzt sicher noch mehr drin gewesen.
Überhaupt nicht mehr. Wir haben das ausgewertet und abgehakt. Im Fußball gehört auch eine gewisse Kontinuität dazu. Man muss der Mannschaft auch mal ein bisschen Zeit geben, um zusammenzuwachsen. Ich bin tagtäglich mit den Spielern zusammen, sehe, wie innerhalb der Gruppe sich Sachen entwickeln.

Sie sind nun schon jahrelang als Trainer tätig. Wie meistern Sie diese sportlichen Höhen und Tiefen, die manchmal auch so eng beieinander liegen?
Wir haben in der Hinrunde in vielen Spielen Punkte völlig unnötig liegen gelassen. Da dauert es bei mir schon mal einen Tag, bis ich das verarbeitet habe. Ich sehe mir dann Montag das Spiel vom Wochenende noch einmal auf Video an und werte es mit der Mannschaft ordentlich aus, um daraus zu lernen.

Wenn es die Witterungs- und Platzverhältnisse zulassen, gastiert der FC Oberlausitz Neugersdorf am Samstag, 19. Februar, beim Radebeuler BC. Fährt Ihre Mannschaft dort den nächsten Dreierpack ein?
Wir sind heiß darauf, möchten unsere Serie in Radebeul fortsetzen.
 
Oberlausitzer Kurier vom 14.08.2010

Die Mannschaft hat jetzt mehr Qualität.

Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich mit Trainer Dirk Havel.
Was für ein Gefühl haben Sie nach den bisherigen Spielen in der Vorbereitung für den "scharfen" Auftakt?
Ein gutes. Denn wir haben wieder ein paar neue Spieler dazubekommen. Die Mannschaft muss sich natürlich finden, einspielen und gewisse Automathismen festigen. Die Zeit in der Vorbereitung war allerdings relativ kurz, um das Team zu formen. Wir werden erst richtig wissen, wo wir stehen, wenn es losgeht.

Gibt es in den verbleibenden Tagen vor dem Saisonstart so etwas wie einen letzten Femschliff?
Wir haben uns auf das Pokalspiel an diesem Wochenende gegen Kamenz vorbereitet. Das ist gleich ein richtiger "Hammer". Die letzte Woche nutzen wir noch einmal, um an der Schnelligkeit und Spritzigkeit zu arbeiten.

Ist die Reserve des VFC Planen als Aufsteiger und zweite Vertretung eines Regionalligisten ein eher unangenehmer Auftaktgegner?
Auf jeden Fall. Wir müssen ganz konzentriert in das Spiel gehen. Bei Aufsteigern herrscht zum Auftakt in der Regel eine gewisse Euphorie. Die zweite Vertretung des VFC Plauen will sich im ersten Heimspiel gleich beweisen. Deshalb ist es schon eine komplizierte Aufgabe. Wir haben das in der Liga schon mit Dynamo Dresden II und dem Chemnitzer FC II als Aufsteiger erlebt.

Wie wichtig ist denn ein erfolgreicher Start?
Sehr wichtig, wenn wir eine gute Saison spielen wollen. Wenn der Auftakt misslingt, brauchen wir ewig, um von hinten oder aus dem Mittelfeld wieder herauszukommen. Glück gehört natürlich auch ein bisschen dazu. In erster Linie liegt es aber an uns selbst.

Beim FC Oberlausitz Neugersdorf ist fast die halbe Mannschaft ausgetauscht worden. Inwieweit hat sich die Truppe schon gefunden?
Wir haben gute Spieler geholt, was die fußballerische Qualität angeht und auch vom Charakter her, sodass die Integration relativ zügig verlaufen ist. Es macht schon Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Die Jungen verstehen sich untereinander. Jetzt müssen wir an den fußballerischen Dingen arbeiten, sodass jeder auf dem Spielfeld weiß, was er zu tun und zu lassen hat.

War denn wirklich so ein Handlungsbedarf vorhanden, um die Mannschaft vom Gesicht her so zu verändern?
Was wir im Winter vergangene Saison getan haben, als wir fünf Spieler - auch aus dem Ausland - holten, funktionierte nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. In der Rückrunde holten wir trotzdem "nur" 26 Punkte. Deshalb wollten wir noch einmal etwas an der Struktur verändern - auch mit deutschen Spielern wie zum Beispiel Marco Förster und Stefan Höer. Ich denke schon, dass das notwendig war.

Hat der FC Oberlausitz Neugersdorf durch die Spielerwechsel mehr Qualität als in der vergangenen Saison?
Die spielerische Qualität und die Harmonie sind auf jeden Fall besser. Wir sind mit dieser Mannschaft in der Lage, besseren Fußball zu spielen.

Inwieweit müssen Sie sich als Trainer darauf einstellen, mit neuen Spielern zu arbeiten?
Als Trainer arbeite ich schon gern kontinuierlich. Es ist für mich im Prinzip auch immer wieder wie ein Neuanfang. Ich muss den neuen Spielern immer wieder meine Philosophie vermitteln, die Mannschaft formen und ausrichten.

Verliert durch solche "Rundumschläge" der Nachwuchs an Bedeutung?
Absolut nicht. Zumindest nicht in den Köpfen der Verantwortlichen. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Talente herausgebracht. Es ist natürlich schon noch einmal ein Sprung von der A-Jugend in der Landesliga in den Männerbereich.

Für den Nachwuchs ist es doch aber schwer, sich durchzusetzen, wenn gestandene Spieler geholt werden.
Für die Talente ist es aber auch ein Vorteil, an der Seite von erfahrenen Akteuren zu wachsen und in einer intakten Mannschaft mit einer hohen Qualität zu spielen. Wer sich da durchsetzt, hat die Chance, weiter oben zu spielen.

Sie selbst sind jetzt schon über fünf Jahre Trainer beim FC Oberlausitz Neugersdorf. Es wird also nie langweilig?
Es ist interessant und schön, mit den Jungen zu arbeiten. Ich bin auch in einer guten Situation, wenn ich Spieler mit einer gewissen Qualität dazu holen kann

Können Sie sich einmal vorstellen, der Rehagel von Neugersdorf zu werden?
Im fünften Jahr ist ein Trainer in der Regel schon über dem "Verfallsdatum". Es gibt ja aber auch die Ausnahmen. Die Rahmenbedingungen bei uns sind sehr ordentlich.

Welche Zielstellung strebt der FC Oberlausitz Neugersdorf nun in der kommenden Saison an?
Wir gehören sicher nicht in die sechste Liga. Um höhere Ziele anzustreben, gehören aber eben ein guter Start, ein bisschen Glück und wie schnell die Mannschaft in ihrer Spielweise perfekt wird sowie die Gegner dazu. In dieser Saison dürfte Markranstädt der Liga-Krösus sein, wenn ich mir diesen Kader ansehe. Wir schauen auf jeden Fall nach oben, wollen uns verbessern

Ist denn im Falle eines Aufstiegs die Amateuroberliga wirklich so unattraktiv? Solche Spiele wie zum Beispiel Borea Dresden gegen VfB Pößneck fanden doch in der Vergangenheit nur vor einer Handvoll Zuschauem statt.
Das ist sicher generell ein Problem. Jeder kann sich im Femsehen fast rund um die Uhr Fußball ansehen. Es ist relativ kompliziert, die Menschen ins Stadion zu locken.

In Neugersdorf sind die Ränge auch nicht gerade gut gefüllt. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Das hängt sicher auch mit ein paar gesellschaftlichen Dingen zusammen. Mit der Leistung der Mannschaft hat das relativ wenig zu tun. Bei uns kamen in einer Oberligasaison zum Spitzenspiel gegen den VFC Plauen nur wenige Zuschauer. Vielleicht spielt auch die Bevölkerungsstruktur eine Rolle. Die älteren Fans zählen halt zum Stamm der Zuschauer.

Trotzdem wäre die Amateuroberliga künftig wieder mal ein lohnendes Ziel?
Wir wollen dorthin. Wenn hier leistungsorientierter Fußball gespielt werden soll, gibt es wohl nur den Weg, dies mit anderen zusammen zu tun, um vielleicht noch eine Liga höher schauen zu können.

Da käme ja wohl nur Budissa Bautzen in Frage.
Zum Beispiel. Zusammen wäre das schon eine geballte Kraft.

Gibt es solche Überlegungen?
Diese Überlegungen stecken noch in den Kinderschuhen. Wir brauchen aber solche Visionen, wenn wir vorankommen wollen.
 
Sächsische Zeitung vom 12.08.2010

Der FC Oberlausitz strebt nach oben

Vorn mitspielen ist das Ziel des FC Oberlausitz in der neuen Landesligasaison. "Das heißt, die Vorjahres-Platzierung (Fünfter) zu verbesern", erklärt Trainer Dirk Havel. Damit das gelingt, haben die Neugersdorfer noch einmal Mittel freigegeben und sich auf dem Transfermnarkt namhaft verstärkt. Von richtiger Qualität, guten Charakteren und der richtigen Mischung" schwärmt der FCO-Coach, dem man die Vorfreude auf die neue Saison anmerkt. Und die heimliche Hofnung, am Ende der Runde ganz oben zu stehen. Nachdem der FCO im Winter sechs polnische und tschechische Spieler geholt und sich im Sommer von ebenso vielen wieder getrennt hatte, setzten die Verantwortlichen nun auf deutsche Akteure: den erfahrenen Abwehrspieler Marco Förster, der aus Griechenland kam, den torgefährlichen Außen Martin Kolan aus Nordhausen und Angreifer Stefan Höer, den Havel von der Neiße an die Spree lockte. "Ein ganz großes Talent" sei er, vergleichbar mit Robert Koch, mittlerweile Profi in Dresden.
In den Vorbereitungsspielen haben zunächst andere Spieler aufhorchen lassen. Mittelfeldspieler Jan Kovařík, in der Rückrunde oft Reservist, zeigte konstant gute Leistungen, Tino Hensel überzeugte mit fünf Treffern. Er kämpft mit Mirko Albert um die Position des Rechtsverteidigers, links hinten liegen Erwin Herzog und Marc Stübner etwa auf Augenhöhe. Zentral sind Förster und Uhlig gesetzt, davor sind neben Kolan und Kovařík auch Max Fröhlich und Falko Thomas nah dran an der Startelf. Im Sturm verfügt Havel mit Höer, Hentschel und dem Neuzugang Grubhoffer über drei herausragende Spieler, die taktische Variationen erlauben.
Aber die Konkurrenz schläft nicht, und Vereine wie SSV Markkranstädt oder Einheit Kamenz kann Neugersdorf nur hinter sich lassen, wenn die Mannschaft vom Verletzungspech verschont bleibt. Denn die geringe Tiefe des Kaders kann zum echten Problem werden für die Oberländer, die noch einige Wochen brauchen werden, um sich richtig einzuspielen, aber in Bestbesetzung zum Favoritenkreis der Liga zählen.
Oberlausitzer Kurier vom 13.02.2010

Der FC Oberlauistz Neugersdorf rüstet auf.


Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich vor Beginn der Rückrunde 09/10 mit Trainer Dirk Havel.
Wo steht denn die Mannschaft sportlich nach der Vorbereitung?
Wir haben trotz der Witterungsbedingungen optimal trainieren können - sowohl im tiefen Schnee als auch teilweise auf freien Fußballplätzen. Wir sind für die Rückrunde also gut gerüstet.

Der FC Oberlausitz Neugersdorf hat sich in der Winterpause mit sechs neuen tschechischen und polnischen Spieler verstärkt. Wie schätzen Sie deren Qualität ein?
Alle sechs Neuzugänge - zwei Verteidiger, zwei Mittelfeldspieler und zwei Stürmer - können uns verstärken. Es sind gestandene Spieler, die schon höherklassig gespielt haben. Diese Qualität hilft uns sicher weiter. Ladislav Jamrich hat zum Beispiel mit Meuselwitz den Aufstieg in die Regionalliga geschafft.

Wie ist denn der Verein auf diese Spieler gekommen? Sind diese Kicker direkt beobachtet worden? Oder kommen die Neuzugänge auf Empfehlung?
Das ist auch über Spielerberater gelaufen. Wir haben die Spieler auch selbst beobachtet und im Training getestet.

Wie klappt das mit der Verständigung? Wird jetzt tschechisch, polnisch oder deutsch in der Kabine gesprochen?
Alles querbeet. Tomáš Bárta, unser Torwarttrainer und dritter Torhüter, spricht zum Beispiel perfekt tschechisch und deutsch. Auch die tschechisch-polnische Kommunikation klappt sehr gut. Im Notfall hilft uns noch die englische Sprache weiter.

Ist die Kommunikation in unterschiedlichen Sprachen ein Dauerzustand? Oder müssen die Spieler deutsch lernen?
Die Spieler müssen sich nach einem viertel bzw. halben Jahr zumindest auf dem Fußballplatz verständigen, was ich auch im taktischen Bereich umgesetzt haben will - und zwar in Deutsch. Auf dem Rasen sind die Kommandos sowieso relativ einfach.

In der Fußball-Landesliga hat der FC Oberlausitz Neugersdorf in den vergangenen zwei Jahren auf den Nachwuchs gesetzt. Ist dieses Konzept mit den Neuzugängen hinfällig?
Absolut nicht. Unser Ziel besteht darin, aus jedem A-Jugend-Jahrgang ein oder zwei Talente so auszubilden, dass sie das Zeug für die erste Mannschaft haben. Daran ändert sich auch nichts. Wir haben doch mit Jiroušek, Vagner und Hubený auch drei Spieler abgegeben. Der Nachwuchs erhält nach wie vor seine Chance. Wir haben in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet. Max Fröhlich hat zum Beispiel das Potenzial für noch mehr. Die jungen Spieler ziehen im Training mit und geben richtig Gas.

Trotzdem müssen nun bisherige Stammkräfte aufgrund der neuen Konkurrenz auf der Auswechselbank Platz nehmen.
Das ist aus meiner Sicht eine hervorragende Situation. Wir haben 16 gleichwertige Spieler. Unser Kader ist auf 25 Spieler angewachsen. Fünf sind aber auf lange Zeit verletzt.

Bundesligakrösus FC Bayern München hat gerade seinen Kader abgespeckt, weil es zu viele unzufriedene Spieler gab. Sehen Sie diese Gefahr auch?
Wir haben ja nicht 25 Spieler auf diesem Niveau. Mit den sechs Neuzugängen haben wir mehr Qualität und auch mehr Druck im Kader. Dadurch werden wir uns auch weiterentwickeln.

Bei so vielen Neuzugängen wächst natürlich der Erfolgsdruck. Welche Zielstellung steht denn nun am Ende der Saison?
Wir möchten natürlich jedes Spiel gewinnen. Das will sowohl der Präsident als auch ich. Das ist unser Ziel. Das ist in der Realität aber nicht umzusetzen. Denn das ist wohl noch keiner Mannschaft gelungen.

Sehen Sie noch Chancen, um in die Amateuroberliga aufzusteigen?
Zwölf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter sind natürlich eine Menge Holz. Im Fußball ist aber alles möglich. Die Landesliga ist oben relativ ausgeglichen, sodass die Mannschaften auch untereinander Punkte abgeben werden. Wir haben ein schweres Programm zum Auftakt. Wenn wir da gut durchkommen - vielleicht gleich mit einem Sieg in Chemnitz - sehe ich noch Chancen.
 
Sächsische Zeitung vom 31.07.2009

Der FC Oberlausitz startet mit einem jungen Team

Dirk Havel, Trainer des FC Oberlausitz, der das Team in der vergangenen Saison von einem Abstiegskandidaten zur Vizemeisterschaft gerührt hatte, ist vor der neuen Saison noch sehr vorsichtig mit seinen Aussagen: "Wir wissen im Moment noch nicht so richtig, wo wir stehen. Auch in der Vorbereitung lief einiges gut, andere Male war ich überhaupt nicht zufrieden." Die Unsicherheit des Trainers kommt nicht von ungefähr. Der Kader des Landesliga-Vizemeisters hat sich deutlich verändert. Abwehrstratege Oliver Göschick ist zum Oberligisten nach Gera gewechselt. Der 20-jährige Erwin Herzog könnte ihn ersetzen und mit dem auch erst 19-jährigen Max Fröhlich, der den Sprung in das Landesligateam am Ende der vergangenen Saison schon geschafft hatte, derzeit aber angeschlagen ist, in der Verteidigung spielen.
Ein namhafter Neuzugang
Im Mittelfeld fehlt der ausgebuffte Emil Nowakowski, der aber laut Havel durch den tschechischen Neuzugang Petr Jiroušek gleichwertig ersetzt werden konnte. Sorgenfalten bereitet dem Trainer dafür die schwere Knieverletzung (eventuell Kreuzbandriss) des erfahrenen Mittelfeldspielers Sebastian Uhlig, der längere Zeit ausfallen dürfte. Und in der Offensive fehlt Rafal Hübscher (in der vergangenen Saison 15 Tore), der den Verein verlassen hat und künftig in Görlitz spielen möchte. Beide Vereine verhandeln im Moment darüber, bestätigte Havel. Außerdem ist Ondrej Novotny, der erst im Winter nach Neugersdorf gewechselt war, wieder nach Tschechien zurückgegangen. In seinem Fall waren allerdings die Neugersdorfer nicht zufrieden. Als Neuzugänge stehen neben Jiroušek gleich acht Spieler der im vergangenen Jahr starken A-Junioren im neuen Kader. "Wir wollen versuchen, diese jungen Spieler schnell auf das Level der Männer-Landesliga zu bringen. Ich hoffe, dass das zwei, drei Spieler sehr schnell schaffen", sagt Havel.
Das Zeug dazu hätten diese Spieler, und ihren Willen, den Sprung zu schaffen, würden sie in jeder der vier Trainingseinheiten pro Woche beweisen.
Stürmer wird noch gesucht
"Trotzdem suchen wir noch einen neuen Stürmer", kündigt Havel an. An einen Ausfall von Torschützenkönig Thomas Hentschel dürfe man gar nicht denken. Man sei mit Kandidaten im Gespräch, aber unterschrieben ist noch nichts, und die Wechselfrist dauert noch bis zum 3l. August. Diese vielen Unsicherheiten bewegen Havel dazu, vor der Saison noch kein Saisonziel auszugeben, außer: "Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben." Der Saisonstart wird extrem wichtig. Mit dem Aufsteiger Chemnitzer FC II kommt am Sonnabend in einer Woche gleich ein gefährlicher Aufsteiger, mit vielen, ambitionierten Talenten. Dann geht es nach Pima, bevor der FCO mit Fortuna Chemnitz einen Meisterschaftsfavoriten empfängt "Die haben sich neben Kamenz und Görlitz aus meiner Sicht am besten verstärkt", sagt der FCO-Trainer.
Am Sonntag steigt das Lokaderby
Mit Görlitz kreuzen die Neugersdorfer schon am Sonntag (15 Uhr im Görlitzer Stadion Junge Welt) die Klingen - in der Ausscheidungsrunde des Sachsenpokals. Havel sieht sein Team da keinesfalls als Favorit - schließlich herrsche in Görlitz mit der Hundert-Jahr-Feier und dem Bayern-Spiel eine gewisse Euphorie, will aber im Pokal möglichst weit kommen. Das würde sich finanziell lohnen und es schwingt immer die Hoffnung auf den ganz großen Wurf - dem Gewinn des Pokals und ein Traumlos im DFB-Pokal des darauffolgenden Jahres - mit. Im vergangenen Jahr waren die Neugersdorfer schon nah dran, schieden im Viertelfinale äußerst knapp gegen den VFC Plauen aus. Zuletzt haben Görlitz und der FCO im Oberlausitzpokal gegeneinander gespielt (2:1). Aber da hat keiner die Karten aufgedeckt. Frank Thümmler
Sächsische Zeitung vom 07.07.2009

Der FCO baut nach der Supersaison keinen Druck auf das Team auf.

Am vergangenen Freitag ist der FC Oberlausitz in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet - als einer der Favoriten auf den Landesligatitel und den Aufstieg in die Oberliga. In diese Rolle haben sich die FCO-Kicker mit einer hervorragenden Saison 2008/09 gespielt, die die Neugersdorfer auf dem zweiten Platz hinter Dynamo Dresden II beendeten. Lange Zeit waren sie der einzige ernsthafte Verfolger der Dresdner, kassierten nur fünf Niederlagen, gewannen 17 Spiele und spielten achtmal Remis. "Das lief viel besser als erwartet. Vor der Saison hieß es nur, dass wir nicht erneut in Abstiegsbedrängnis kommen wollen. Am Ende fehlte gar nicht so viel zum ersten Platz", sagt Trainer Dirk Havel, der das Team auch in die neue Saison führt. Ursache für den Leistungssprung waren aus seiner Sicht die Neuverpflichtungen, vor allem aber die Konstanz der gestandenen Spieler und die Leistungsentwicklung einiger jüngerer Spieler wie Hentschel, Albert oder Hensel. Und die Mannschaft blieb von großen Verletzungssorgen verschont.
Nach ganz oben fehlte am Ende ein Quäntchen. Am meisten trauerten die Neugersdorfer der Niederlage am Grünen Tisch gegen FC Sachsen
Leipzig II und den beiden Heimspielunentschieden gegen Görlitz und Hohenstein Emstthal nach. Da steckte das Pokalaus in der Verlängerung gegen den VFC Flauen noch in den Beinen. Jetzt geht der Blick schon längst wieder voraus. Druck, jetzt aufsteigen zu müssen, will beim Vizemeister (mit sechs Punkten vor dem Dritten) niemand machen: "Wir wollen wieder vom mit dabei sein, aber auch junge Spieler aus der A-Jugend und der Reserve integrieren. Der Start in die Saison wird ganz wichtig sein", sagt Havel. Der Großteil der Mannschaft geht auch in die neue Serie. Nur Oliver Göschick ist wie angekündigt nach Gera gewechselt. Von Regisseur Emil Nowakowski hat sich der Verein getrennt, für den im Winter nachverpflichteten Ondrej Novotny hat es für einen neuen Vertrag nicht gereicht. Auf der anderen Seite sind die Neugersdorfer an einem Varnsdorfer Spieler dran und suchen außerdem noch einen Stürmer. In den ersten Vorbereitungsspielen dürften diese Spieler noch nicht dabei sein. Fünf Spiele und der Oberlausitz-Cup sind ab Sonnabend geplant. In dieser Woche wird erst einmal kräftig Kondition gebolzt.

Frank Thümmler
 
Sächsische Zeitung vom 29.05.2009

Der FCO hat das Aufstiegsrennen nicht aufgegeben.

Gespräch: Frank Thümmler
Herr Havel, glauben Sie noch an die Aufstiegschance? Ihre Mannschaft liegt zwei Spiele vor Schluss drei Punkte hinter der Dresdner Dynamo-Reserve.
Wir kämpfen, bis das letzte Spiel gespielt ist. Nichts wäre ärgerlicher, als wenn die Dresdner doch noch ausrutschen und wir das nicht nutzen. Außerdem haben wir mit den beiden Gegnern Kamenz am Sonnabend und Bannewitz noch eine Rechnung offen, haben in den Hinspielen Niederlagen kassiert.

Angesichts der nur drei Punkte Rückstand - tun da die drei Punkte Rückstand wegen des Sportgerichtsurteils vom Heimspiel gegen Sachsen Leipzig II nicht besonders weh?
Damals haben wir uns schon sehr geärgert. Aber wir müssen damit leben und im Rückblick sagen, dass wir die Punkte auch gegen andere Mannschaften, zum Beispiel zu Hause gegen Görlitz und Hohenstein, haben liegen lassen.

Geht der Blick schon voraus zur nächsten Saison?
Wir haben Gespräche mit den Spielern geführt. Oliver Göschick wird uns nach Gera verlassen, der Kern der Mannschaft bleiben. Wir wollen uns mit ein, zwei Spielern gezielt verstärken und gute A-Jugendliche aus dem eigenen Nachwuchs an die Mannschaft heranführen.

Und der Trainer, der aus einem Abstiegs- einen Aufstiegskandidaten gemacht hat?
Der Vertrag läuft zwar im Juni aus, aber ich plane die neue Saison mit und werde demnächst Gespräche führen.
Oberlausitzer Kurier vom 04.04.2009

"Wir können für eine Überraschung sorgen."


Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich vor dem Pokalviertelfinale gegen den VFC Plauen mit Trainer Dirk Havel.
Ist dieses Pokalspiel für Ihre Mannschaft so eine Art Spiel des Jahres?
So hoch würde ich es nicht anbinden. Erst einmal konzentrieren wir uns auf die Meisterschaft. Das Pokalspiel gegen den VFC Flauen ist aber sicher ein Highlight für uns.

Was ist gegen die zwei Klassen höher spielenden Vogtländer drin?
Ich habe mir den VFC Plauen in Borna angesehen. Es ist keine Übermannschaft. Gerade in einem Heimspiel ist im Pokal alles möglich.

Zwei Spielklassen Unterschied spielen da keine Rolle?
Für mich nicht

Sie brauchen die Spieler für dieses Pokalspiel aber sicher nicht groß motivieren?
Das stimmt. Jeder Spieler muss an seine Leistungsgrenze gehen. Dann können wir für eine Überraschung sorgen.

Mit welcher Taktik geht die Mannschaft ins Spiel?
Wir richten uns nicht nach dem Gegner, sondern versuchen, unser System durchzuziehen - wie derzeit in der Meisterschaft. Wir haben unsere Stärken in der Offensive, stellen uns nicht nur hinten hinein. Wenn wir nur mauern, haben wir keine Chance. Dafür ist der VFC Flauen individuell zu gut besetzt

Rechnen Sie mit etwas mehr Zuschauern als sonst üblich?
Das hoffe ich. Es sind keine anderen Spiele an diesem Tag. Vielleicht können wir dadurch aktive Fußballer aus anderen Mannschaften bei uns begrüßen. Die Unterstützung von den Rängen ist für uns ganz wichtig.

Sie hatten es anfangs angesprochen: Der FC Oberlausitz-Neugersdorf konzentriert sich auf die Meisterschaft. Jetzt lief es in den letzten Spielen so gut. Müssen Sie jetzt nicht in Sachen Aufstieg Nägel mit Köpfen machen?
Wir wollen nicht soviel Druck aufbauen. Denn vor der Meisterschaft hätte niemand damit gerechnet, dass wir ganz vom mitmischen. Wir möchten die anderen Konkurrenten unter Druck setzen. Wenn wir am Ende noch gut im Rennen liegen, werden wir versuchen, die Chance wahrzunehmen. Wir brauchen uns jetzt aber nicht verrückt machen
 
Sächsische Zeitung vom 26.11.2008

Geschasster Fußball-Lehrer sorgt für Aufwind

Der FC Oberlausitz sorgt für Furore in der Fußball-Sachsenliga, auch wenn die Neugersdorfer am Wochenende den Sprung an die Tabellenspitze verpassten – weil sie nicht spielten. Die Heimpartie gegen Hohenstein-Ernstthal fiel den Witterungsbedingungen zum Opfer. Viele sind vom Höhenflug der Oberlausitzer überrascht, die auch eine Entscheidung am „grünen Tisch“ verkraften mussten: Das ausgefallene Spiel gegen Sachsen Leipzig wurde mit 0:2 gewertet.
Groß war die Überraschung schon im Sommer, als Dirk Havel als verantwortlicher Cheftrainer vorgestellt wurde. Nur wenige Monate zuvor hatte der 35-Jährige, der zugleich sportlicher Leiter ist, seinen Bankplatz räumen müssen. „Aus meiner Sicht unnötig, aber jetzt Vergangenheit. Ich habe meine Lehren daraus gezogen.“
Havel selbst bewies Größe und half der Mannschaft in dieser schwierigen Situation als Spieler. Noch heute schwärmen die Anhänger vom Comeback-Auftritt des damals 34-Jährigen beim Gastspiel in Görlitz, als Havel überragend agierte, das 1:0 selbst markierte und am Ende ein eminent wichtiger 2:0-Auswärtssieg zu Buche stand.
Havels Fußball-Laufbahn begann in seiner Geburtsstadt Leipzig bei Motor Stötteritz. Später kickte er für den 1. FC Lok und für den FC Sachsen in der Regionalliga. Beim Leipziger Hallenmasters 1995 wurde er als bester Spieler ausgezeichnet, nachdem er mit den Leutzschern im Halbfinale sensationell gegen Bundesligist FC Schalke 04 gewonnen hatte. Aufgrund seiner technischen Fertigkeiten war der nur 1,65 große Mittelfeldästhet ein begehrter Spieler. Matthias Schulz wollte ihn zum Dresdner SC holen, als der noch in der Regionalliga für Schlagzeilen sorgte. Doch Havel landete 1999 in Neugersdorf, spielte mit dem FCO in der Oberliga und war zwischen 2001 und 2006 auch Geschäftsführer des Vereins.
Ob der sportliche Weg nun erneut in die Oberliga führen wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Vor zwei Jahren waren die Neugersdorfer als Tabellenletzter der Süd-Staffel abgestiegen. Noch 18 Monate zuvor standen sie mit einem Bein in der Regionalliga. Fast unter Profibedingungen hatte Matthias Schulz die Mannschaft in die Oberligaspitze geführt. Im Januar 2005 schaltete aber Präsident Ernst Lieb das Signal auf „Rot“.
Die Zielstellung „Aufstieg in die Regionalliga“ wurde nach unten korrigiert. Lieb, dem umtriebigen Unternehmer, blieb gar keine andere Wahl. Fehlende Zuschauer- und Sponsoren-Einnahmen machten den Schnitt notwendig. Dirk Havel blieb als einer der wenigen Routiniers beim Verein.
Spielen will Havel nicht mehr, obwohl er das in dieser Liga noch locker könnte. „Um eine Mannschaft weiterzuentwickeln, muss man eine klare Trainerposition einnehmen. Dies beinhaltet auch, sich von der Rolle des Spielers zu verabschieden“, sagt Havel – und setzt weiterhin auf die Förderung junger Spieler, auch wenn das gar nicht so einfach ist. „Wir haben etliche Talente aus der Region angesprochen, aber keiner hat zugesagt. Das ärgert mich, weil wir ihnen die Chance bieten würden, höherklassig Fußball zu spielen. Einigen fehlt es offenbar an der Motivation.“
Zum Glück kam aber die Zusammenarbeit mit Empor Löbau zustande. Die A- und B-Junioren von Empor schlossen sich den Neugersdorfern an. Trainiert wird der älteste Nachwuchsjahrgang von Ex-Bundesliga-Profi Thomas Hoßmang. Trotzdem mussten sich die Neugersdorfer auch in den Nachbarländern nach finanzierbaren Verstärkungen umschauen. Und dabei bewiesen die Verantwortlichen ein glückliches Händchen. Das Tschechen-Duo Jan Zelenka und Miroslav Hubeny gehörte schon zum Kader. Hinzu kamen Jiri Vagner aus Prag, der Pole Rafal Hübscher und vor allem Emil Nowakowski, der zuletzt in der zweiten Liga Griechenlands aktiv war. Der 34-jährige Pole ist ein glänzender Stratege. Von ihm schwärmen selbst alteingesessene FCO-Anhänger: „So einer hat hier noch nie gespielt.“
Zusammen mit den „alten Hasen“ Falko Thomas und Sebastian Uhlig sowie dem torgefährlichen Thomas Hentschel scheint Havel eine optimale Mischung zwischen Jung und Alt gefunden zu haben. „Die langjährige Entwicklung junger Spieler wie Frenzel, Göschick, Hensel und Albert trägt jetzt Früchte“, freut sich der Trainer. Am Jahresende wird Zwischenbilanz gezogen. „Sollten wir den Aufstieg anpeilen, brauchen wir noch zwei, drei Spieler, um in der Breite besser gerüstet zu sein“, sagt der Trainer. Ernst Lieb soll das Signal bereits wieder auf „Grün“ geschaltet haben...
Jürgen Schwarz und Karl-Heinz Köcher
 
Oberlausitzer Kurier vom 25.10.2008

Der FC Oberlausitz Neugersdorf mischt in der Fußball-Landesliga nach acht Spieltagen ganz vorn in der Tabelle mit.


Steffen Linke, Redakteur des "Oberlausitzer Kurier", unterhielt sich nach dem 3:0-Erfolg am vergangenen Wochenende beim NFV Gelb-Weiß Göriitz mit Trainer Dirk Havel.
Was bedeutet Ihnen dieser klare Auswärtssieg beim Erzrivalen im Ostsachsenderby?
Derbys sind natürlich immer etwas Besonderes. Göriitz wollte sicher in dieser Partie eine Wende einleiten. Von daher war es sehr schwierig für uns. Wir haben das Spiel aber gut gemeistert. Es ging uns dabei weniger darum, dass wir unbedingt gegen Görlitz gewinnen, sondern vielmehr, dass wir unsere Serie fortgesetzt haben, in der Tabelle weiter nach oben geklettert sind und jetzt zu Hause gegen Sebnitz ein richtiges Spitzenspiel steigt.

Tut Ihnen Gelb-Weiß Göriitz im Tabellenkeller eigentlich leid? Sie kennen schließlich die Situation im Abstiegskampf aus der vergangenen Saison.
Es ist nicht so einfach für den dortigen Trainer. Fred Wonneberger ist auch vom Spielermaterial abhängig.

Ihre Mannschaft eilt zurzeit von Sieg zu Sieg. Ist Ihnen diese Erfolgsserie schon ein bisschen unheimlich?
Das ist mir überhaupt nicht unheimlich. Ich freue mich darüber. Ich sehe die Erfolge als Ergebnis unserer Arbeit, die wir bis jetzt abgeliefert haben.

Der FC Oberlausitz Neugersdorf liegt jetzt mit 16 Punkten aus acht Spielen in Lauerstellung auf Tabellenführer BSV 68 Sebnitz. Tut da die Niederlage am Grünen Tisch gegen die Reserve von Sachsen Leipzig II nicht doppelt weh?
Diese Niederlage tut tatsächlich doppelt weh. Wir haben diese Entscheidung aber abgehakt. Wir schauen nach vom. Wir möchten die zwei Punkte Rückstand zum Tabellenführer im Spitzenspiel aufholen.

In der vergangenen Saison spielten die Neugersdorfer Kicker gegen den Abstieg. Jetzt mischt die Mannschaft ganz vom in der Fußball-Landesliga mit. Welche Erklärung gibt es dafür?
Mit Emil Nowakowski und Jiri Vagner verstärken zwei richtig gute Spieler unsere Mannschaft. Im gesamten Gefüge holen auch andere noch mehr aus ihrem Leistungspotenzial heraus. Wir haben auch richtig gut trainiert. So kommt dann halt eins zum anderen. Bei Erfolgen steht einem auch das Quäntchen Glück zur Seite. Momentan läuft es auch optimal. Wir haben kaum Verletzte. Wir hoffen, dass die Serie noch lange anhält.

Wie erleben Sie denn als Trainer das Auf und Ab der Mannschaft?
Die Ergebnisse sind natürlich wichtig. Ich selbst orientiere mich aber an meiner Arbeit mit der Mannschaft. Da habe ich mir zu keiner Zeit irgendwelche Vorwürfe gemacht. Ich versuche, das Optimum aus jedem einzelnen Spieler herauszuholen und damit insgesamt auch die Mannschaft weiterzuentwickeln. Das ist über den gesamten Zeitraum gut gelungen. Wir spielen momentan einen recht attraktiven Fußball. Wie ich aber schon gesagt habe: Im Fußball gehört natürlich auch eine gewisse individuelle Qualität dazu. Die haben wir jetzt ein Stück weit mehr als in der vergangenen Saison.

Was ist in dieser Saison für den FC Oberlausitz Neugersdorf drin?
Im Fußball ist alles möglich.

Der FC Oberlausitz Neugersdorf empfängt am Samstag, 25. Oktober, 14.00 Uhr, in der Enso-Oberlausitz-Arena mit dem BSV 68 Sebnitz den derzeitigen Tabellenführer der Sachsenliga. Welche Bedeutung hat dieses Spitzenspiel für Sie?
Wir wollen gegen Sebnitz zu Hause gewinnen und in der Tabelle an unserem Gegner vorbeiziehen. Ich habe Sebnitz gegen Dresden-Laubegast beobachtet. Es ist auch nicht die Übermannschaft.

Ist die Amateuroberliga in Zukunft wieder ein Thema?
Es ist im Fußball so, dass wir immer versuchen, nach oben zu kommen und Erfolg zu haben. Dazu gehören aber auch entsprechende Rahmenbedingungen. Darüber müssen dann andere Leute entscheiden - sprich das Präsidium und der Vorstand. Wenn wir den Aufstieg richtig anpeilen, brauchen wir noch zwei, drei Spieler, um in der Breite besser gerüstet zu sein. Wir als Mannschaft und ich als Trainer versuchen, vom in der Tabelle zu stehen. Dann muss das Präsidium im Winter nachdenken, was möglich ist und entsprechende Entscheidungen treffen.
Sächsische Zeitung vom 08.08.2008

Trotz namhafter Abgänge herrscht Aufbruchsstimmung

Der FC Oberlausitz Neugersdorf steht nach Platz zwölf im Vorjahr erneut vor einer schweren Saison. Dirk Havel kehrte auf den Trainerstuhl zurück und soll die junge Mannschaft zum Klassenerhalt führen
DIE VORBEREITUNG
Mit der Trainingsleistung seiner Schützlinge zeigte sich Dirk Havel "recht zufrieden", alle Spieler hätten konzentriert mitgezogen. Besonderer Wert wurde auf das mannschaftstaktische Verhalten in Abwehr und Angriff gelegt. In den Testspielen probierte Havel viel aus, will deshalb Ergebnisse wie die 4:l-Niederlage in Heidenau nicht überbewerten. Die letzten Ergebnisse zeigten einen positiven Trend, auf Platz drei beim Oberlausitz-Cup folgten klare Siege über den VfB Zittau und Rumburk
KOMMEN UND GEHEN
Mit Emil Nowakowski präsentierte der FC Oberlausitz bislang erst einen echten Neuzugang. Der 34-Jäh-rige kehrte aus Griechenland, wo er in der zweiten Liga spielte, in seine polnische Heimat zurück. Von ihm verspricht sich Dirk Havel wichtige Impulse aus dem offensiven Mittelfeld, schwärmt von seiner Technik und seinem Passspiel. Von den in die erste Mannschaft aufrückenden fünf Nachwuchsspielern hinterließ Erwin Herzog den positivsten Eindruck. Torhüter Christoph Kittel hat langfristig das Zeug zur Nummer eins. Dem stehen neun Abgänge gegenüber, besonders Oliver Grimm (21) dürfte schmerzlich vermisst werden. Der kopfballstarke
Stürmer war zum Leistungsträger gereift. Auch für Dirk Gierich und Benjamin Hoßmang wurde noch kein Ersatz verpflichtet.
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Das Manko in der abgelaufenen Saison war ohne Frage die fehlende Durchschlagskraft im Angriff. Ein Stürmer soll noch geholt werden, dazu hofft man, dass Nowakowski wie erwartet einschlägt und die Fäden zieht. Ein weiterer Schwachpunkt waren die Standardsituationen. An ihnen wurde in der Vorbereitung intensiv gearbeitet. Prunkstück des FCO ist die Abwehr mit dem starken Torwart Zelenka als Rückhalt. In der Innenverteidigung präsentierte sich das Duo aus Kapitän Faiko Thomas und Ra-fal Hübscher als sattelfest. Zusammenhalt, Disziplin und Leistungsbereitschaft nennt Dirk Havel als weitere Vorzüge seiner Elf.
DAS UMFELD
Der wieder eingesetzte Trainer genießt das volle Vertrauen, man sei von seinen Qualitäten überzeugt und würde auch durch schwere Zeiten gemeinsam gehen, so Präsident Ernst Lieb. Mit Thomas Hoßmang, Peter Bendt und Frank Holubec wurde geballte Fußball-Kompetenz in den Verein geholt. Zusammenarbeit wird groß geschrieben, eine neue Aufbruchsstimmung greift um sich. Enttäuschend sind für die nominell beste Mannschaft auch, im neuen Kreis Görlitz weiterhin die Zuschauerzahlen
Marcel Pochanke
Sächsische Zeitung vom 22.07.2008

FCO und Empor werden Partner


Jugendmannschaften laufen für Neugersdorf auf, Erste wird verstärkt
Reichlich drei Jahre nach den ersten Plänen einer Zusammenarbeit, die sich damals nicht realisieren ließen, arbeiten der FC Oberlausitz Neugersdorf und der FSV Empor Löbau künftig gemeinsam an ihrer Zukunft. Man strebe eine langfristige Kooperation an, um für beide Vereine eine stabile Basis für den Erfolg zu schaffen, erklärte FCO-Präsident Ernst Lieb. Zudem wolle man ein Signal nach außen senden: "Es geht auch gemeinsam, Streitereien der Vereine bringen niemanden weiter." Als Kern der Vereinbarung schließen sich die A- und B-Junioren von Empor Löbau den Neugersdorfern an. Im Gegenzug sollen Neugersdorfer Spieler, die sich in der Sachsenliga (noch) nicht durchsetzen, für Löbau auflaufen und helfen, den Sprung in die Bezirksliga zu schaffen. Genannt wurden in dem Zusammenhang Florian Knoll, Maik Schirmer und Steven Klose.
Handeln statt reden
Der baldige Aufstieg ist das erklärte Ziel von Empor-Präsident Peter Lindenlaub. In der abgelaufenen und sportlich enttäuschenden Saison war man nur knapp dem Abstieg entgan-
gen. Die Löbauer Jugendlichen hätten die Nachricht durchaus positiv aufgenommen, so Peter Bemdt, seit Kurzem Nachwuchskoordinator beim FC Oberlausitz und damit jetzt auch für die Löbauer verantwortlich. Zum Training und zu den Spielen werden die Jungs in Kleinbussen gefahren, von beiden Vereinen im Wechsel bereitgestellt. Löbau steht auch als zumindest gelegentlicher Spielort der Junioren zur Debatte.
Die Neugersdorfer Sachsenligamannschaft bildet zunächst den Maßstab, was die spielerische und taktische Ausbildung betrifft. So werden alle Nachwuchsmannschaften der Vereine mit einer Viererkette verteidigen.
"Es galt, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln," begründet Ernst Lieb den Schritt. "Notwendig wurde er auch, weil es wegen der geburtenschwachen Jahrgänge manchmal schwer war, eine Mannschaft zusammenzukriegen." Dass man Löbau als den "zentralen Ort der Oberlausitz" zum Partner wählte, sei nur folgerichtig. Schließlich gelte es auch, Talente in der Region zu binden.
Marcel Pochanke
Oberlausitzer Kurier vom 19.07.2008

Alter "Besen" ist beim FCO auch der neue!

Mit Dirk Havel ist ein alter Bekannter auf die Trainerbank des FC Oberlausitz Neugersdorf zurückgekehrt. Nur ein paar Wochen nach seiner Beurlaubung soll er das ins Schlingern geratene Landesliga-Schiff nun erneut in ruhigeres Fahrwasser führen.
Als Andreas Köhler einige Spieltage vor dem Ende der vergangenen Saison das Ruder beim FC Oberlausitz übernahm und letztlich noch herumreißen konnte, war man glücklich im Präsidium des Neugersdorfer Vereins. Anscheinend war mit dem verdienstvollen Coach früherer Tage genau der richtige Mann zur richtigen Zeit zurückgekehrt. Doch Köhlers Engagement - das war von vornherein klar - würde nur eins auf Zeit sein. So hieß es also, sich parallel zum Abstiegskampf nach einem neuen verantwortlichen Mann auf der Trainerbank umzusehen.
Obwohl man in der Oberlandstadt inzwischen eine Vorliebe für "alte Seilschaften" entwickelt hat - auch Peter Berndt kehrte schon mehrfach auf den Trainerposten beim Landesund früheren Amateur-Oberligisten zurück - ist es für den Außenstehenden zwar immer noch verwunderlich, dass mit Dirk Havel der erst jüngst gefeuerte Coach wieder seinen angestammten Platz eingenommen hat, für Insider - und zuallererst das Präsidium - war es offenbar ein Schritt zurück in eine erfolgreiche Zukunft. Hoffentlich.
Der 34-Jährige selbst hat das Vergangene hinter sich gelassen und freut sich auf seine alte, neue Aufgabe: "Das Präsidium hat mich gefragt und ich habe ja gesagt. Was in den vergangenen Wochen intern passiert ist, darüber möchte ich mich nicht äußern." Mit der Mannschaft habe er noch nie Probleme gehabt, dies werde hoffentlich auch so bleiben.
Laut Havel hat ihm das Neugersdorfer Präsidium "die volle Unterstützung für die nächste Saison" zugesichert - auch wenn es erneut zu einer solch prekären Situation wie zuletzt kommen sollte, "die ich ebenfalls hätte meistern können", ist er noch heute überzeugt. Allerdings will er auch "ein paar Dinge anders machen" - welche, das soll die Mannschaft im gemeinsamen Training erfahren. Fest steht, dass Havels Aufgabe wahrscheinlich noch schwerer wird. Denn mindestens fünf Spieler haben den Landesligisten in der Sommer-
pause verlassen. Gleichwertigen Ersatz zu finden, ist bisher trotz großer Anstrengungen nicht gelungen. "Wir haben etliche Talente aus der Region angesprochen, aber keiner hat zugesagt. Das ärgert mich, weil wir ihnen die Chance bieten würden, höherklassig Fußball zu spielen." Die Gründe für die Ablehnungen kann und will der Neugersdorfer Coach nicht akzeptieren: "Einigen fehlt es offenbar an der Motivation. Die sind zufrieden, wenn sie in ihrem bekannten Umfeld auf niedrigerem Niveau weiterkicken können. Manche haben auch Angst davor, in unsere Zweite hineinzurutschen." Mit dem großen Geld könne man niemanden zum FCO locken, "die Spieler müssen schon von sich aus bereit sein, in ihre Zukunft zu investieren. Wer Talent hat, sollte es unbedingt probieren."
Im Moment stehen Dirk Havel nur 17 Kicker zur Verfügung, bis zum Saisonstart sollen es trotz aller Schwierigkeiten mindestens 20 sein. "Anders können wir verletzungsbedingte Ausfälle oder gelb- bzw. rotgesperrte Spieler gar nicht ersetzen." Selbst gegen das runde Leder treten wie zum Ende der letzten Serie will der Trainer aber nicht mehr. "Mit 34 Jahren muss ich als Aktiver ans Aufhören denken. Außerdem lässt sich die Arbeit als Trainer nur schlecht mit den Anforderungen an einen Spieler vereinbaren." Sollten in den nächsten Tagen keine deutschen Spieler zur Mannschaft stoßen, will sich der FC Oberlausitz jenseits der Grenze nach Verstärkungen umschauen. Auf Grund knapper Finanzen jedoch wahrscheinlich ebenfalls nur mit mäßigem Erfolg.
Ein konkretes Ziel lässt sich der alte, neue Coach wegen der noch ungeklärten Personalsituation nur widerwillig entlocken: "Wir wollen nicht von Beginn an in eine Drucksituation geraten." Was soviel heißt wie: Man möchte den Abstiegskampf so lange es irgend geht vermeiden. "Es wäre ein Riesenproblem für den Verein, wenn es tatsächlich zum Gang in die Bezirksliga kommen sollte." Und Havel deutet an, dass er zuvor selbst die Reißleine ziehen würde. "Wenn ich die Mannschaft nicht mehr erreiche, ziehe ich die Konsequenzen." Eh es jedoch möglicherweise dazu kommt, will er alles geben, um die Zukunft seines Vereins deutlich positiver zu gestalten
Frank-Uwe Michel
Sächsische Zeitung vom 18.07.2008

Peter Berndt koordiniert künftig den FCO-Nachwuchs

Der FC Oberlausitz Neugersdorf setzte ein Signal für die Zukunft des eigenen Nachwuchses und präsentierte Peter Berndt als neuen verantwortlichen Jugendwart. Der gebürtige Neugersdorfer war zuletzt Trainer der Landesligamannschaft von Gelb-Weiß Görlitz und darüber hinaus für den DFB-Stützpunkt in seiner Heimatstadt tätig. Davor hatte er mehrfach auch die Neugersdorfer Männer als Trainer betreut.
Es ist ein Geben und Nehmen
Es gehe vor allem darum, jungen und talentierten Spielern aus der Region die bestmögliche Ausbildung in kontinuierlich hohen Spielklassen zu bieten, heißt es von Vereinsseite. Im Rahmen der finanziellen Konsolidierung des Vereins in den letzten Jahren sei in der Jugendarbeit notgedrungen vieles auf der Strecke geblieben. Während etwa die A-Junioren die Landesliga halten konnten, mussten zuletzt die B-Jugendlichen den Gang in die Bezirksliga antreten.
Dass der FC Oberlausitz künftig qualitative Maßstäbe in der Jugendarbeit setze, wolle man auch wieder vermehrt nach außen tragen, an andere Vereine heran. Klar ist, dass man sich damit nicht nur Freunde macht. "Es ist ein Geben und Nehmen," betont Peter Berndt. Man dürfe nicht nur den Verlust an Spielern sehen, den umliegende Vereine erleiden. Schließlich kehrten sie oft genug gut ausgebildet in die Vereine der Region zurück. So gingen kreisbekannte Fußballer wie Peter Schüßler, Ronny Nietsch oder Swen Fehlauer bei den Übungsleitern des FCO in die Schule, jetzt spielen sie in Ebersbach, Neueibau oder Großschweidnitz.
Als sein wichtigstes Ziel nennt Peter Berndt den Erhalt der jeweiligen Spielklassen, um den Nachwuchs optimal auf die Landesliga vorzubereiten. Dafür sollen die bestmöglichen Ausbilder herangezogen werden, so für die derzeit vakanten Trainerpositionen der D-und B-Junioren. Man wolle in dem Zusammenhang auch die interne Weiterbildung forcieren. Daneben setzt Berndt auf die Entwicklung der Spielerpersönlichkeiten, die unter den Bedingungen des höherklassigen Fußballs unabdingbar sei.
Unsicherheit durch Bwin-Klage
Die Nachwuchsförderung hat auch eine soziale Komponente über den Sport hinaus. Das ist nicht nur uns wichtig, sondern auch den Sponsoren, die sich bei uns engagieren," nimmt Peter Berndt kein Blatt vor den Mund. Dabei herrscht Unklarheit, ob dem Verein der größte Einzelgeldgeber, der Wettanbieter Bwin, erhalten bleibt. Die EU-Kommission in Brüssel befindet derzeit über den deutschen Glücksspielvertrag und seine Vereinbarkeit mit europäischem Recht - und damit auch über die Zukunft des in Neugersdorf ansässigen Unternehmens. Jährlich steckt die in Neugersdorf ansässige Firma Millionenbeträge in die deutsche Sportförderung. Der seit Jahren andauernde Rechtsstreit um Glücksspiel-Lizenzen macht die langfristige Planung für den FC Oberlausitz nicht einfacher. Wohl auch ein wichtiges Argument dafür, durch konzentrierte Nachwuchsarbeit die Zukunft in die eigene Hand zu nehmen.
Marcel Pochanke
   
Sächsische Zeitung vom 18.04.2008

"Das muss ein Meilenstein sein."

Herr Köhler, wie hat die Mannschaft den Trainerwechsel aufgenommen?
Positiv. Das hat nichts damit zu tun, dass mein Vorgänger Dirk Havel schlecht gearbeitet hätte, aber die Spieler wissen auch, dass man eingefahrene Gleise verlassen muss. Mit Falko Thomas, der bei mir schon im Jugend- und Männerbereich gespielt hat und Kapitän bleiben wird, habe ich seit Langem ein gutes Verhältnis.
Sie haben erstmals einen Mannschaftsrat wählen lassen. Wer wird diesem angehören?
Neben Falko Thomas, der gesetzt war, sind Sebastian Uhlig, Miroslav Hubený und Oliver Grimm in dem Gremium. Die ausgewogene Besetzung mit einem oberligaerfahrenen, einem tschechischen und einem jungen Spieler entspricht meinen Vorstellungen und zeigt, dass die Mannschaft intakt ist.
Warum hat es aus Ihrer Sicht in der bisherigen Saison sportlich nicht so wie erwartet geklappt?
Der Weggang von Torjäger Robert war letztlich nicht zu kompensieren. Dazu kamen weitere Abgänge und Verletzungen. Da musste viel probiert werden, vielleicht zu viel. Das hat zu einer Verunsicherung gerührt, mit der Konsequenz, dass die Mannschaft nach einem Gegentor sofort den Kopf und die Disziplin verlor. Das nächste Gegentor folgte auf dem Fuß. Da habe ich beim Gastspiel in Leipzig erste Schritte hin zu einer Besserung gesehen.
Können Sie knapp ihre Fußballphilosophie umreißen, die Sie gemeinsam mit der Mannschaft umsetzen wollen?
Es gilt, aus einer kompromisslosen Abwehr kontrolliert in die Offensive zu gehen. Der Gegner muss durch schnelles Herausrücken unter Druck gesetzt werden, vorn werden wir konsequent den Abschluss suchen. Querspielen und Leichtsinn, wie er zuletzt zu beobachten war, haben da nichts zu suchen.
Sie wurden offiziell als Interimstrainer vorgestellt. Können Sie sich noch einmal ein längeres Engagement vorstellen?
Nein, als ich mich für die Aufgabe zur Verfügung stellte, war explizite Bedingung, dass im Sommer Schluss sein müsse. Ich wollte dem Verein helfen, aber nur bis der geeignete Kandidat gefunden ist. Darüber hinaus ist das Amt mit meiner Tätigkeit als Angestellter de Stadt Neugersdorf sowie meiner Familie nicht vereinbar. Es fehlt schlicht die Zeit.
Normalerweise ist diese Phase der Saison auch die Zeit, in der am Kader für die kommende Spielzeit gearbeitet wird. Wer ist für die Sichtung und Auslese verantwortlich?
Ich konzentriere mich ganz auf das Sportliche, das heißt auf die Spiele der aktuellen Saison. Die Kaderplanung liegt nicht in meiner Verantwortung. Klar ist aber auch: Wer jetzt mit seinen Gedanken woanders ist, statt alles für den Verein und den Klassenerhalt zu geben, wird schlechte Karten haben. Das habe ich der Mannschaft auch in dieser Deutlichkeit gesagt.
Wie wollen Sie eines der große Probleme, die fehlende Torgefahr und Treffsicherheit des FC Oberlausitz, angehen?
Zumindest im Training werden da viele einfache Dinge geübt. Dribblings, Torschüsse, Eins-gegen-Eins-Situationen, um wieder Selbstvertrauen aufzubauen. In Leipzig haben wir uns bereits mehr Chancen erspielt, als in den Partien davor.
Haben Sie die Elf, die am Sonnabend gegen Heidenau auflaufen wird, schon im Kopf?
Jein, im Prinzip weiß ich, wer spielen soll. Allerdings ist der eine oder andere noch angeschlagen, Fragezeichen stehen besonders hinter dem Einsatz von Göschick, Albert und Israel. Ich muss also mit endgültigen Aussagen noch abwarten. Wie ordnen Sie die Bedeutung des Spiels gegen Heidenau ein? Die Tabellenkonstellation ist eindeutig. Heidenau ist Letzter, wir stehen mit fünf Punkten mehr auf Platz 14. Es ist ein sogenannte Sechs-Punkte-Spiel und muss ein Meilenstein sein, um dort unten herauszukommen.
Das Gespräch führte Marcel Pochanke
 
Sächsische Zeitung vom 15.04.2008

Dirk Havel ist nicht mehr Trainer des FC Oberlausitz

Andreas Köhler trägt seit Freitag die sportliche Verantwortung bei dem Landesligisten.
Wie der FC Oberlausitz Neugersdorf erst gestern mitteilte, wurde Dirk Havel mit Wirkung vom 11. April von seinen Aufgaben als Trainer der ersten Mannschart freigestellt. Nach einer langen Vorstandssitzung und vielem Für und Wider sei man zu dem mehrheitlichen Entschluss gekommen, heißt es aus dem Präsidium.
Havel war aus Borna als Oberligaspieler nach Neugersdorf gekommen und hatte die Mannschaft 2006 von Peter Berndt übernommen, konnte aber den Abstieg aus der Oberliga nicht mehr verhindern. Seitdem spielte der FC Oberlausitz in der Sachsenliga, befindet sich allerdings derzeit in einer sportlichen Krise. "Deswegen", so FCO-Präsident Ernst Lieb, "mussten wir handeln. Die Mannschaft hat einfach zu wenig Punkte geholt, und wir wollten uns im Falle eines Abstiegs nicht nachsagen lassen, dass wir nicht alles versucht hätten." Oft seien es psychologische Gründe, die eine Mannschaft auf der Stelle treten lassen. "Wenn man etwas unbedingt will, dann geht es oft gerade nicht. Da hilft manchmal eine kleine Veränderung im Umfeld." Persönlich sei er mit Havels Tätigkeit sehr zufrieden gewesen, und man werde gemeinsam weiterarbeiten. Havel steht beim FC Oberlausitz weiterhin als Sportlicher Leiter unter Vertrag.
Der Neue ist kein Unbekannter
Nachfolger als Cheftrainer des Landesligisten wird Andreas Köhler. Der Neugersdorfer, Inhaber einer Marketingfirma, ist seit seiner Jugend eng mit dem Verein verbunden. Er spielte in den 80er
Jahren als Tormann bei Lautex Neugersdorf, war maßgeblich an der Gründung des OFC Neugersdorf beteiligt und trainierte bis 1994 schon einmal die Männermannschaft. Damals musste er gehen, weil mit dem verpassten Bezirksmeistertitel der angestrebte Aufstieg nicht erreicht wurde. Als Kenner des Oberlausitzer Fußballs erhielt er nun erneut das Vertrauen des Vereinsvorstands ausgesprochen, dem er selbst angehört. Die Personalie ist zunächst als Übergangslösung geplant. Wer als Trainer die Geschicke der Mannschaft nach der Saison weiterführt, ist völlig offen. "Es könnte auch wieder der alte sein", so Lieb.
Trotz der Signale im Umfeld sei er letztlich überrascht von seiner Absetzung gewesen, kommentiert Dirk Havel das Geschehen. "Ich bin überzeugt, dass ich die Situation gemeistert hätte. Jetzt kommen die Gegner, wo es drauf ankommt [Heidenau, Görlitz, d. Red.], und ich war immer überzeugt, dass wir die nötigen Punkte holen." Trotz der Enttäuschung müsse er aber akzeptieren, dass der Vorstand nicht mehr das nötige Zutrauen hatte - "Jetzt gilt nur die volle Konzentration auf das Spiel gegen Heidenau."
Der erhoffte Positiv-Effekt blieb im ersten Spiel unter Köhler aber noch aus. In Leipzig war alles beim Alten geblieben: Wieder hatten die Neugersdorfer gut gespielt, aber wieder kein Tor geschossen und 1:0 verloren. Zu wenig für die Ansprüche der Oberländer.
Marcel Pochanke
  
Sächsische Zeitung vom 03.08.2006

Die Sächsische Zeitung sprach nochmals vor Beginn der Saison 2006/07 mit Trainer Havel:

Seit 1999 spielt Dirk Havel beim FC Oberlausitz Neugersdorf in der ersten Mannschaft und hat in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen der Elf mit durchlebt. Im März 2006 übernahm der 32-jährige Mittelfeldspieler das Traineramt von Peter Berndt, konnte aber trotz einer Leistungssteigerung der Mannschaft den Abstieg aus der Oberliga nicht verhindern. Kurz vor dem Saisonstart der Landesliga sprach die SZ mit dem jungen Trainer der Neugersdorfer.

In der Saison 2005/2006 hat eine komplette Mannschaft den Verein verlassen. Wo steht nach diesem personellen Aderlass die heutige Landesliga-Elf?
Auf durchaus festen Füßen. Es ist uns trotz der noch einmal neun Abgänge zum Saisonende gelungen, eine guteMannschaft zusammenzustellen. Erfreulich ist auch, dass wir die jungen, talentierten Spieler wie Koch, Göschick, M. Küttner, Gierich oder Hensel halten konnten. Mit dem Oppacher Thomas Hentschel und Rückkehrer Miroslav Hubeny sowie jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs konnten wir den Kader verstärken. Dabei zahlt sich die hervorragende Nachwuchsarbeit der letzten Jahre aus. Ich kann auf gut ausgebildete Spieler zurückgreifen, die bei den A-Junioren auf Landesebene gespielt haben. Die jungen Leute sind heiß, ehrgeizig und haben die richtige Einstellung. Mir macht es viel Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten.

Verlief die Saisonvorbereitung nach Ihren Vorstellungen?
Wir konnten uns zwar kein Trainingslager leisten, haben aber fünf Wochen lang fast täglich ab 17 Uhr nach unseren Möglichkeiten optimal trainiert. Die Beteiligung war durchweg sehr gut und alle Spieler mit vollem Einsatz bei der Sache. Beim Oberlausitz-Cup bot die Mannschaft eine konzentrierte Leistung, und der letzte Test vor dem Punktspielauftakt beim Oberliga-Aufsteiger FSV Zwickau (1:1) lässt hoffen.

Mit welcher Zielstellung gehen Sie in die neue Saison?
Wir streben mit unserer neu formierten Mannschaft einen einstelligen Tabellenplatz an. Dabei wollen wir modernen Offensiv-Fußball und dementsprechend mit einer Raumdeckung spielen. Natürlich wissen wir um die Schwere der Aufgabe, zumal die Mannschaft überall als Oberliga-Absteiger empfangen und als solcher auch "bespielt" wird.

Worauf bauen Sie bei Ihren Vorhaben?
Wir haben nach wie vor einige gestandene und auch Oberliga erfahrene Spieler in unseren Reihen. Die Mischung zwischen Alt und jung stimmt ebenso wie der Geist und die Moral in der Mannschaft. Nicht zuletzt rechne ich mit der Unterstützung unserer treuen Anhänger und Zuschauer, die auch in schwieigen Situationen zur Mannschaft stehen werden.

Welche Bedeutung haben aus ihrer Sicht die ersten drei Spiele?
Ein optimaler Saisonstart prägt bekanntlich die erste Halbserie. Mit den zwei Aufsteigern und dem Oberlausitz-Derby erwarten uns gleich drei schwere Brocken. Zum Auftakt, in Krumhermersdorf, sind wir gewarnt, denn dort herrscht noch Aufstiegseuphorie, die wir aber besiegen wollen. Zum ersten Heimspiel kommt mit dem SV Bannewitz der zweite Aufsteiger, und Neulinge sind immer unberechenbar. Zu dem mit Spannung erwarteten Derby beim NFV Gelb-Weiß Görlitz muss ich nichts sagen, denn da treffen alte Bekannte aufeinander. Was die Punktausbeute der ersten drei Spiele anbetrifft, bin ich optimistisch.

Sie haben vor einem halben Jahr noch aktiv in der Oberliga gespielt und scheinen nach wie vor topfit. Wann wechselt sich Dirk Havel selbst ein?
Der sogenannte Spielertrainer kommt für mich nicht in Frage. Ich habe mich für den Trainer entschieden. Eine Einwechslung des Spielers Havel wird es also nicht geben.
Gespräch: Reiner Seifert
 
Sächsische Zeitung vom 08.04.2006

Die Sächsische Zeitung sprach mit dem neuen Trainer:

Herr Havel, wie hat die Mannschaft den Trainerwechsel aufgenommen?
Sehr positiv. Sie hat sich gleich in der ersten Woche voll ins Training reingehängt. Unser Ergebnis in Auerbach, der 4:2-Auswärtssieg, ist von allen auch gleich genau richtig gewertet worden.

Sie sind ja selbst noch aktiver Spieler und gleichzeitig Geschäftsführer beim FCO, ist das alles zu schaffen und unter einen Hut zu bringen?
Als Spieler will ich nur noch der absolute Notfall sein. Ich habe auch gleich gesagt, Spieler-Trainer kommt für mich nicht in Frage. Es braucht schon einen enormen Zeitaufwand, die Arbeit des Geschäftführers und des Trainers unter einen Hut zu bringen. Das Privatleben kommt dabei allerdings etwas zu kurz. Eine Entschädigung dafür ist allerdings die Arbeit mit der Mannschaft. Es sind wirklich ein paar coole Typen darunter.

Neun Punkte fehlen dem FC Oberlausitz Neugersdorf derzeit für einen Nichtabstiegsplatz. Ist, das Saisonziel Klassenerhalt noch machbar?
Im Sport ist alles möglich. Ich selber habe mir allerdings zum Ziel gesetzt, dass wir gute Spiele machen. Jeder Spieler muss auf dem Platz seine volle Leistung abrufen. Ich will, dass wir eine homogene Truppe mit selbstbewussten Spielern sind. Das Potenzial für den Klassenerhalt haben wir jedenfalls.

Wie wollen Sie das erreichen? Trainieren Sie anders? Haben Sie die Spieler in Einzelgesprächen versucht, psychisch wieder aufzubauen?
Wir spielen jetzt ein 4-4-2-System mit Raumdeckung. Ich habe auch mit einigen Spielern Einzelgespräche geführt - beispielsweise mit Robert Koch und Oliver Göschick. Das sind zwei super Talente, die auch mal mit Fußball Geld verdienen können.

Ihr Vorgänger Peter Berndt bleibt dank seiner Verdienste für den Verein ja dem FCO erhalten. Beraten Sie sich ab und zu mit ihm? Oder hält er sich ganz raus?
Peter Berndt ist ja nach wie vor unser sportlicher Leiter. Wir kommen schon zusammen und unterhalten uns. Aber ich denke doch, dass ich meine Ideen zu 100 Prozent umsetzen will. Letztendlich halte ich ja den Kopf hin.

Gibt es außer dem Trainerwechsel sonst noch Veränderungen in der Mannschaft oder im Verein?
Falko Thomas, arbeitet jetzt im Vereinsvorstand mit. Als Spieler will er damit ein Zeichen setzen, dass? die Mannschaft voll hinter dem Verein steht. Ansonsten hat sich personell nichts verändert. Für den FC Oberlausitz Neugersdorf ist es jetzt wichtig, dass die Fans noch mehr hinter ihm stehen. Wir alle müssen begreifen, dass es, sollten wir absteigen, auf lange Sicht keinen Oberliga?Fußball mehr in Neugersdorf geben wird.
Gespräch: Holger Gutte