Jan-Nezmar-Abschiedsspiel

 
 
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Fotos v.l.: Jan Nezmar und Präsident Ernst Lieb / Pascal Testroet und Radoslav Kováč / Milan Baroš und "Lumpi" Lampert

    
Fotos v.l.: Kopfballchance für Jan Nezmar / voller Einsatz von Stefan Kutschke, Jan Penc und Patrik Klouda / Luftkampf von Giuliano Modica und Robert Koch

    
Fotos v.l.: Karl Petrick und Sebastian Berg übergeben eine Danke-Collage / Milan Baroš und Jan Nezmar nach dem Spiel / René Kindermann interviewt Jan Nezmar
Sonnabend, 08.10.2016 14:00
FC Oberlausitz Neugersdorf – SG Dynamo Dresden  0:5 (0:3)
Jan Nezmar bekam am Sonnabend seinen gebührenden Abschied als Spieler beim FC Oberlausitz Neugersdorf mit einem Testspiel gegen Dynamo Dresden vor mehr als 1000 Zuschauern. "Eine Hintertür werde es nicht geben", sagt FCO-Sportdirektor Manfred Weidner. Welch besonderen Spieler man in dem heute 39-jährigen Tschechen beim FC Oberlausitz hatte, wird manchem vielleicht erst in den nächsten Monaten oder Jahren wirklich bewusst werden. Er brachte europäischen Fußballglanz in die Oberlausitz und sorgte mit seinen Toren auch dafür, dass Neugersdorf heute die sportlich hochrangigste Fußballmannschaft Ostsachsens hat.
Für besondere Momente sorgte auch der Auftritt des tschechischen Ausnahmestürmers Milan Baroš. Nicht immer unumstritten, schoss er mit 41 Toren in 93 Länderspielen die zweitmeisten in der ewigen Torjägerliste der Nationalmannschaft des Nachbarlandes. Bei Europameisterschaften war er fünfmal erfolgreich. Der langjährige Weggefährte von Jan Nezmar bildete mit seinem Kumpel ein denkwürdiges Sturmduo, blieb aber gegen die Dynamo-Abwehr torlos. Das lag nicht nur daran, dass Baroš leicht angeschlagen war und Nezmars Weg vom Schreibtisch auf den Rasen führte.
Die Dresdner hatten die Partie als scharfen Test ausgerufen, sind nach vier sieglosen Spielen in der Zweiten Bundesliga auf der Suche nach Stabilität und Selbstvertrauen. So kam es, dass die knüppelharten Verteidiger Florian Ballas (erste Halbzeit) und Giuliano Modica (zweite Halbzeit) keine Kompromisse kannten und den Fußball-Senior Nezmar eng bewachten. Dazu kam, dass Dymamo-Trainer Uwe Neuhaus seinem Nachwuchs-Verteidiger Noah Awassi eine Chance gab. Der wollte diese leidenschaftlich nutzen und scherte sich entsprechend wenig um den besonderen Charakter der Begegnung als Abschiedsspiel - verständlich. Die zweite Liga sei wohl doch inzwischen zu hoch für ihn, scherzte Nezmar.
Nach 50 Minuten durfte er sich den Applaus der Zuschauer abholen. Der war herzlich und lang anhaltend, "Fußba1lgott" tönte es. Live dabei waren die Kameras des MDR, auch das tschechische Fernsehen war vor Ort. Jetzt werde er aber erst einmal mehr Eishockey, den heimlichen Nationalsport seines landes, spielen, verriet Nezmar noch. Vor allem aber wird er sich auf seinen Job als Sportdirektor des tschechischen Erstligisten Slovan Liberec konzentrieren. Dort ist in der kommenden Woche der AC Florenz in der Europa-League zu Gast.
SZ/Marcel Pochanke
Der Rahmen war schon ziemlich außergewöhnlich, eigentlich sind Abschiedsspiele eher Spaßveranstaltungen. Doch für Dynamo war der Test beim FC Oberlausitz in Neugersdorf eine ernste Prüfung nach dem Schwächeanfall in der zweiten Liga. "Es hat unseren derzeitigen Stand ganz gut widergespiegelt und uns weitergebracht", sagt Uwe Neuhaus trotzdem. Der Trainer ist nach dem 5:0 zufrieden: mit dem Ergebnis und der Einstellung. "Die Mannschaft ist absolut willig und bereit, viel zu investieren, um wieder in die Spur zu kommen", meint er, und er fügt hinzu: "Dass noch nicht alles leicht von der Hand geht, hat man auch gesehen."
Es wäre also voreilig, diesen Sieg als Befreiungsschlag zu bezeichnen, dafür war der Gegner kein richtiger Gradmesser. Erstens hatte Neugersdorf am Donnerstag 120 Minuten im Sachsenpokal in Auerbach gespielt. "Das schüttelt man nicht so einfach ab." Zweitens hatte sich Jan Nezmar zu seiner Verabschiedung zwei Freunde eingeladen. So standen die tschechischen Ex-Nationalspieler Milan Baroš und Rostislav Kovač in der Startelf. "Es war schon komisch mit den beiden Gastspielern", sagt Neuhaus, "aber wir haben vorher gesagt: Das hat uns nicht zu interessieren."
Die Schwarz-Gelben dominieren, gehen durch ein Kopfball-Tor von Pascal Testroet in Führung, der Angreifer hat zwei weitere gute Chancen. Der erste Schuss geht um Zentimeter am Tor vorbei (4.), den zweiten pariert FCO-Torwart David Pokorny überragend (42.). Nils Teixeira und Erich Berko bauen den Vorsprung bis zur Pause auf 3:0 aus. Nach dem Wechsel treffen Aias Aosman und Stefan Kutschke - und vor allem das Tor zum 5:0 zeigt, wie es gehen kann. Kutschke scheitert erst mit einem Schuss aus 14 Metern am Torwart, setzt aber nach und drückt den Ball per Kopf über die Linie.
Es war für Dynamo wichtig, dass der FC Oberlausitz nur zu wenigen Halbchancen kam, auch Nezmar zum guten Schluss nicht noch mal treffen durfte, obwohl der 39 Jahre alte Tscheche mit einem Kopfball knapp über die Latte nah dran war (37.). Patrick Wiegers im Dynamo-Tor bekam wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen.
SZ/Sven Geisler
Tore: 0:1 Testroet (24.), 0:2 Teixeira (28.), 0:3 Berko (45.), 0:4 Aosman (77.), 0:5 Kutschke (86.)

FC Oberlausitz Neugersdorf mit
Pokorny, Klouda, Wolf, Penc, Matula, Loučka, Gerstmann, de Freitas, Dittrich, Jordi Vidal, Merkel, Marek, Koch, Krahl, Sobe, Schulz, Sanftenberg, Becker, Petrick, Liska, Nezmar und die Gastspieler Kováč, Baroš

SG Dynamo Dresden mit
Wiegers, Hartmann, Teixeira, Lambertz, F. Müller, Ballas, Hilßner, Hauptmann, Testroet, Awassi, Berko, Gogia, Wachs, Modica, Kreuzer, Aosman, J. Müller, Starostzik, Kutschke

Zuschauer: 1.059       SR: Henry Müller (Cottbus) SRA: Jens Klemm, Tony Schuster

Vorbericht
In der Länderspielpause am kommenden Sonnabend, den 08. Oktober, steht für den FC Oberlausitz eine ganz besondere Partie an. In der Begegnung mit Dynamo Dresden, die in der Neugersdorfer Sparkassen-Arena stattfindet und für die noch Restkarten an der Tageskasse angeboten werden, läuft auch ein Spieler auf, ohne dem der FCO nicht dort stehen würde, wo er heute ist: Jan Nezmar. Dreieinhalb Jahre stand er in Diensten der Oberlausitzer und hat die sportliche Entwicklung des Vereins in dieser Zeit entscheidend beeinflusst. In 75 Punkt- und 16 Pokalspielen erzielte er für die Neugersdorfer insgesamt 74 Tore. Ohne ihn wäre die Erfolgsgeschichte der Oberlausitzer in den letzten dreieinhalb Jahren undenkbar.
Am 12. November 2012 stand er zum letzten Mal für seinen Verein in der ersten Tschechischen Liga auf dem Platz. 0:3 verlor er mit Slovan Liberec bei Sparta Prag, für den 35jährigen sollte Schluss sein. Denn er wechselte ins Management, wurde Sportdirektor bei Slovan. Doch ohne selbst Fußball zu spielen - das ging bei ihm nicht. So kam er eigentlich nur zum Abtrainieren in die Landesliga nach Neugersdorf. Mit dem Verein wurde er schnell einig und wollte anfänglich mal hier und da aushelfen - in der sechsten Liga. Fünf Spiele machte er noch in der Saison 2012/13 für die Oberlausitzer und steuerte dabei zwei Tore zum Oberligaaufstieg bei. Ob es für ihn noch für die fünfte Deutsche Liga reichen würde? Er, der in der Champions- und Euro-League schon mit Schalke und Dortmund, Liverpool und Mailand die Klingen kreuzte, mit Liberec (2001 und 2012) und Ruzomberok (2006) Tschechischer und Slowakischer Meister wurde, er hatte selbst Zweifel. Doch Jan Nezmar raffte sich nochmals auf, aus dem Abtrainierer wurde ein unverzichtbarer Leistungsträger und Torgarant. In den zwei Oberligajahren stieg er zum Führungsspieler auf, erzielte für den FCO sage und schreibe 54 Treffer, im Aufstiegsjahr 2014/15 war er 30mal in 26 Spielen erfolgreich. Und das, obwohl er mit Liberec und Neugersdorf beruflich und sportlich doppelt eingespannt war. Oft konnte er für den FCO nur auflaufen, weil er seinen Mannschaftskameraden, in einem Motel übernachtend, allein hinterherfuhr. Oder er ließ sich vorzeitig auswechseln, um ein paar Stunden später in Liberec auf der Tribüne zu sitzen. Der Aufwand, den er betrieb, war phänomenal - sowohl auf als auch neben dem Platz. Denn verpasste Trainingseinheiten machen sich bemerkbar und wollen nachgeholt werden - gerade im hohen Fußballeralter. Jan Nezmar war jederzeit topfit, auf ihn konnte man sich stets verlassen. Und wenn er in seiner sportlichen Heimat, dem gegnerischen Strafraum, zum Kopfball ansetze, hatten die Gegner kaum etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen. So auch am 24.Mai 2014. Jan Nezmar sprang wieder mal am höchsten und köpfte gegen Aues Nachwuchs das 1:0, das den Weg zum endgültigen Aufstieg in die Regionalliga öffnete. Doch sooft er auch im gegnerischen Strafraum abhob, im Leben macht er das nie. Er konnte Arbeit und Sport hervorragend trennen. Einerseits seriös als Sportdirektor Slovans auftretend, war er im Mannschaftsgefüge der Neugersdorfer einer von vielen, mit beiden Füßen auf der Erde, dem Erfolg alles unterordnend.
Ein Fußballer hängt seine Schuhe an den Nagel - einer von vielen. Aber ein ganz besonderer. Der FC Oberlausitz Neugersdorf hat Jan Nezmar viel, sehr viel zu verdanken.
Děkuji, Jan!
Immer an die Grenzen gehend, aber stets sportlich fair - "… er ist ein einzigartiger Charakter, fußballerisch und menschlich." Sein ehemaliger Kapitän Karl Petrick sagte das am Ende der vergangenen Saison. Karl Petrick wird den FCO am Sonnabend aufs Feld der Sparkassen-Arena führen. Jan Nezmar wird als einer von zehn weiteren Spielern für die Neugersdorfer hinter seinem Kapitän auflaufen, um sich von seinem Neugersdorfer Publikum und seinen Fans zu verabschieden.

Auf seinem letzten fußballerischen Gang möchten ihn drei langjährige Weggefährten begleiten:

Radoslav Kováč, 30facher tschechischer Nationalspieler, der 2006 und 2008 bei WM und EM spielte, u.a. für Sparta Prag, Spartak Moskau, West Ham United und den FC Basel aktiv war und in diesem Jahr seine aktive Laufbahn beendete,

Milan Baroš, der 92mal für sein Land antrat, 2004 die deutsche Nationalmannschaft aus der Europameisterschaft schoß, zudem 2008 und 2012 EM- und 2006 WM-Teilnehmer war, u.a. für den FC Liverpool, Aston Villa, den FC Portsmouth, Olympique Lyon und Galatasaray Istanbul auflief und noch heute für Slovan Liberec in der Europa League erfolgreich auf Torjagd geht und

Tomáš Ujfaluši, 78facher Nationalspieler, für sein Land bei der WM 2006 und EM 2008 aktiv, den die deutschen Fußballfans noch als langhaarigen Verteidiger des Hamburger SV kennen, der später u.a. für den AC Florenz und Atletico Madrid antrat. Ob er die Frisur heute noch so offen trägt bzw. tragen kann?

Wir werden es sehen - am Sonnabend ab 14 Uhr in der Sparkassen-Arena Neugersdorf.
Jens Kölz